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Mehr als nur Zugang zu Energie

Durch das Programm Energising Development erhalten Millionen Menschen in Afrika einen Zugang zu Elektrizität. Das schafft neue Jobs und eröffnet vielen Menschen neue Perspektiven.
von Hendrik Bensch

Wenn es abends dunkel wurde und schwangere Frauen zu Salamawit Betru ins Sire Goyu Health Centre kamen, mussten die Krankenschwester und ihre Kollegen improvisieren. „Wir beleuchteten den Raum mit Kerzen und Kerosinlampen. Wir haben sogar unsere Handys als Taschenlampen genutzt“, erinnert sie sich. Das war noch die Zeit ohne Strom. Heute hat das Gesundheitszentrum in Äthiopien Elektrizität. Glühbirnen beleuchten den Behandlungsraum. Dank des Stroms kann Salamawit Betru Impfstoffe kühlen, Instrumente sterilisieren und Patienten auf Malaria testen.

Das Sire Goyu Health Centre ist eines von 111 Gesundheitszentren in Äthiopien, das bis 2015 durch das Programm Energising Development (EnDev) Zugang zu Elektrizität bekommen hat. EnDev ist eine internationale Initiative, die den nachhaltigen Zugang zu modernen Energiedienstleistungen in Entwicklungsländern fördert. Es trägt auf diese Weise dazu bei, dass effiziente und klimafreundliche Energietechnologien zu Haushalten, sozialen Einrichtungen und Unternehmen gelangen. Auch der Ausbau erneuerbarer Energien im ländlichen Raum kommt dadurch voran. EnDev ist in 25 Ländern aktiv, davon 15 in Subsahara-Afrika.

Strom für mindestens 20 Millionen Menschen

South AfricaSouth Africadpa/Nic Bothma

Durch EnDev erhielten in Subsahara-Afrika bereits 6,2 Millionen Menschen und etwas mehr als 8.000 Schulen und Gesundheitszentren einen nachhaltigen Energiezugang mit Strom sowie Koch- und Heizenergie. Bis 2019 sollen weltweit mindestens 20 Millionen Menschen Zugang zu moderner, klimafreundlicher und bezahlbarer Energie erhalten. Deutschland und die Niederlande haben das Programm 2005 ins Leben gerufen. Später kamen Norwegen, Australien, Großbritannien, die Schweiz, Schweden, Irland und die EU als weitere Partner hinzu.

Mit dem Programm bekämpfen die Partner die Energiearmut in den einzelnen Ländern. So müssen laut Internationaler Energieagentur in Subsahara-Afrika immer noch mehr als 600 Millionen Menschen ohne Elektrizität auskommen. Das hat unter anderem schwerwiegende Folgen für die Umwelt. „Ohne Stromversorgung nutzen die Leute zum Heizen und zum Kochen beispielsweise Abfälle oder schlagen Holz in den Wäldern“, sagt Michael Köberlein, Berater bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die das Programm im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) maßgeblich koordiniert. Die Energiearmut trägt somit zur Entwaldung bei und ist für viele andere ökologische Probleme in den Ländern verantwortlich.

Positiver Einfluss auf Bildung und Gesundheit

SenegalSenegalGIZ

Zudem wirkt sie sich auf die Gesundheit aus. Denn durch einfache Kochstellen atmen viele Menschen große Mengen verrauchter Luft ein. Laut Weltgesundheitsorganisation sterben dadurch mehr als vier Millionen Menschen jedes Jahr frühzeitig. Auch auf die Bildung hat die Energiearmut einen bedeutenden Einfluss. „Ohne Elektrizität können Schulen ihre Klassenräume nicht beleuchten und keine Computer benutzen. Kinder können abends nicht mehr lernen, weil sie kein Licht haben“, sagt Michael Köberlein.

Das Programm EnDev setzt in mehreren Bereichen an, um die Energiearmut zu bekämpfen. So unterstützt das Programm staatliche Einrichtungen und Unternehmen dabei, das Stromnetz auf- und auszubauen. Zudem fördern die Partner den Aufbau privatwirtschaftlicher Märkte, zum Beispiel für Solarlampen oder moderne Herde. So werden effizientere Technologien gefördert, die dann möglichst in den jeweiligen Ländern hergestellt werden. Dieser Ansatz unterstützt die lokale Wirtschaft und schafft Arbeitsplätze und Einkommen. Davon profitieren Menschen wie der Kenianer Shadrac Ananda. „Ich habe bei einem Workshop von EnDev gelernt, wie man moderne Herde herstellt und installiert“, erzählt er. „Seitdem verdiene ich gutes Geld.“ Er konnte sich dadurch ein Haus bauen und eine Kuh leisten.

Welche positiven Auswirkungen EnDev hat, zeigt sich auch in Umfragen. Bei einer Studie in Kenia gab mehr als die Hälfte der befragten Herd-Verkäufer an, dass ihr Einkommen um mehr 55 Prozent gestiegen sei. Viele haben durch den Job eine weitere Einkommensquelle gewonnen, ihre finanzielle Situation hat sich stabilisiert. Und fast alle haben weitere Mitarbeiter eingestellt.

Neue wirtschaftliche Chancen

Durch den Zugang zu Elektrizität entstehen auch auf anderem Weg neue Jobs. In Mosambik unterstützte EnDev den Netzausbau für Menschen mit geringem Einkommen. Viele Haushalte kauften danach einen Kühlschrank. Ein Teil von ihnen nutzte ihn, um damit Geld zu verdienen. Sie verkauften beispielsweise gekühlte Getränke oder Hühnchen. Auch Agnes Segla aus Toucountouna im Nordwesten Benins eröffnete ihr eigenes Lebensmittelgeschäft, als ihr Dorf an die Stromversorgung angeschlossen wurde. Heute verkauft sie Fisch, Würstchen und beliefert Restaurants mit ihren Produkten.

Mit Hilfe der neuen effizienteren Energieprodukte kann außerdem Geld gespart werden. Mit einem modernen Herd können das für einen Haushalt in Uganda vier Euro pro Monat sein. Nicht zuletzt profitiert außerdem das Klima von dem Programm. Denn die geförderten neuen Stromlieferanten, wie Solarzellen, kleine Wasserkraftwerke und Biogasanlagen, senken den Treibhausgasausstoß. „Die Maßnahmen im Rahmen von EnDev sparen mehr als 1,8 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr ein“, sagt Energieexperte Köberlein. Ein Gewinn für alle also.

von Hendrik Bensch

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