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Gefälschte Nachrichten im Netz

Fake News, Social Bots, Cyberattacken: Experten fürchten eine Beeinflussung des Bundestagswahlkampfs 2017. Was dahintersteckt und wie Nutzer sich schützen können.

Im September 2017 wählen die Deutschen den neuen Bundestag. Doch Parteien und Experten sind besorgt: Sie rechnen mit einer Beeinflussung der Wahl durch Cyberattacken, Fake News und Social Bots. Was es damit auf sich hat und welche Gegenmittel es gibt.

Fake News – und Gegenstrategien

Eine angeblich von Arabern in Brand gesteckte Kirche, ein angeblich von Flüchtlingen im Schwimmbad vergewaltigtes Mädchen, eine angebliche Politikerin, die einen Mörder in Schutz nimmt – einige Meldungen, die in den vergangenen Monaten in den sozialen Netzwerken in Deutschland viral gingen, hatten eins gemeinsam: Sie waren erfunden.

Fake News sind Falschnachrichten. Es geht dabei nicht um ein verkürztes oder aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat, sondern um tatsächlich erfundene Nachrichten, die Stimmung gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen oder Personen machen sollen.

Bundeswahlleiter Dieter Sarreither warnte in Hinblick auf die Bundestagswahl: „Die Bürger und die Medien müssen in diesem Wahlkampf besonders sensibel auf Nachrichten reagieren. Sie müssen wissen, dass es Versuche gibt, sie zu manipulieren.“ Die Regierungskoalition denkt derzeit darüber nach, wie man Fake News mit Gesetzen verhindern kann. Im Gespräch sind hohe Strafen und ein „Abwehrzentrum gegen Desinformation“.

EU-Initiative gegen Fake News

Wie schwierig es ist, Falschinformationen zu enttarnen, zeigt eine Initiative der Europäischen Union: Im Europäischen Auswärtigen Dienst in Brüssel sind elf Beamte dafür zuständig, Fake News zu enttarnen. Unterstützt von 400 Journalisten, Universitätsangestellten, Beamten, Mitarbeitern von Nichtregierungsorganisationen und Einzelpersonen aus 30 Ländern kämpfen sie gegen die Lügen im Netz. Sie veröffentlichen ihre Ergebnisse auf der Website euvsdisinfo.eu.

Facebook

Die Bundesregierung würde Facebook gerne stärker in die Pflicht nehmen, Falschmeldungen zu löschen. Das Unternehmen ist mit mehr als 25 Millionen Nutzern in Deutschland und 1,7 Milliarden Nutzern weltweit der größte Verbreiter von Fake News. Außerdem ist im Gespräch, ob Facebook eine Rechtsschutzstelle in Deutschland einrichten muss – aktuell laufen zu viele Meldungen ins Leere. Auch Bußgelder werden diskutiert. Doch Facebook gibt sich unbeeindruckt und setzt lieber auf aufgeklärte Nutzer und Journalisten.

Was können Nutzer tun?

Nutzer können einiges tun, um sich gegen Fake News zu schützen.

- Der erste Schritt: Die Quelle überprüfen. Hat die Website ein Impressum? Existiert das Medium, das als Quelle angegeben wird? Sind die anderen Meldungen auf der Website, Posts oder Tweets glaubhaft oder klingen sind erfunden?

- Der zweite Schritt: Steht im Text, was der Vorspann verspricht? Ein Vorspann ist oft zugespitzt, um möglichst viele Nutzer auf die Seite zu ziehen. Es macht Sinn, den ganzen Artikel zu lesen – häufig ist die Nachricht gar nicht so spektakulär.

- Der dritte Schritt: Auf der Website www.mimikama.at kann man Fake News melden. In der Fake-News-Suche kann man überprüfen, ob an der Nachricht was dran ist.

Social Bots

Die Beiträge sehen aus, als seien sie von echten Nutzern in den Sozialen Medien geschrieben – dabei stecken sogenannte Social Bots dahin: Meinungsroboter, die sich automatisiert in politische Debatten auf Facebook oder Twitter einschalten und diese beeinflussen, getarnt als echte User.

Die rechtspopulistische Partei Alternative für Deutschland (AfD) hatte im Herbst 2016 angekündigt, im Bundeswahlkampf 2017 „selbstverständlich“ auch auf Social Bots zurückgreifen zu wollen. Erst als alle anderen Parteien protestierten und sich gegen die Meinungsroboter aussprachen, nahm die AfD den Vorstoß zurück.

Einige Parteien, wie beispielsweise Bündnis 90/Die Grünen, fordern ein Gesetz zur Kennzeichnung von Social Bots. „Dann können die Bürger klar erkennen, wenn ein Tweet oder Post von einem Roboter erzeugt wurde“, sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt.

Der deutsche Blogger, Journalist  und Social Media-Spezialist Sascha Lobo hat zu den Vorstellungen der Bundesregierung eine differenzierte Meinung. Im Nachrichtenportal „Spiegel online“ schreibt er, den Phänomenen lasse sich nur indirekt begegnen: „Durch Aufklärung und Wahrhaftigkeit, durch Transparenz und Fehlerkultur, durch offene Debatte und offensive Meinungspluralität, vielleicht durch technische Hilfestellungen dieser Werte und Methoden. Aber nicht durch Gesetze.“

Safer Internet Day am 7. Februar 2017

www.saferinternetday.org

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