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In den Gassen der „Dark City”

In den Gassen der „Dark City”

Die Berlinale präsentiert nicht nur Premieren von Spielfilmen und Dokumentarfilmen, sondern bietet auch Retrospektiven. Die diesjährige Retrospektive ist dem Science-Fiction-Kino gewidmet, und man muss zugeben, dass sie beeindruckt. Sie zeigt nicht zur Klassiker, sondern auch exotischere Filme des Genres. Montag, 14.30 Uhr, mitten an einem gewöhnlichen Werktag. Der große Saal im CinemaxX ist auch zu dieser Tageszeit bis auf den letzten Platz ausverkauft. Die Besuchermassen sind nicht zu einer heißen Premiere gekommen. Ganz im Gegenteil. Gleich wird Dark City von 1998 gezeigt, ein fast zwanzig Jahre alter Film, der außerdem seit langem auf DVD oder BlueRay erhältlich ist. Das visuelle Meisterstück von Alex Proyas zu Hause anzusehen oder auf einer großen Kinoleinwand sind jedoch zwei unterschiedliche Sachen. Ähnlich haben bestimmt die Programmgestalter der diesjährigen Retrospektive gedacht, indem sie die einzigartige Chance bieten, Science-Fiction-Filme unter den Bedingungen zu zeigen, für die sie von Anfang an gedacht waren. Blade Runner, Close Encounters of the Third Kind, Alien, Ghost in the Shell oder die erwähnte Dark City – das sind nur einige von 27 (!) Filmen dieser Reihe, deren beiden Leitthemen sind: Gesellschaft der Zukunft (society of the future) und das Seltsame und das Andere (the Strange and Other). Das Programm der Retrospektive ist äußerst vielfältig. Neben Klassikern des Genres werden zum Beispiel auch zahlreiche Filme aus … dem ehemaligen Ostblock gezeigt, darunter Pisma mjortwowo tscheloweka von Konstantin Lopuschanski, Welt am Draht von Rainer Werner Fassbinder sowie drei polnische Filme: Na srebrnym globie (Der silberne Planet) von Andrzej Żuławski, O-bi, o-ba: Koniec cywilizacji (O-Bi, O-Ba. The End of Civilization) von Piotr Szulkin und Test pilota Pirxa (Der Test des Piloten Pirx) von Marek Piestrak. Zurück zu Dark City: die Kinovorführung eines Films, in dem visuelle Kreativität sich wie in keinem anderen Medium ausdrückt, ermöglicht ein unverwechselbares Kunsterlebnis. Sie macht auch die kleinen Nuancen im Hintergrund erkennbar und bietet Möglichkeiten in die Atmosphäre einzutauchen wie kein Heimkino. Es ist wunderbar, sich in die Gassen der Dark City vorzuwagen und die wahre Magie des Kinos zu erleben. Dorota Chrobak Dieser Blogpost wurde ursprünglich auf Goethe.de publiziert. Copyright: Text: Goethe-Institut, Dorota Chrobak. Dieser Text ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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Zwischen Himmel und Erde: Almost Heaven

