Von der Anti-Atombewegung zur Energiewende

Der Reaktorunfall von Tschernobyl vor 30 Jahren stärkte die Anti-Atom-Bewegung und ebnete den Weg zur Energiewende.

dpa/S. Derder - Energiewende

Vor 30 Jahren, am 26. April 1986, explodierte der Reaktor von Tschernobyl und Deutschland lernte ein neues Wort: Der GAU - also der „Größte Anzunehmende Unfall“ –  war nicht länger mehr nur ein theoretisches Szenario oder ein politischer Kampfbegriff der seit den 1970er-Jahren aktiven Atomkraftgegner, sondern für jeden spürbare Realität geworden. Nach Tschernobyl, so die Statistik,  fühlte sich mehr als die Hälfte der Deutschen persönlich stark bedroht, der Anteil der Kernkraftgegner in Deutschland stieg von etwa einem Zehntel auf fast ein Drittel der Bevölkerung. Der gesellschaftliche Konsens über den einst gepriesenen „sauberen Atomstrom“  bröckelte,  Forderungen nach einem Ausstieg aus der Atomenergie wurden deutlich lauter. Politiker aller Parteien beteuerten, den  Anteil der Kernenergie an der Energieversorgung senken zu wollen. Er betrug damals noch fast ein Drittel. Aber zu einem kompletten Umdenken in der Energiepolitik führte die Katastrophe von Tschernobyl damals noch nicht.

Nach Fukushima wurde die Energiewende beschlossen

Die Wende kam erst 25 Jahre und eine weitere Reaktorkatastrophe später – nach Fukushima. Vier Tage nach dem Reaktorunglück am 11.  März 2011 ließ Bundeskanzlerin Angela Merkel sieben der ältesten Atomkraftwerke sofort vom Netz gehen. Ein Jahr später beschloss der Bundestag mit großer Mehrheit das endgültige Aus für die Kernkraft bis zum Jahr 2022. Patrick Graichen, Direktor der „Agora Energiewende“, zieht Bilanz:  „Der Ausstieg aus der Kernenergie verläuft nach Plan, der Anteil der Erneuerbaren Energien hat sich heute beinahe verdoppelt, die Versorgungssicherheit mit Strom hat sich noch verbessert und die großen Kostensteigerungen beim Ausbau der Erneuerbaren Energien gehören der Vergangenheit an.“  Auf einer interaktiven Grafik auf den Internetseiten von „Agora“ kann man die  Entwicklung vom Jahr 2000 bis 2023 nachvollziehen. Beim Click auf das letzte Atomsymbol  im Zeitenstrahl wird das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet, die erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarenergie haben die Kapazitäten bis dahin längst übernommen.

www.agora-energiewende.de

© www.deutschland.de