Schwerpunkt_röm. Verträge-Trommer_20032017

„Eine neue Generation überzeugter Europäer“

Der 35 Jahre alte Johannes Trommer aus Jena betreut internationale Erasmus-Studierende in Deutschland. Er sagt: „Am besten ist es, vor Ort zu erleben, dass von einem offenen Europa alle profitieren.“

„Ich habe schon früh im Studium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Erasmus-Studierende aus vielen Ländern kennengelernt. Mein erster Kontakt zu anderen Europäern! Danach stand für mich fest, dass ich einmal ins Ausland gehen möchte. Im Politikstudium beschäftigt man sich täglich mit anderen Ländern, mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden und dem Verhältnis untereinander. Da muss man wissen, wovon man spricht. Lebenserfahrung in anderen Ländern ist dafür unersetzlich. Konfrontiert mit einer anderen Perspektive auf europäische Prozesse, ist es einfacher, diese Themen realistisch zu beurteilen. 

Mir ist es heute sehr wichtig, den europäischen Austausch voranzutreiben. Bei der Abstimmung in Großbritannien über den ,Brexit‘ konnten wir ja sehen, dass viele junge Menschen für Europa gestimmt haben. Für das gemeinsame europäische Friedensprojekt sollten sie gut ausgebildet sein. Gerade junge Menschen müssen die Vorteile einer Europäischen Union kennenlernen – statt sich von irgendjemandem irgendetwas erzählen zu lassen. Am besten lässt sich vor Ort erleben, dass ,die anderen‘ nicht bedrohlich sind, sondern dass von einem offenen Europa alle profitieren.

Mehr Menschen ins Ausland bringen

Ich habe meine Bachelor-Arbeit dem Thema gewidmet, ob Auslandserfahrungen die Haltung zu Europa verändert oder nicht. Interessanterweise zeigte das Ergebnis, dass Menschen, die zum Beispiel über das Erasmus+ Programm ins Ausland gehen, bereits pro-europäisch eingestellt sind. Wenn wir also mehr Menschen überzeugen möchten, ins Ausland zu gehen, müssen wir jene erreichen, die bisher vielleicht noch gar nichts von einer solchen Möglichkeit gehört haben. Wir müssen ihnen eine Chance geben – je früher desto besser.

Seit 2009 engagiere ich mich aktiv im Erasmus Student Network (ESN) auf lokaler und nationaler Ebene und betreue Erasmus-Studierende in Deutschland. Seit das Erasmus-Programm zum Erasmus+ Programm ausgebaut worden ist, kommen nicht mehr nur Studierende, sondern auch Auszubildende oder Angestellte von Hochschulen. Wir kümmern uns auch um diese neuen Zielgruppen und um internationale Studierende aus Nicht-EU-Ländern. 

Die europäische Studentenorganisation ESN gibt es inzwischen in 40 Ländern und in mehr als 500 Städten. Wir betreuen nicht nur internationale Studierende, sondern engagieren uns auch dafür, dass mehr Menschen ins Ausland gehen. Wir wollen die Integration von Studierenden mit Behinderung vorantreiben und haben ein Programm entwickelt, das sich SocialErasmus nennt und Studierenden in den Gastländern kulturelle und soziale Kontakte mit Einheimischen einfacher macht. Wenn es die Zeit zulässt, möchte ich dieses Engagement auch während meines Berufslebens weiterführen. Ich wünsche mir, dass eine neue Generation überzeugter Europäer heranwächst.“

Johannes Trommer ist ein überzeugter Europäer: 2008/2009 ging der damalige Politikwissenschaftsstudent aus Jena mit einem Erasmus-Stipendium zum Auslandsstudium an die Universität Padua in Italien. 2012 organisierte er während eines fünfmonatigen Auslandspraktikums beim europäischen Netzwerk-Projekt „Campus Europae“ in Luxemburg die Fahrradtour „Ride for your Rights“: Unterstützer und Teilnehmer radelten dabei von Luxemburg nach Brüssel – die Tour warb für Studentenaustausch und das Projekt „Campus Europae“. Trommer selbst wurde durch das damalige europäische Mobilitätsprogramm „Leonardo da Vinci“ unterstützt, das heute durch das neue Erasmus+ Programm ersetzt ist. Seit einigen Jahren engagiert sich der 35-Jährige im Erasmus Student Network (ESN) als Betreuer für Erasmus-Studierende in Deutschland.

Protokoll: Bettina Mittelstraß

© www.deutschland.de

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