BASF in Zhanjiang – deutsche Standards, chinesische Dynamik
Mit 8,7 Milliarden Euro ist das Werk in Zhanjiang die größte Einzelinvestition in der Geschichte von BASF. Dabei verbinden sich deutsche und chinesische Arbeitskultur.
Kurze Winter, lange Sommer – die Provinz Guangdong am südlichsten Zipfel Chinas ist für ihr mildes Klima bekannt. Zugleich ist sie die wirtschaftlich stärkste und eine der wohlhabendsten Provinzen der ganzen Volksrepublik. Hier direkt an der Küste ist ein neues BASF-Werk entstanden. Es soll Chinas Industrie schnell und günstig mit chemischen Produkten versorgen. In dem Werk sind rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, die meisten von ihnen stammen aus China. Joachim Thiel, Senior Project Director New Verbund Site China bei BASF, hat den Standort durch die Planungs- und Bauphase begleitet. „Es ist ein Projekt in China und für China mit dem Ziel, den chinesischen Markt direkt vor Ort zu beliefern“, sagt er.
Internationale BASF-Erfahrung und lokale Anforderungen
„Am Standort Zhanjiang haben wir internationale BASF-Erfahrung mit lokalen Anforderungen zusammengebracht“, sagt Thiel. „In einigen Fällen konnten wir die chinesischen Behörden davon überzeugen, Sicherheitskonzepte, die sich für BASF etabliert haben, erstmals in China zur Anwendung zu bringen.“ Bei Emissionsgrenzwerten in die Luft unterscheiden sich die Vorgaben teils kaum von deutschen Standards, in einzelnen Bereichen sollen sie sogar strenger sein.
Dennoch gibt es kritische Stimmen, die deutschen Chemieunternehmen wie BASF vorwerfen, sie wollten sich durch Investitionen in China vor den hohen Nachhaltigkeitsanforderungen in Europa drücken. BASF verweist darauf, dass Nachhaltigkeit in China immer wichtiger werde. Das zeige sich beispielsweise in den Städten, die zunehmend auf E-Mobilität setzen. „China setzt auf eine grüne und CO₂-arme Entwicklung. Das schafft eine starke Nachfrage nach nachhaltigeren Technologien und Lösungen“, sagt Thiel. „Das ist ein wichtiger Treiber für Innovation und industrielle Transformation.“
Der BASF-Standort Zhanjiang ist vor allem deshalb nachhaltig, weil er als integrierter Verbund aus 19 großen Anlagen und 33 Produktionslinien komplett neu errichtet wurde. So werden Produkte und Abfälle einer Anlage zum Rohstoff für andere Anlagen. Zugleich wird er vollständig mit Strom aus erneuerbaren Quellen versorgt. „Der Neubau ist eine große Chance: Man kann neue Technologien, digitale Lösungen und nachhaltige Prozesse direkt von Beginn an mitdenken“, sagt Thiel. Eine weitere Besonderheit ist der „Steamcracker“ – das Herz des Werkes. In ihm wird mit Dampf Rohbenzin in wichtige Grundstoffe aufgespalten. Der Cracker ist die erste Anlage dieser Art weltweit, die für die energiehungrigen Antriebe der Hauptkompressoren ausschließlich erneuerbaren Strom verwendet.
Der Standort Ludwigshafen ist hier präsent, nicht nur als Hauptsitz der BASF, sondern auch durch Informationen, Bilder oder Gespräche untereinander.
Für Überraschungen sorgt hingegen oft das Wetter. Das subtropische Klima in der Region führt zu langen, heißen und feuchten Sommern. Es regnet häufig stark und je nach Jahreszeit können Stürme zu regelrechten Taifunen werden. „Dieses Klima beeinflusst den Alltag natürlich. Man muss Termine und Wege entsprechend planen“, sagt Thiel. Auch sind die Wege am vier Quadratkilometer großen Standort lang. Bis zu eineinhalb Stunden kann die Fahrt von zu Hause ins Werk dauern.
Erfahrungen aus Deutschland
Und noch etwas zeichnet Zhanjiang aus: das Nebeneinander deutscher und chinesischer Kultur. Viele der Kolleginnen und Kollegen in Zhanjiang haben eigene internationale Erfahrungen gemacht. Sie waren schon einmal beruflich im Ausland, etwa auf Schulungen für Anlagenfahrer in Deutschland, Belgien, den USA oder Brasilien. „Dadurch kennen viele Mitarbeitende die BASF-Welt außerhalb Zhanjiangs ganz gut“, sagt Thiel. „Auch der Standort Ludwigshafen ist hier präsent, nicht nur als Hauptsitz der BASF, sondern auch durch Informationen, Bilder oder Gespräche untereinander.“
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Zhanjiang tauschen sich oft über Deutschland aus, hat Thiel beobachtet. „Und sie wundern sich, zum Beispiel darüber, dass es trotz heißer Sommer in Deutschland nicht überall Klimaanlagen gibt. Das ist aus chinesischer Sicht schon sehr ungewöhnlich.“
Schweinshaxe und Bratwurst in der Kantine
Auch die Kantine wird in Zhanjiang zum Kulturvermittler: Auf dem riesigen Gelände gibt es eine zentrale Kantine mit rund 600 Sitzplätzen und mehrere kleinere. Hier holen Mitarbeitende im Schicht- und Bereitschaftsdienst ihr Frühstück, Mittag- und Abendessen. Die Speisekarte ist nicht nur regional geprägt. Die kantonesische Küche ist zwar eine der berühmtesten und beliebtesten Esskulturen Chinas. Doch auch andere Gerichte seien sehr willkommen, erzählt Thiel: Spaghetti, Steak und Salat. Und manchmal stehen auch deutsche Klassiker auf dem Plan – etwa Schweinshaxe und Bratwürste.
BASF ist der größte Chemiekonzern der Welt und heute in 93 Ländern aktiv. In China ist das Unternehmen seit 140 Jahren vertreten, 2025 beschäftigte es fast 13.000 Menschen. Mit dem Werk in Zhanjiang ist nach Ludwigshafen in Deutschland und Antwerpen in Belgien der drittgrößte Standort des Unternehmens entstanden. Rund 8,7 Milliarden Euro hat BASF in Zhanjiang investiert – dies ist die bislang größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte.