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Die Regisseurin Maren Ade

Die Tragikomödie „Toni Erdmann“ ist für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. Ein Porträt der Regisseurin Maren Ade.

23.02.2017
© dpa - Maren Ade

Es war der Kino-Hit des Sommers, in Cannes mit stehenden Ovationen und überschwänglichen Kritiken gefeiert, in viele Länder verkauft, jetzt sogar für den Oscar nominiert: „Toni Erdmann“, die dramatisch-komische Vater-Tochter-Geschichte von Maren Ade. Aber wer ist die Frau hinter der Kamera, was ist das Erfolgsrezept der Regisseurin Maren Ade, die bisher einem größeren Publikum kaum bekannt war?

Auf der „Watchlist“ von „Variety“

Maren Ade, Jahrgang 1976, gilt als Perfektionistin. Sie recherchiert lange und ausgiebig über ihr Sujet, erarbeitet über Jahre das Drehbuch, um es schließlich minutiös und wortgetreu umzusetzen. Dafür lässt sie Szenen zum Teil 30 bis 40 Mal wiederholen. Auch die Drehorte sind sorgfältig ausgesucht. Darüber hinaus hat sie ein Faible für Familiengeschichten. Zu ihren Vorbildern gehören Ingmar Bergman („Szenen einer Ehe“), John Cassavetes („Eine Frau unter Einfluss“), Michelangelo Antonioni („Die Nacht“) und auch Rainer Werner Fassbinder. Aber anders als Fassbinder, der einen Film nach dem anderen produzierte, dreht sie nur alle sechs bis sieben Jahre einen Film. Bisher: „Der Wald vor lauter Bäumen“ (2003), „Alle anderen“ (2009) und eben „Toni Erdmann“ (2016). Auch die Präsentation ihrer Filme bereitet sie akribisch vor – mit Erfolg. „Der Wald vor lauter Bäumen“ lief 2005 auf dem Sundance Festival in den USA – und erhielt den Spezialpreis der Jury. „Alle anderen“ kam 2009 in den Wettbewerb der Berlinale – und brachte Ade den großen Preis der Jury. „Toni Erdmann“ lief 2016 in Cannes und war, obwohl er bei der Preisverleihung leer ausging, der Liebling von Publikum und Kritik. Dass sie den Film erst vier Tage vor der Premiere fertigstellen konnte, war für die Perfektionistin „ein Albtraum“. Einiges deutet aber auf einen krönenden Abschluss für „Toni Erdmann“ hin. Das einflussreiche US-Branchenblatt „Variety“ hat Maren Ade auf die Liste der „10 Directors to Watch“ gesetzt. Und schon jetzt wird in Hollywood über ein Remake mit Jack Nicholson spekuliert. Die Produktionsfirma Paramount Pictures hat sich die Rechte an der Tragikomödie bereits gesichert.

Oscar-Verleihung am 26. Februar 2017 in Los  Angeles

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