Zwischen Himmel und Erde: Almost Heaven

Eine zarte Coming-of-Age Dokumentation über junge Bestatterinnen in einem Bestattungsunternehmen in der Provinz Hunan. Wie so viele chinesische Teenager, die für eine Arbeit in die Städte ziehen, verlässt auch die 17-jährige Ying Ling das Dorf ihrer Kindheit, um sich in einem der größten Bestattungsunternehmen Chinas in Changsha, Hunan Provinz, zur Bestatterin ausbilden zu lassen. Während der Ausbildung lebt sie gemeinsam mit den anderen Lehrlingen im Wohnheim und lernt von den älteren (von denen sie allerdings nur wenige Jahre trennen). Der Fokus dieses Dokumentarfilms auf das Bestattungsgeschäft und die offene Darstellung toter Körper auf der Leinwand sind zweifellos ungewöhnlich, beides wirkt aber zu keinem Zeitpunkt respektlos oder unangebracht. Es gibt sogar einige humorvolle Elemente, die mir weit über die Berlinale im Gedächtnis bleiben werden. An einer Stelle liegt Ying Lings Klassenkamerad auf dem Bestattungstisch und spielt die Rolle der Leiche bei einer Übungsbestattung. Mitten im Zeremoniell erwacht der „Leichnam“ plötzlich zum Leben und witzelt, dass sein Gesicht zu lang abgerieben und sein Arm nicht hingebungsvoll genug massiert wurde. Diese plötzliche „Wiederbelebung“ der Leiche und deren launige Bemerkungen bringen das Publikum geschlossen zum Lachen. Und genau dort liegt die Magie des Films: er zeigt Respekt vor dem Tod und feiert gleichzeitig die Lust am Leben. Es ist eindrucksvoll, wie die Britische Filmemacherin Carol Salter die Bestattungsunternehmer und ihre Kunden für den Film gewinnen konnte und die nötige Dreherlaubnis bekam. Diese Dokumentation, die eines der schwierigsten Themen des Lebens so elegant angeht, zeigt, wie der ausgefahrene Arm eines kleinen Krans, einen Sarf in den Zeremonienraum hinaufhebt, als würde er in den Himmel langen; wie Bestattungsfeiern eingeübt werden; wie verschiedene Familien ihre Gefühle ausdrücken; wie Preise im Beisein der Verstorbenen ausgehandelt werden, und wie der Bestatter mit der elektrischen Fliegenklatsche Jagd auf Moskitos macht. Wir sehen auch Nahaufnahmen von Verstorbenen, samt Nagelpflege, Make-up, Säuberung der Arme und Kämmen ihrer Haare. Der Film zeigt auch Nahaufnahmen von lebenden Körpern, wenn Ying Ling wie besessen ihre Kolleginnen zu deren extralangen Augenwimpern und dem ritualisierten An- und Abstreifen der Gummihandschuhe befragt. Nach dem Film habe ich mich darüber mit meinen Kritikerkolleginnen und -kollegen ausgetauscht und wir gaben alle direkt zu, dass wir während des Films geweint hatten. Vielleicht war es, weil der Film eine bestimmte Seite unseres Herzens zum Schwingen gebracht hatte, als wir den Abschied von geliebten Menschen sahen? Oder sind wir einfach nicht daran gewöhnt, uns mit unserer eigenen Sterblichkeit und der Endlichkeit unserer irdischen Existenz auseinanderzusetzen? Almost Heaven präsentiert uns Leben und Tod als untrennbar verbunden, und es scheint, als hätten wir fast vergessen, wie natürlich diese Verbindung ist. Yun-hua Chen Dieser Blogpost wurde ursprünglich auf Goethe.de publiziert. Übersetzung: Jonas Borchers Copyright: Goethe-Institut China. Dieser Text ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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Botschaft von warmer Menschlichkeit

Botschaft von warmer Menschlichkeit

Die Vorstellung, dass wir in „postkolonialen“ Zeiten leben, ist eine Illusion. Die Auswirkungen des jahrhundertelangen Imperialismus sind noch heute spürbar, ob in der Missachtung der Rechte der Sioux beim Bau einer Pipeline oder in einer Sprache, die permanent die nichtweißen Kulturen unterminiert. Es ist daher nicht sonderlich überraschend, dass der Kolonialismus im Kino unter die Lupe genommen wird. Auf der Berlinale zeigen zwei Filme Szenen, in denen weiße Männer die Grenzen anderer Nationen bestimmen: Viceroy’s House dreht sich um Indiens politische Unabhängigkeit und die kontroverse Entscheidung, den neuen Staat Pakistan zu gründen. In Die versunkene Stadt Z wird ein britischer Soldat damit beauftragt, eine Grenze zwischen Bolivien und Brasilien zu ziehen. Viceroy’s House beschäftigt sich expliziter mit den Auswirkungen des Kolonialismus, da dieser Film die Übergabe der Macht in Indien skizziert. Der Film der Regisseurin Gurinder Chadha ist überraschend wirkungsvoll, da er eine sehr persönliche Verbindung zur Geschichte herstellt. Ihr Bild vom Indien der 1940er-Jahre wirkt anfangs überraschend romantisch, wie eine exotische Folge von Downton Abbey, einschließlich der Kostüme und der opulenten Säle. Die vermittelte Krone-in-Indien-Stimmung macht die darauffolgenden politischen Debatten einem größeren Publikum zugänglich. Chadha gibt der moralischen Komplexität der Teilungsentscheidung Raum und zeigt bewundernswert wenig Zurückhaltung, wenn es darum geht, das schreckliche Verhalten Großbritanniens zu zeigen. Eine mutige Entscheidung, wenn das Zielpublikum vermutlich aus alten weißen Pro-Brexit-Wählern besteht. Die versunkene Stadt Z hingegen ist eine altmodische Abenteuergeschichte über die verzehrende Kraft des Ehrgeizes. Die Geschichte folgt Percy Fawcett, der die Royal Geographical Society überzeugen will, dass Südamerika auf verlorene Kulturen und Zivilisationen zurückblicken kann und dass die Menschen im Amazonas keine „Wilden“ sind. Die Auswirkungen des Kolonialismus bilden den Hintergrund der Geschichte, denn durch ihn ist die Stadt Z überhaupt erst versunken. Auch wenn James Grays spannender Kinofilm rein formell betrachtet reichhaltiger und befriedigender wirkt als Chadhas sanfterer Film, so verbindet beide doch dasselbe Thema. Sowohl Fawcett als auch Mountbatten, Hauptfigur in Viceroy’s House, werden im Auftrag Großbritanniens in andere Länder geschickt. Beide wollen Menschen anderer Kulturen mit Respekt und Menschenwürde behandeln. Es ist ermutigend, im aktuellen isolationistischen Klima leicht zugängliche Mainstreamfilme zu sehen, die die hässliche Fratze des Kolonialismus zeigen und trotz allem darin eine Botschaft warmer Menschlichkeit zu finden. Nathanael Smith Dieser Blogpost wurde ursprünglich auf Goethe.de publiziert. Copyright: Text: Goethe-Institut, Nathanael Smith. Dieser Text ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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„Ein Gefühl größer als Liebe“ Zwischen Vergangenheit und Gegenwart des Libanons

