„Mit Deutsch kommt man weiter“

Das Goethe-Institut vermittelt die deutsche Sprache und Kultur rund um den Globus. Drei Fragen an Klaus-Dieter Lehmann, den Präsidenten des Goethe-Instituts.

picture-alliance/dpa

Herr Lehmann, Englisch ist als Weltsprache unangefochten. Und immer mehr Menschen lernen Chinesisch. Warum lohnt es sich heute, Deutsch zu lernen?

Lehmann: Mein Wahlspruch ist: Mit Englisch kommt man durch, mit Deutsch kommt man weiter. Eine Sprache ist nicht nur Mittel zur Verständigung, sondern auch Kulturträger. Wer eine Fremdsprache spricht, gewinnt Zugang zu Kultur und Identität eines Landes – und erweitert damit auch seinen persönlichen Horizont. Das ist für mich die ideelle Basis hinter dem Sprachenlernen, die über ganz pragmatische Gründe wie etwa den Zugang zum Wirtschaftsstandort und Arbeitsmarkt Deutschland hinausweist. Eine Sprachpolitik muss daher für mich immer auch den Wert von Mehrsprachigkeit für das eigene Leben und die eigene Weltsicht erfahrbar machen.

Oft ist zu hören, Deutsch sei eine schwere Sprache. Auf welche Weise vermittelt das Goethe-Institut Lust am Deutschlernen?

Wichtige Basis bleibt die Aus- und Weiterbildung von Deutschlehrerinnen und Deutschlehrern in aller Welt. Denn die Lust am Lernen ist sehr eng mit der Qualität der Lehrer verbunden. Auf die große Herausforderung, junge Menschen im digitalen Zeitalter für das Deutschlernen zu begeistern, reagieren wir mit der Entwicklung eigener Apps und Lernspiele, der zunehmenden Integration digitaler Angebote in den Unterricht und Sprachkampagnen in den Sozialen Medien. In Polen, Frankreich, Italien und Griechenland haben wir bunt bemalte „Deutsch-Mobile“ im Einsatz, um auf die deutsche Sprache in unterhaltsamer Weise aufmerksam zu machen. Sie sind von den Schulen völlig ausgebucht.

In welchen Ländern ist das Interesse an der deutschen Sprache derzeit am Größten? Und wie reagiert das Goethe-Institut darauf?

Wir hatten in den letzten Jahren einen besonders großen Zuwachs in den Ländern Südeuropas. Junge, gut ausgebildete Menschen finden dort in den herrschenden Krisenzeiten keinen Arbeitsplatz und suchen eine temporäre berufliche Perspektive in Deutschland. Hier hat das Goethe-Institut zahlreiche maßgeschneiderte Angebote entwickelt, etwa spezielle Sprachkurse für Krankenpfleger, Juristen, Ärzte und Ingenieure, begleitet von Kontaktveranstaltungen mit potenziellen deutschen Arbeitgebern. Ungebrochen ist das Interesse an Deutsch in Indien, wo das Goethe-Institut 2011 in einem Vertrag mit einer staatlichen indischen Schulkette die Einführung von Deutsch als Fremdsprache an 1000 Schulen besiegeln konnte. Damit können dort in den nächsten Jahren eine Million neuer Deutschlerner gewonnen werden.

www.goethe.de

© www.deutschland.de