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Harter Realismus aus Deutschland

Das gab es noch nie: Deutschland hat die beiden wichtigsten Preise auf der Kunstbiennale in Venedig gewonnen.

Der von der Künstlerin Anne Imhof gestaltete Deutsche Pavillon bekam den Goldenen Löwen als bester nationaler Beitrag. Der Konzeptkünstler Franz Erhard Walther wurde mit dem Goldenen Löwen als bester Künstler ausgezeichnet.

Im Deutschen Pavillon zeigt die 39-jährige Anne Imhof die fünf Stunden lange Performance „Faust“. Die Jury lobte die „kraftvolle und verstörende Arbeit“. Ihr Beitrag stehe für „das Recht, anders zu sein“, sagte Imhof in ihrer Dankesrede. „Anne Imhof begegnet der Brutalität unserer Zeit mit einem harten Realismus.“ So beschreibt die Kuratorin Susanne Pfeffer die Arbeit der Künstlerin, die 2017 Deutschland auf der Biennale di Venezia vertritt.

New York, Paris, jetzt Venedig

Anne Imhof, Jahrgang 1978, studierte Visuelle Kommunikation bei Heiner Blum an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und schrieb sich anschließend an der Städelschule in Frankfurt am Main ein. Für ihre Abschlussarbeit erhielt sie 2012 den Absolventenpreis. International bekannt wurde Imhof 2015 durch Ausstellungen im MoMA PS1 in New York und im Centre Pompidou, Paris. 2016 machte sie mit dem Werkzyklus „Angst“, der in Basel, Berlin und Montreal zu sehen war, auf sich aufmerksam. Ihre Themen sind immer wieder Gewalt und Kontrolle, Identität und Verlust. Dabei bedient sie sich häufig verschiedener Formen: von Malerei über Skulptur bis Installation und Performance.

In Venedig steht Anne Imhof in einer Reihe mit großen deutschen Künstlern wie Gerhard Richter, Joseph Beuys, Anselm Kiefer, Sigmar Polke oder Martin Kippenberger, die den Pavillon allein in der Nachkriegszeit bespielten. Deutschland beteiligt sich seit dem Beginn 1895 an der Kunstbiennale, seit 1909 mit einem eigenen Pavillon. Der deutsche Beitrag hat nun bereits fünf goldene Löwen gewonnen: 1986 Sigmar Polke, 1993 Hans Haacke und Nam June Paik, 2001 Gregor Schneider  und 2011 Christoph Schlingensief und nun Anne Imhof.

Walther als bester Künstler geehrt

Der als bester Künstler ausgezeichnete Franz Erhard  Walther zeigt in Venedig ein großformatiges Werk aus Textil und Stahlplatten. Seine Arbeiten hätten einen „radikalen und komplexen Charakter“, lobte die Jury. Walther ist bekannt für seine Kunst, an der der Betrachter teilhaben kann. „Es ist also für Sie alle möglich, ein Kunstwerk zu werden“, sagte der 77-jährige Künstler.

Seit 1971 koordiniert das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) im Auftrag des Auswärtigen Amts den deutschen Länderbeitrag auf der „Biennale di Venezia“.

Biennale di Venezia vom 13. Mai bis 26. November 2017

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