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Helmut Kohl bei der Deutschen Einheit

„Wir verlieren einen sehr großen Europäer“

Der Tod des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) hat in Deutschland und international Trauer aufgelöst.

Mit Bestürzung haben zahlreiche Politiker aus dem In- und Ausland auf den Tod des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl reagiert und ihre Trauer bekundet. Bundeskanzlerin Angela Merkel erhielt die Nachricht während einer Reise nach Rom. Sie änderte ihr Besuchsprogramm und äußerte sich am Freitagabend  in der Residenz der deutschen Botschafterin über den Tod ihres Amtsvorgängers.

Als CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin würdigte Merkel den Altkanzler als großen Europäer und Kanzler der Einheit. Man werde noch lange bewundern, wie entschlossen er und seine Mitarbeiter die Gunst der Stunde zur deutschen Vereinigung genutzt hätten. "Das war höchste Staatskunst im Dienste der Menschen und des Friedens", sagte Merkel. "Helmut Kohl ist damit zu einem Glücksfall für uns Deutsche geworden." Kohl habe auch ihren Lebensweg entscheidend verändert. "Ich bin ganz persönlich dankbar, dass es ihn gegeben hat." Merkel hob hervor, dass Kohl auch ein Modernisierer der CDU gewesen sei.

George H. W. Bush: "Helmut war ein Fels"

Der frühere US-Präsident George H. W. Bush nannte Kohl einen "wahren Freund der Freiheit". "Er ist der Mann, den ich als eine der größten politischen Führungsfiguren im Nachkriegseuropa ansehe", heißt es in einem Statement, das sein Büro am Freitag verbreitete. Bush war einer der US-Präsidenten, die während Kohls Amtszeit im Weißen Haus waren. Beide Politiker gelten als Väter der Deutschen Einheit. Kohl habe sein Leben der Stärkung von Institutionen der Demokratie gewidmet, in Deutschland und darüber hinaus. Es sei eine der "großen Freuden meines Lebens", gemeinsam mit Kohl an der friedvollen Beendigung des Kalten Krieges und an der deutschen Wiedervereinigung innerhalb der Nato gearbeitet zu haben. "Bei all unseren Anstrengungen war Helmut ein Fels - stark und beständig", heißt es in dem Statement Bushs.

Jean-Claude Juncker: "Das europäische Haus mit Leben erfüllt"

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat sich "tief getroffen" über den Tod Helmut Kohls gezeigt. "Er wird uns fehlen, denn er war Europa und mir persönlich ein echter Vertrauter und Verbündeter. Er hat mich persönlich auf allen europäischen Wegen geleitet und begleitet", teilte Juncker am Freitag in Brüssel mit. "Helmut Kohl hat das europäische Haus mit Leben erfüllt − nicht nur, weil er Brücken nach Westen wie nach Osten gebaut hat, sondern auch, weil er niemals aufgehört hat, noch bessere Baupläne für die Zukunft Europas zu entwerfen", so Juncker. "Ohne Helmut Kohl gäbe es den Euro nicht."

Juncker fand auch sehr persönliche Worte zum Tod des früheren Bundeskanzlers. "Helmut Kohl war ein großer Europäer und ein sehr guter Freund. (...) Er war mein Förderer − ein lieber Mensch, der hineinhören konnte in das Leben anderer, der auch mal ohne parteipolitische Brille in die Welt schaute, der viel Humor hatte." Er habe den Menschen die Politik näher gebracht. "Ich bin stolz, ihn gekannt zu haben. Ich wünsche uns heute den gleichen Mut, Geduld und Entschlossenheit, um so unerschütterlich wie Helmut Kohl die europäischen Herausforderungen anzugehen", erklärte Juncker.

Sigmar Gabriel: "Ein großer Staatsmann"

Außenminister Sigmar Gabriel hat Kohl als großen Staatsmann gewürdigt. "Er war ein großer Staatsmann, ein großer deutscher Politiker und vor allem ein großer Europäer, der sehr viel dafür getan hat, dass nicht nur die Deutsche Einheit gekommen ist, sondern auch dass Europa zusammengewachsen ist. Das ist sein großes Vermächtnis. So wird er uns in Erinnerung bleiben. Wir sind in diesen Minuten in Gedanken bei seiner Familie und seinen Kindern. Es ist ein wirklich großer Deutscher gestorben."

Benjamin Netanjahu: "Einer der größten Freunde Israels"

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat "tiefe Trauer" über den Tod des Altkanzlers geäußert. Kohl sei "einer der größten Freunde des Staates Israel" und der Sicherheit des jüdischen Staates "vollkommen verpflichtet" gewesen, sagte Netanjahu. "Kohl war der Führungspolitiker, der Deutschland in Entschlossenheit und mit sicherer Hand vereint hat. Seine Sympathie für Israel und den Zionismus ist bei vielen Treffen mit mir deutlich geworden, und in seiner entschlossenen Haltung für Israel, die er immer wieder in Europa und internationalen Foren gezeigt hat."

Emmanuel Macron: "Meister der deutsch-französischen Freundschaft"

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete Helmut Kohl als "sehr großen Europäer". Auf Twitter schrieb Macron am Freitag: "Meister des vereinigten Deutschlands und der deutsch-französischen Freundschaft: Mit Helmut Kohl verlieren wir einen sehr großen Europäer." Macrons Tweet ist mit einem Foto illustriert, das Kohl mit dem damaligen französischen Staatspräsidenten François Mitterrand Hand in Hand zeigt.

Jens Stoltenberg: "Verkörperung des vereinten Deutschlands"

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg schrieb auf Twitter: "Helmut Kohl war die Verkörperung eines vereinten Deutschlands in einem vereinten Europa. Als die Berliner Mauer fiel, zeigte er sich der Situation gewachsen. Ein echter Europäer."

Donald Tusk trauert um "Freund und Staatsmann"

"Ich werde mich stets an Helmut Kohl erinnern. Ein Freund und ein Staatsmann, der geholfen hat, Europa wiederzuvereinen", teilte EU-Ratspräsident Donald Tusk in Brüssel auf Twitter mit.

Schulz: "Vermächtnis an Europa"

"Helmut Kohl hat historische Weichen für Deutschland und Europa gestellt und sich Verdienste erworben, die Bestand haben und nicht vergessen werden", sagte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Kohls Vision von einem europäischen Deutschland sei ein Vermächtnis an die deutsche Nation und an ganz Europa. "Helmut Kohl war der Kanzler der Deutschen Einheit", sagte Schulz weiter. "1989 war es seiner Geistesgegenwart, seinem politischen Mut und seiner Führungsstärke zu verdanken, dass die Wiederherstellung der deutschen Einheit möglich wurde."

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