„Wandel, Freiheit und Unabhängigkeit”

Am 25. Mai feiern die Länder der Afrikanischen Union die Unterzeichnung ihrer Charta 1963. Ein Interview mit Sitona Abdalla Osman, Botschafterin der Republik Südsudan in Deutschland.

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Freiheit, Unabhängigkeit, Wandel: 32 afrikanische Länder unterzeichneten am 25. Mai 1963 in Addis Abeba die Charta der heutigen Afrikanischen Union. Auch die afrikanischen Botschaften in Deutschland feiern diesen Tag traditionell gemeinsam. Am 23. Mai 2017 organisierte die Botschaft der Republik Südsudan einen Festakt mit 600 Gästen in Berlin zum Thema „The African Continent - Challenges and Opportunities”. Im Interview spricht Sitona Abdalla Osman, Botschafterin der Republik Südsudan, über die Bedeutung des Tages und die Herausforderungen der Länder Afrikas heute – auch in Hinblick auf den G20-Gipfel und den Marshallplan mit Afrika. 

Sitona Abdalla Osman

Ihre Exzellenz, der African Union Day am 23. Mai würdigt ein bedeutendes Ereignis der afrikanischen Geschichte. Warum halten Sie es für wichtig, diesen Tag auch in Deutschland zu feiern?

Die afrikanischen Botschafter in Deutschland feiern diesen Tag jedes Jahr, um die Gründung der Organisation der Afrikanischen Einheit (OAU) zu würdigen, einer Vorläuferorganisation der heutigen Afrikanischen Union (AU). 1963 unterzeichneten in Addis Abeba 32 afrikanische Staaten eine entsprechende Charta mit dem Ziel, den Ländern des Kontinents Wandel, Freiheit und Unabhängigkeit zu bringen. Unsere Feier ist eine Gelegenheit, die Errungenschaften der Gesellschaften und Regierungen Afrikas seit Gründung der Organisation anzuerkennen.

 

Wie haben Sie diesen besonderen Tag in Deutschland gefeiert?

Unter dem Titel „Der afrikanische Kontinent – Herausforderungen und Chancen“. Die Feier begann mit einer Podiumsdiskussion, an der Vertreter afrikanischer Organisationen, der deutschen Bundesregierung und der Wissenschaft sowie Menschen aus der afrikanischen Diaspora teilnahmen. Sie sprachen über die Herausforderungen und Chancen Afrikas und legten ihre ganz unterschiedlichen Ansichten dar. Es gab viele Fragen aus dem Publikum. Mehr als 600 Gäste kamen zu den Feierlichkeiten, darunter Vertreter deutscher Bundesministerien, Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und der Afrikanischen Union. Auch Parlamentarier, Forscher, Medienvertreter und afrikanische Studierende in Deutschland waren dabei.  In einem zweiten Teil der Veranstaltung fand ein Kulturprogramm statt mit afrikanischen Musikern aus Algerien und einer Modenschau zu traditionellen afrikanischen Gewändern aus der Elfenbeinküste, Ägypten, Äthiopien, Madagaskar und Südsudan. Zum Schluss gab es einen Empfang mit traditionellem afrikanischen Speisen aus 22 verschiedenen Ländern.

 

Wie können Deutschland und der afrikanische Kontinent von einer stärkeren Kooperation, wie beispielsweise dem „Marshall Plan mit Afrika“, profitieren? Welche Hoffnungen verbinden Sie mit der deutschen G20-Präsidentschaft 2017?

Es ist für die afrikanischen Länder eine große Chance, die guten Beziehungen zu Deutschland zu vertiefen – die deutsche G20-Präsidentschaft 2017 ist eine einmalige Gelegenheit dafür. Afrika hat auf der G20-Agenda große Priorität. Die deutsche G20-Agenda hat drei Themenschwerpunkte: Stabilität sichern, Zukunftsfähigkeit verbessern, Verantwortung übernehmen. Für uns Afrikaner bedeutet das, dass wir Verantwortung für die Entwicklung Afrikas übernehmen müssen – denn es liegt an uns, den afrikanischen Führungspersönlichkeiten und dem Volk. Wir schätzen die Initiative, aber sie muss in Einklang mit den individuellen Prioritäten der einzelnen afrikanischen Ländern stehen.