Connecting Startup Cities

Auf den Asien-Pazifik-Wochen in Berlin vernetzen sich deutsche und asiatische Startups.

dpa - Founders

Wer Shrada Sharma ein paar Fragen stellen will, der muss auf Zack sein. Sharma ist Gründerin und Chefredakteurin von yourstory.com, einer Medienplattform aus Bangalore mit Geschichten rund um junge Unternehmer. Sie ist zu Gast auf der Konferenz „Connecting Startup Cities“ in Berlin. Gerade noch schilderte sie beim Eröffnungs-Panel die Geschichte ihres Unternehmens, schon schwirrt sie wieder durch die Gänge, umgeben von einer Menschentraube. Netzwerken, dazu ist sie hergekommen. Und dafür ist die zweitägige Konferenz genau der richtige Ort.

Brücke nach Asien

Die Veranstaltung eröffnet die Asien-Pazifik-Wochen Berlin (APW), die vom 15. bis 28. Mai in der deutschen Hauptstadt stattfinden. Asiatische und europäische Akteure aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft diskutieren über die Digitalisierung und künftige Innovationen. „Connecting Startup Cities“ widmet sich speziell Fragen rund um den Einzug digitaler Technologien in die Finanzbranche, die Entwicklung „smarter“ Städte, Robotik, Künstliche Intelligenz oder Sicherheit im Internet. Berlin will mit der Konferenz eine Brücke für die Startup-Szene bauen, die bis nach Indien, Indonesien und auf die Philippinen reicht.

Konkrete Hilfe

„Gerade die asiatischen Märkte erscheinen vielen Startups trotz ihrer verlockenden Größe und Dynamik geographisch, kulturell, politisch und gesellschaftlich schwer zugänglich“, so Rainer Seider, Leiter des Referats für Außenwirtschaft, Europäische Wirtschaftspolitik und  Entwicklungszusammenarbeit in der Berliner Senatsverwaltung. Er hat die APW vor 20 Jahren mitbegründet. Die Brücke, die er baut, soll keine Einbahnstraße sein. „Wir bringen die asiatischen Partner nach Berlin und begleiten die Berliner nach Asien.“

Startup-Hauptstadt Berlin

Die Bundeshauptstadt Berlin ist auch die Startup-Hauptstadt Deutschlands. Sie liegt bei den Neugründungen von Unternehmen bezogen auf die Einwohnerzahl weit vor allen anderen Bundesländern. Allein 500 IT-Startups entstehen jedes Jahr, erklärt Norbert Herrmann vom Berliner Senat. Als erfolgreichste Gründung gilt Zalando, ein Online-Versandhändler für Schuhe und Mode, bei dem mittlerweile 12.000 Menschen arbeiten. Die Startup-Szene der Stadt sei breit aufgestellt, auch Biotechnologie- oder Finanz-Gründer spielten eine wichtige Rolle, sagt Herrmann. „IT ist nicht alles, es gibt nicht nur den einen Fokus in Berlin.“

Google ist schon da

Auch der US-Technologie-Gigant Google hat Berlin als Standort für sich entdeckt.  Er ist in der „Factory Berlin“ eingemietet, einer ehemaligen Fabrik im Trendbezirk Prenzlauer Berg, in der viele weitere namhafte Digital-Unternehmen vertreten sind, darunter Twitter, Uber und Soundcloud. Wenige Kilometer entfernt, im alternativ geprägten Stadtteil Kreuzberg entsteht gerade ein Google-Campus für Gründer nach dem Vorbild ähnlicher Projekte in London, Madrid, Warschau, Seoul, Sao Paulo und Tel Aviv. Den Erfolg Berlins erklärt Hermann mit dem für Startups vielversprechenden „Ökosystem“ der Stadt: Die Mieten sind immer noch vergleichsweise günstig, ein Pool junger, gut ausgebildeter Uniabsolventen steht bereit, die ehemals durch eine Mauer geteilte Stadt empfängt Menschen aus allen Ländern der Welt sehr offen.

Manila, Jakarta und Bangalore

Der Ruf Berlins als Startup-Metropole hat sich weltweit herumgesprochen. Auf der Konferenz „Connecting Startup Cities“ trifft man junge und ältere Unternehmer aus allen Teilen Asiens. Zwei Projekte der Stadt haben dazu beigetragen: Für die Start Alliance Berlin können sich Startups aus Shanghai bewerben, die bereits über ein fertiges Produkt verfügen und in naher Zukunft in den europäischen Markt eintreten wollen. Die Firmen, die ausgewählt werden, erhalten für bis zu vier Wochen einen Arbeitsraum in einem Berliner Co-Working-Space und eine Unterkunft, beides kostenlos. Die Gründer können den deutschen und europäischen Markt testen und sich mit der Startup-Szene vernetzen. Startup AsiaBerlin heißt das zweite Projekt. 25 Jungunternehmer, zehn davon aus Berlin und je fünf aus Manila, Jakarta und Bangalore kommen zusammen und erkunden gemeinsam auf einer „Roadshow“ die Startup-„Ökosysteme“ der drei Städte. Im Oktober soll die zweite Reise stattfinden.

Shrada Sharma überzeugt

Auch Sharma Shrada von yourstory.com verspricht sich viel vom unternehmerischen „Ökosystem“ Berlin. Sie war 2016 zum ersten Mal in der Stadt auf einer Konferenz zu Gast. Nun will sie dort Fuß fassen. Bei ihrem Auftritt auf dem Eröffnungspanel von „Connecting Startup Cities“ sticht Shrada unter den Rednern hervor. Sie sagt Dinge wie: „Jeder hält das Silicon Valley für das große Ding, damit müssen wir Schluss machen!“ und erklärt „Wir in Indien sind sehr offen, weil wir in unserer Geschichte von vielen fremden Ländern beherrscht wurden. Aber wenn die Deutschen nach Indien kommen wollen, müssen sie ein klein wenig Englisch lernen!“ und erntet dafür Lacher und Applaus.

Kontakte zu 50.000 Startups

Im Gespräch sagt sie, sie sei in Indiens Startup-Szene so gut vernetzt wie niemand sonst: „Ich habe Kontakte zu 50.000 Startups und kenne die Eigenheiten des Marktes.“ Diese Kontakte sollen ihr nun helfen, indische Gründer nach Deutschland zu bringen – und damit Geld zu verdienen: „Wohltätigkeit ist nicht nachhaltig“, sagt Shrada. Das Geschäftsmodell von yourstory.com beruht auf verschiedenen Werbeformaten auf der Seite und eigenen Veranstaltungen. Ein wichtiges Thema bei „Connecting Startup Cities“ ist der relativ kleine deutsche Markt. Schließlich leben nur gut 80 Millionen hier, verglichen mit den Milliarden Menschen in Indien und China ist das wenig. Shrada wischt diese Zahlen beiseite: „Es geht nicht nur um die Anzahl der Nutzer, sondern auch um ihren Marktwert.“ Und der sei in Deutschland sehr hoch.