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Worüber Deutschland spricht

Deutschland-Blog - Erfahren, was andere denken

18 Jan 2017

Voerendaal und Mössingen – eine lokale Perspektive auf die Flüchtlingskrise

Auf den ersten Blick haben die niederländische Kleinstadt Voerendaal und die deutsche Kleinstadt Mössingen nicht viel gemeinsam. Seit dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 hat sich in beiden Städten jedoch einiges verändert. Mittlerweile hat die Stadt Mössingen 326 Flüchtlinge aufgenommen und auch Voerendaal hat über längere Zeit Flüchtlinge hauptsächlich aus Syrien und Afghanistan in Notunterkünften untergebracht. Auf dem Deutsch-Niederländischen Forum 2017 trafen nun der Integrationsbeauftragte der Stadt Mössingen Boris Kühn und der burgermeester von Voerendaal Wil Houben aufeinander und diskutierten gemeinsam mit deutschen und niederländischen Vertretern aus Politik und Medien. „Goed gedaan, Duitsland!“ Will Houben erzählt stolz von dem ehrenamtlichen Engagement in seiner Stadt. Der Psychologe, der Arzt, die Sprachlehrer und die Kirche: Viele Einwohner engagierten sich freiwillig für Flüchtlinge, die von einem auf den anderen Tag in Notunterkünften untergebracht werden mussten. Trotz des großen Engagements seiner eigenen Stadt ist Will Houben sich sicher, dass die Niederlande noch weitaus mehr Flüchtlinge aufnehmen könnten. Der Bürgermeister bewundert vor allem die Bereitschaft Deutschlands, deutlich mehr Flüchtlinge aufzunehmen als seine Nachbarn. Nichtsdestotrotz muss es laut Houben zukünftig für Flüchtlinge auch möglich sein, legal nach Europa zu migrieren, um dem Sterben im Mittelmeer endgültig ein Ende zu bereiten. Ohne Ehrenamtliche läuft nichts Auch in der kleinen Stadt Mössingen wäre ohne die vielen Ehrenamtlichen eine Integration in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft undenkbar. Insbesondere bei der Arbeitssuche sind Geflüchtete auf sprachliche und praktische Hilfe angewiesen, die von den Jobcentern oft nicht geleistet werden kann. Der Integrationsbeauftragte der Stadt Mössingen, Boris Kühn, hebt die große Bedeutung einer dezentralen Unterbringung von Geflüchteten hervor. Als jedoch Anfang 2016 326 Flüchtlinge in Mössingen ankamen, mussten schnelle Lösungen gefunden werden und die Mehrzahl der Angekommenen landete in ehemaligen Verwaltungsgebäuden. Eine Situation, die man auch in den Niederlanden kennt. Erfahrungsgemäß führt die hohe Ballung von Menschen mit sehr unterschiedlicher Herkunft und Religion zu Konflikten innerhalb der Unterbringung. Von allen Seiten wurde so begrüßt, mehr auf wohngemeinschaftliche Projekte zwischen Deutschen und Geflüchteten zu setzen, die außerdem eine schnellere Integration erleichtern würde. Warum die lokale Perspektive entscheidend ist Die Erfahrungen aus den Niederlanden und Deutschland zeigen, welche große Bedeutung nicht zuletzt die Kommunen bei der Aufnahme von Flüchtlingen haben. Auf lokaler Ebene wird nicht nur entschieden, wo die Geflüchteten unterkommen; es sind vor allem die lokalen Akteure und Ehrenamtliche die ganz entscheidend für die Integration der Flüchtlinge sind. Sowohl in Mössingen als auch in Voerendaal sind es die Initiativen von örtlichen Vereinen, die es den Flüchtlingen ermöglichen, in eine Gemeinschaft einzutreten und schnellstmöglich eine neue Sprache zu erlernen.
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18 Jan 2017

Desperate needs lead to desperate deeds

Can collectivity overcome the demands posed by state sovereignty in a crumbling Union? Seeking a collective solution to the migrant crisis could constitute the first of many steps to resolving the broader European identity crisis; if states are willing to come to a solution, that is. What will follow forms a personal reflection on the current state of affairs in Europe, based on some of the perspectives highlighted in the Dutch-German Forum 2017.   While the European Commission is vigorously working on collective solutions to the migration problem, member states are less than eager to come to a qualified majority agreement. The core issue here is the tension between, on the one hand, European solidarity, and on the other hand, responsibility to be taken by the individual member states.   „If we cannot do what we must do, we must do what we cannot do” In the absence of collective solutions, member states have been forced to take individual responsibility in the matter. One instance of this can be observed in the reintroduction of border controls in France, Germany, Austria, Denmark, Sweden, and Norway, in response to the failure of Schengen and Dublin. Although these measures are temporary and provided for in the Schengen Borders Code, the legal limits are unclear. There is no telling if and when member-states will be willing to give up this power. Another instance is the increased competences judges from various member states have taken on in assessing the asylum condition in other states. Rather than merely applying the provisions of the Dublin agreement, national judiciaries have been increasingly engaged in interpreting and analyzing data provided by NGOs on reception conditions in European states; and, on the basis of that, making decisions about the legality of acceptance of Dublin transfers to specific states. This development might, on the one hand, be seen as the taking of responsibility, on the other hand, however, it could be interpreted as a demand for increased sovereign ability to act within the migration crisis, or more broadly within the European crisis.   Crises command compromise Some would say that Europe grows stronger through its crises. But perhaps crises only become catalysts for collective decision making, because the dire situation demands politics to make the decisions they should have long taken. The relationship between the European Union and its member states is fraught with tensions: solidarity versus responsibility, freedom versus security, and most importantly the need to ensure sovereignty of member states versus the desire to come to collective solutions. Crises thus have the potential to create the conditions where nation-states can be sufficiently cornered for a compromise to be made with regard to their sovereign powers. This may enable Europe to move on a collective basis, but where one crisis follows another, state sovereignty supporting this collective framework might be stretched thin. Particularly in the context of migration and integration, which can be seen as the core prerogative of states, the evermore decreasing sovereignty of nation-states is bound to cause problems for the unhindered development of a collective European approach.   If the developments discussed above are indicative of a common trend, more actions reclaiming sovereignty can be expected by the member-states; especially in light of Brexit. When collectively desirable solutions remain absent, sovereign solutions might be the only options to retain limited control over the current crisis. Europe must tread carefully, as not to break the overstretched thread of sovereignty, that is keeping the fragile balance of solidarity, responsibility, freedom, and security, in place.
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