Das Interesse steigt

Immer mehr japanische Studierende kommen nach Deutschland.

„Deutschland ist in den letzten Jahren als Gastland für japanische Studierende immer attraktiver geworden“, sagt Dr. Ursula Toyka, Leiterin der Außenstelle des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Tokyo. Mit 3,3 Prozent der japanischen Auslandsstudierenden ist es inzwischen das zweitbeliebteste europäische Zielland, nach Großbritannien. Der DAAD in Tokyo betont darüber hinaus die europäische Komponente eines Deutschlandaufenthalts: „Wir empfehlen den japanischen Studierenden auch, von Deutschland aus die Nachbarländer kennen zu lernen. Deutschland ist auch der Brückenkopf nach Europa“, so Toyka. 2317 Japaner waren 2014 an deutschen Universitäten eingeschrieben, 46 Prozent von ihnen in den Geistes- und Sozialwissenschaften, 37 Prozent in Musik und Kunst und 16 Prozent in den Natur- und Ingenieurwissenschaften. 777 Deutsche studierten 2015 an japanischen Universitäten. 130 deutsche und 200 japanische Hochschulen und Institute sind an über 600 Kooperationen beteiligt. Beim DAAD in Tokyo laufen viele Fäden zusammen.

Für Japan bietet der DAAD neben seinen Standardprogrammen mehrere besondere Förderschienen für Wissenschaftler und Studierende. So können seit 2012 dank eines Matching Fund mit der Japan Society for the Promotion of Science deutsch-japanische Forschungskooperationen gefördert werden. Daneben gibt es ein Partnerschaftsprogramm mit Japan und Korea für deutsche Hochschullehrer, Forscher und Forschergruppen und ihre Studierenden für diverse Partnerschaftsvorhaben in allen akademischen Feldern. Gefördert werden derzeit 15 solcher Partnerschaften zwischen Deutschland und Japan, etwa die Matching-Funds-Partnerschaften mit der Universität Tsukuba oder der Waseda-Universität, vier davon in einer trilateralen akademischen Kooperation zwischen Deutschland, Japan und der Südkorea. Seit 32 Jahren bietet der DAAD für Japan auch das 18-monatige Programm „Sprache und Praxis in Japan“, mit dem deutsche Graduierte ohne spezielle Japan-Vorkenntnisse, aber mit einem sehr guten Abschluss in Rechts-, Wirtschafts-, Natur- oder Ingenieurwissenschaften durch ein intensives Sprachstudium und ein Firmenpraktikum zu Japan-Experten für die deutsche Wirtschaft ausgebildet werden. Auch das Interesse an einem Praktikum in Japan nimmt unter deutschen Studierenden zu: Unter Mitwirkung des DAAD haben Studierende der Universität Duisburg eine „Koordinationsstelle für Praktika“ (KOPRA) ins Leben gerufen, die über das Internet zu Praktikumsstellen verhilft.

Darüber hinaus unterstützte der DAAD im Jahr 2015 330 japanische und 823 deutsche Studierende, Forscher und Dozenten bei individuellen akademischen Vorhaben und der Durchführung von Projekten im Partnerland. „Sehr begehrt sind die langfristigen Studien- und Forschungsstipendien in Deutschland“, erläutert Ursula Toyka. „Sie richten sich an Masterstudierende oder Doktoranden aus Japan und dauern ein bis drei Jahre.“ Bezüglich der Fördermöglichkeiten für einen Deutschlandaufenthalt für japanische Studierende und Wissenschaftler ist immer noch Aufklärungsarbeit zu leisten: „Seit 38 Jahren gibt es das DAAD-Büro in Tokyo, und noch immer meinen viele, unsere Programme seien etwas für Geistes- und Sozialwissenschaften – speziell Germanistik – und für Musik. Es gibt aber genauso Studien- und Forschungsstipendien für die Fachbereiche Medizin, Ingenieurwissenschaft, Naturwissenschaften, IT oder Mathematik.“ Junge Japaner, die doch vor allem der Sprache wegen nach Deutschland möchten, können sich beim DAAD auf Kurzzeitstipendien für Sprachkurse bewerben. Besonders beliebt sind die Frühjahrskurse für japanische Studierende ab dem zweiten Studienjahr.

In der Datenbank des DAAD befinden sich außerdem Programme anderer Förderorganisationen in Deutschland, wie etwa Unternehmen oder Stiftungen. Schließlich vertritt der DAAD in Tokyo in manchen Belangen die Alexander von Humboldt-Stiftung, deren mit 50000 Euro hochdotierter, seit 1979 vergebene Philipp-Franz-von-Siebold-Preis Für die Förderung des Wissenschaftsaustauschs vom Bundespräsidenten persönlich überreicht wird und besonders bedeutsam ist. Aktueller Preisträger 2015 ist der Rechtswissenschaftler Kazuhiro Takii vom JSPS International Research Center for Japanese Studies. Der DAAD verfügt, wie auch die Alexander von Humboldt-Stiftung, in Japan über ein angesehenes Netzwerk von ehemaligen Geförderten, weltweit sogar über das größte aktive Alumninetzwerk. Das seit Herbst 2008 angebotene Alumni-Portal Deutschland ist Netzwerk, Kontaktbörse und Wissensvermittler zugleich.

Viele Austauschmöglichkeiten bietet auch das Japanisch-Deutsche Zentrum in Berlin (JDZB). Und das nicht nur für Akademiker. Das zweiwöchige deutsch-japanische Besuchsprogramm für junge Ehrenamtliche zum Beispiel bietet Einblicke in die Situation der Jugendarbeit und des Bildungssektors im Partnerland. Es wird auf deutscher Seite seit 2006 in Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendring Sachsen veranstaltet. Thema 2016 ist „Gesellschaftliche Partizipation junger Menschen“. Bei diesem Austausch handelt es sich um ein bilaterales Fachprogramm im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) mit finanziellen Mitteln aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes. Das Deutsch-Japanische Studienprogramm für Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe gibt den Teilnehmern unter dem Motto „Handeln für eine jugendgerechte Gesellschaft“ die Möglichkeit, sich mit Fachkräften der Jugendhilfe im Partnerland über die Arbeit vor Ort, über Situation und Erfahrungen von und mit jungen Menschen auszutauschen. Wichtig sind dabei auch die Themen interkulturelle Verständigung und interkulturelles Lernen. Weitere Programme organisiert das JDZB etwa für Schüler, junge Berufstätige und Junior-Experten. ▪

Petra Schönhöfer