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Die Rapperin Ikkimel
Rapperin Ikkimel bei einem Fan-Event zur Präsentation ihres zweiten Albums „Poppstar“ im Mai 2026 © picture alliance/dpa

Popstar Ikkimel: Provokateurin und Feministin

Die Rapperin Ikkimel sorgt mit einem Auftritt im deutschen TV für Aufregung – und wird auf einmal in den USA gefeiert. Was steckt dahinter?

16.07.2026Johannes_GöbelJohannes Göbel

Ein Auftritt der Rapperin Ikkimel im Morgenmagazin des deutschen TV-Senders ZDF hat einen Hype ausgelöst: Ihr Song „Fußballmänner“ wird viel diskutiert, auch international. An der Musik liegt das eher nicht.

Wer ist Ikkimel?

Ikkimel ist der Künstlername der 29-jährigen Berlinerin Melina Strauß. Sie studierte zunächst Sprachwissenschaften, bekam ein Stipendium für ein neurowissenschaftliches Masterstudium in Norwegen. Das nahm sie nicht an: Der Tod ihres Vaters an Blutkrebs ließ sie ihren Lebensplan überdenken. 2021 entschied sie sich, professionell Musik zu machen. In einem Interview hat sie zurückgeblickt: „Wenn man mit dem Tod konfrontiert wird, ändert das alles. Ich habe mich gefragt: Was auf der Welt bedeutet mir wirklich etwas? Ich musste es einmal laut aussprechen, dass ich Musik machen will.“

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Warum wird ihr TV-Auftritt so viel diskutiert?

In der deutschen Rap-Szene ist Ikkimel schon länger etabliert, aber im ZDF-Morgenmagazin erreichte sie ein breites, teilweise älteres Publikum. Das war deutlich irritiert, in einer für Information und eher leichte Unterhaltung bekannten Sendung den Track „Fußballmänner“ zu hören.

Ein Auszug:

„Fußballmänner, alles Penner
Bierbauch, Bratwurst, leckerschmecker
Lattenkracher, Mertesacker
Tiki-Taka in 'nem Tanga
Fußballmänner, alles Penner“

Sexuelle Anspielungen wie beim Fußballausdruck „Lattenkracher“ oder mit dem Namen des ehemaligen Profis und heutigen Kommentators Per Mertesacker sind gewollt. Mit dem Klischee der bierseligen, den „Männersport“ Fußball liebenden Deutschen bricht Ikkimel. Und das Land fragt sich: Was war das für ein Auftritt?

Was steckt hinter dem aktuellen Hype um Ikkimel?

Polarisiert hat Ikkimel von Anfang an. Ihre Outfits sind freizügig, ihre Lyrics durchsexualisiert. Ihr 2025 erschienenes Debütalbum trägt den Titel „Fotze“. So nennt sich Ikkimel selbst und zieht mit ihrer Selbstdarstellung viel Kritik auf sich. Doch was die einen als geschmacklos und primitiv empfinden, feiern andere als mutige feministische Selbstermächtigung: Sind Männer im Rap nicht seit Jahrzehnten weltweit erfolgreich mit derben, frauenverachtenden Texten? Ikkimel bestimmt selbst, wie sie auftritt, teilt in ihren Texten gegen Männer aus – und lässt einen darüber nachdenken, warum die Pop-Welt auf provozierende Frauen immer noch anders reagiert als auf eskalierende Männer.

Ikkimel im Abendkleid bei einer Musikpreis-Verleihung
Ikkimel bei der Verleihung des Musikpreises Polyton im März 2026 in Berlin © picture alliance/dpa

Warum wird Ikkimel in den USA gefeiert?

Die US-Rapperin und Grammy-Gewinnerin Doechii teilte auf ihrem TikTok-Kanal Ikkimels Auftritt, und der erreichte ein Millionenpublikum. Schnell häuften sich die begeisterten Kommentare. Jemand schrieb „Girl come over here we love u“ („Mädel, komm rüber zu uns, wir lieben dich“), und US-Influencerin Danisha Carter kommentierte mit Blick auf das konsternierte TV-Publikum: „i get the vision they just don't get it („Ich versteh die Vision, sie halt nicht“). Man muss Ikkimels Style nicht mögen. Aber für viele trifft er offensichtlich doch den richtigen Ton.