Ausstellung des Jahres: Kader Attia

„Sacrifice and Harmony“, eine Ausstellung von Kader Attia im MMK Frankfurt, ist die Ausstellung des Jahres.

dpa/Holschneider - Kader Attia exhibition

Auf der einen Seite läuft ein Film, in dem Opfer des ersten Weltkriegs aus ihren Gräbern emporsteigen, um die Nachwelt vor weiterem Unheil zu bewahren. Auf der anderen Seite stehen monumentale Holzbüsten, geschaffen von Bildschnitzern aus dem Senegal. Sie zeigen Menschen mit schwersten Gesichtsverletzungen, die sie im ersten Weltkrieg erlitten haben. Diese ebenso faszinierende wie schockierende Installation war Teil der Kader Attia-Ausstellung „Sacrifice and Harmony“, die im Frühsommer im Museum für Moderne Kunst, Frankfurt, zu sehen war. Die Internationalen Vereinigung der Kunstkritiker (AICA) hat sie nun zur Ausstellung des Jahres gewählt.

„Reparatur“, also der Umgang verschiedener Kulturen mit Wunden und Verletzungen, ist das Thema von Kader Attia. Dabei geht es ihm nicht um eine Versöhnung der kulturellen Differenzen, sondern vielmehr um eine geschärfte Wahrnehmung der Pluralitäten. Der Künstler, als Kind algerischer Einwanderer in den Banlieues von Paris aufgewachsen, studierte Kunst in Paris und hatte seine erste Einzelausstellung in Brazzaville in der Republik Kongo. Durch die Documenta 2013 wurde er international bekannt, 2016 erhielt er den bedeutenden französischen Kunstpreis Prix Marcel Duchamp. Heute lebt und arbeitet Attia in Berlin und Algier.