Umzug mit großem Gepäck

250 Bundeswehrsoldaten, sechs Kampfflugzeuge und ein Tankflugzeug ziehen von der Türkei nach Jordanien um. Den Überblick behält Oberst Frank Gräfe.

„Tornado“ der Bundeswehr am türkischen Stützpunkt Incirlik
Sechs „Tornados“ werden nach Jordanien verlegt dpa

Seit Dezember 2015 engagiert sich Deutschland in der Internationalen Allianz gegen den sogenannten „Islamischen Staat“ (Counter Daesh). Bisher waren die Soldatinnen und Soldaten der  deutschen Bundeswehr am türkischen Stützpunkt Incirlik stationiert und unterstützten die Allianz mit einem Tankflugzeug und mit Aufklärungsflügen. Die Bundesregierung beschloss Anfang Juni 2017 den Abzug aus Incirlik, weil die türkische Regierung Bundestagsabgeordneten das Besuchsrecht dort verweigert hatte. Stattdessen werden 250 Soldaten, sechs Kampfflugzeuge vom Typ „Tornado“ und ein Tankflugzeug in Jordanien auf der Airbase Al-Azraq stationiert. Frank Gräfe hat als Führer des Vorkommandos anderthalb Monate auf dem jordanischen Stützpunkt verbracht und den Umzug vorbereitet. Von der Zusammenarbeit mit den jordanischen Partnern ist er begeistert.

Bundeswehr am türkischen Stützpunkt Incirlik: Oberst Frank Gräfe mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen
Oberst Gräfe mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen Bundeswehr

Herr Gräfe, 250 Soldaten, also ein ganzes Kontingent, und mehrere Flugzeuge ziehen gerade von der Türkei nach Jordanien um. Wie kann man sich einen so großen Umzug vorstellen?

Das ist wirklich etwas Besonderes, weil wir nach meiner Kenntnis noch nie aus einem laufenden Einsatz heraus umgezogen sind. Nach der politischen Entscheidung haben wir sehr schnell verlegt und es gab keine lange Vorbereitungszeit. Das Wichtigste war, die operationelle Lücke so gering wie möglich zu halten. Das hat sehr gut funktioniert. Am 8. Juni 2017 war ich erstmals in Jordanien, das Tankflugzeug flog bereits nach weniger als fünf Wochen von Jordanien aus in seine Einsätze und jetzt, zwei Monate später, sind fast 100 Soldaten in Jordanien. Ende September werden wir alle Soldaten und das gesamte Gerät aus der Türkei abgezogen haben.

Jordanien ist eines der sichersten Länder in der Region.

Oberst Frank Gräfe

Wann starten die „Tornados“ von Al-Azraq aus zu ihrem ersten Flug?

Wir arbeiten aktuell daran, die sogenannte Bildauswertestelle von der Türkei nach Jordanien zu verlegen. Sie ist ein essenzieller Teil der Mission, ich bezeichne sie auch als das „Herzstück“ des Einsatzkontingentes. Dort analysieren die Soldaten die Luftaufnahmen der „Tornados“. Diese Auswertestelle ab- und aufzubauen ist sehr aufwendig. Erst wenn sie einsatzbereit ist, brauchen wir auch die „Tornados“ wieder vor Ort. In diesem Zeitraum übernehmen Verbündete unsere Aufgaben. Die Tornados fliegen dann spätestens ab Oktober 2017 wieder aus Jordanien.

Sie haben 46 Tage auf dem jordanischen Stützpunkt verbracht. Was erwartet die Soldaten dort?

Ich bin wirklich begeistert von der Gastfreundschaft der Jordanier, der herzlichen Aufnahme und der tollen Zusammenarbeit. Wir sind ohne große Vorbereitung dort angekommen, doch die Jordanier haben uns so gut unterstützt, dass das Tankflugzeug schon wieder im Einsatz ist. Jordanien ist ein faszinierendes, gastfreundliches Land. Es bietet den Soldaten neben dem Dienst viele Möglichkeiten, eine spannende Kultur und Historie kennenzulernen.

Der Stützpunkt liegt nur etwa 50 Kilometer südlich der jordanisch-syrischen Grenze. Wie steht es um die Sicherheit?

Jordanien ist eines der sichersten Länder in der Region. Natürlich sind Einsätze nie ohne Gefahren. Wir tun aber alles um den Schutz und die Sicherheit unserer Soldaten zu gewährleisten. Ich habe mich dort sicher gefühlt.

Fakten zum neuen Stützpunkt
 

  • Standort: Stützpunkt Muwaffak Salti Airbase bei Al-Azraq, Jordanien. Nach Angaben des jordanischen Militärs nutzte schon Lawrence von Arabien, der zur Legende gewordene Brite Thomas Edward Lawrence, den Standort 1918. Die Region gilt wegen der klaren Sicht und dem guten Wetter als idealer Standort. Ende der 1970er-Jahre wurde Al-Azraq als Militärflughafen ausgebaut.
  • Ziel der Mission: Unterstützung der Anti-IS-Koalition durch militärische Aufklärung. Dabei überfliegen und fotografieren „Tornados“ der Bundeswehr Städte, Straßen und Brücken in Syrien, Soldaten werten diese Bilder anschließend aus.
  • Herzstück der Mission: die Bildauswertestellte, die sogenannte GES (Ground Exploitation Station). Hier werden die Luftbilder des Tornados kontrolliert, gesichtet, sortiert und ausgewertet.
  • 250 Soldaten
  • 6 Tornados
  • 1 Tankflugzeug

Interview: Marie Busse

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