„Ein Gefühl größer als Liebe“ Zwischen Vergangenheit und Gegenwart des Libanons

Die Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart stellt eine der häufigen Themen des Kinos im Allgemeinen und des Dokumentarfilmes im Besonderen dar. Das Durchstöbern von Tagebüchern vergangener Generationen nach Geschichten, die der Allgemeinheit vielleicht unbekannt sind, sucht durch ihre Darlegung zu bestätigen, was wir alle bereits wissen: Die Menschheit hat wiederkehrende Facetten und das menschliche Leid muss sich über Generationen wiederholen solange dessen Ursachen nicht beseitigt sind. Dieses Thema steht deutlich im Mittelpunkt des Dokumentarfilms „Ein Gefühl größer als Liebe“ der libanesischen Regisseurin Mary Jirmanus Saba. Sie versucht in diesem Film, der im „Forum der Berlinale“ gezeigt wird, die Vergangenheit Libanons mit seiner Gegenwart zu verknüpfen. Dies geschieht durch den Rückblick auf zwei Geschichten, in ihrer begrenzten Anzahl von geringem Wert zu sein scheinen. Zwei Vorfälle von Rebellion ereigneten sich Anfang der siebziger Jahre, als Arbeiter einer Schokoladenfabrik und Tabakbauern gegen das Monopol des Kapitals protestierten. Die Armee schlug beide Proteste nieder, je zwei Menschen fielen den Vorfällen zum Opfer. „Tausende starben in Chile und Indonesien… Wie wichtig ist der Tod dreier junger Männer und eines Mädchens, dass du einen Film über sie drehst?“, die Regisseurin stellt sich diese Frage neben vielen anderen, die im Film enthalten sind. Es scheint, als führe die Regisseurin einen Selbstdialog, um die Dimensionen ihres Filmes zu begreifen – so wie die Zuschauer sicherlich auch. Die Bedeutung liegt in der Tatsache, dass die Ursachen der Bauern- und Arbeiterrebellion der frühen siebziger Jahre heute noch immer vorhanden sind: Schlechte Zustände, Teuerung, eine drückende Macht des Kapitals und der in jeder libanesischen Angelegenheit allgegenwärtige Konfessionalismus. Die schwierige Situation ist noch immer da, wenn sie sich nicht sogar verschlimmert hat, und dies, trotz der Bürgerkriege und hunderter Parteien und Bewegungen. Darunter die Kommunistische Partei, von der ein Poster zur Feier ihres 80. Gründungstages im Film zu sehen ist. Die Regisseurin widmet den größten Raum ihres Filmes den Erinnerungen der Bauern, Arbeiter und kommunistischen Aktivisten, die an den beiden Ereignissen teilgenommen haben. Diese thematische Entscheidung führt zu einer Filmmontage, die nach der ersten halben Stunde in die Falle des Wiederholens fällt. Die ständig wiederkehrenden Haltungen und Ideen, verlangsamen in der zweiten Filmhälfte das Tempo. Ausnahmen stellen Momenten der versteckten Ironie über die kommunistischen Aktivisten dar, von denen einige mehr träumten als sie sollten. Andere waren abstoßend machohaft, so dass weibliche Mitglieder die Bewegung verließen, als sie herausfanden, dass die Männer sich für den Krieg vorbereiten und die Frauen für sie kochen sollten. Was wir in „Ein Gefühl größer als Liebe“ am unterhaltsamsten fanden, sind diese Momente der tieferen Einsicht und des Verständnisses für gesellschaftliche Probleme, die tiefer wurzeln als das kapitalistische Monopol. Dazu kommen die Szenen der Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart, sei es durch den Besuch der Charaktere von Orten ihrer vergangenen Rebellion oder durch das Abspielen von alten revolutionäre Parolen über Mikrophon aus einem fahrenden Auto. Der Film von Mary Jirmanus Saba geht auf der intellektuellen Ebene von einem begrenzten Ereignis aus und verknüpft dieses mit der heutigen Realität im Libanon. Auf der filmischen Ebene hätte die Montage des Materials aber konzentrierter umgesetzt werden können. Ahmed Shawky Dieser Blogpost wurde ursprünglich auf Goethe.de publiziert. Copyright: Text: Goethe-Institut Ägypten, Ahmed Shawky . Dieser Text ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
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