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zwei Wissenschaftlerinnen
Sorgte für wirtschaftliche Dynamik: Biontech © Biontech
Biotechnologie

Mainz denkt groß

In Mainz arbeiten Universitäten, Forschungsinstitute und Biotech-Unternehmen besonders eng zusammen. Kein Zufall, sondern Ergebnis einer klaren Strategie.

26.08.2026Dennis Buchwald

Die Biotechnologie gilt als eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. Und diese Zukunftsbranche wird nicht nur in London oder San Francisco vorangetrieben, sondern auch im vergleichsweise beschaulichen Mainz, der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz. Mainz will einer der führenden Standorte für Biotechnologie und Lifesciences werden.

Eine wichtige Rolle auf diesem Weg spielt Biomindz. Die ­kommunale Gesellschaft wurde 2023 gegründet. Das Ziel: Von Mainz aus will Biomindz zukunftsweisende Technologien zum Wohle der Menschen weiter vorantreiben. Startups und Unternehmen sollen in Mainz erfolgreich gründen und wachsen können. Biomindz ist als sogenannter „One-Stop-Shop“ die zentrale Anlaufstelle für Firmen, Investoren und Forschungseinrichtungen. 

42 Fußballfelder Platz für wegweisende Ideen

Als Herzstück dieser Entwicklung gilt der Life Science Campus. Er liegt nur wenige hundert Meter vom Fußballstadion des FSV Mainz 05 und der Johannes Gutenberg-Universität entfernt und macht die Anstrengungen besonders sichtbar. Mehrere Labor- und Bürogebäude entstehen auf dem Areal. Insgesamt sind im Stadtgebiet rund 30 Hektar zum Gründen, Ansiedeln und Wachsen verfügbar. Das entspricht einer ­Größe von ungefähr 42 Fußballfeldern.

Für Biomindz-Geschäftsführer Felix Wälder geht es nicht um kurzfristigen Erfolg, sondern um langfristiges Wachstum: „Die internationale Aufmerksamkeit und wirtschaftliche Dynamik, die Mainz durch den Erfolg von Biontech erfahren hat, wollen wir in die Zukunft reinvestieren.“ Die deutsche Biotechnologiefirma hatte während der Covid-Pandemie als weltweit erstes Unternehmen die Zulassung für einen mRNA-basierten Impfstoff erhalten. Während Biontech sich inzwischen im Umbruch befindet, treibt Mainz die Entwicklung der ­Branche weiter voran. „Es ist beispielhaft, dass sich eine Stadt so strategisch für eine Zukunftsbranche entscheidet“, so Felix Wälder.

Starke Wirtschaftsregion mit namhaften Unternehmen

Dabei steht das mit rund 227.000 Einwohnerinnen und Einwohnern eher kleine Mainz im Wettbewerb mit internationalen Schwergewichten. Um hier zu punkten, wirbt Biomindz nicht nur mit den Vorteilen der Stadt selbst, sondern der Region FrankfurtRheinMain insgesamt. „Mainz befindet sich in einer starken Wirtschaftsregion mit namhaften Unternehmen wie Merck, Boehringer Ingelheim, Sanofi oder Schott Pharma“, sagt Wälder. „Firmen, die sich für Mainz entscheiden, entscheiden sich auch für die Vorzüge der Region.“

Darüber hinaus sprechen aus Wälders Sicht noch weitere Faktoren für Mainz. So befindet sich die Stadt in zentraler europäischer Lage mit „hervorragender Anbindung der Infrastruktur an die globalen Märkte“. Der Frankfurter Flughafen ist nur knapp 25 Minuten entfernt. Außerdem gebe es in der Stadt und der Region viele hoch qualifizierte Fachkräfte. Mit einer Universität, einer Hochschule, mehreren Forschungseinrichtungen und Kliniken sei Mainz ein anerkannter Wissenschaftsstandort. Und nicht zuletzt hebt Wälder das besondere „Mainzgefühl“ hervor. Damit ist die Lebensart der Menschen gemeint, die als offen, herzlich und bodenständig gelten und gerne in geselliger Runde feiern. „Mainz ist einfach ein attraktiver Standort zum Leben und Arbeiten“, sagt Wälder.

Rettung für erkrankte Weinreben

Die Rahmenbedingungen haben beispielsweise das Startup LigniLabs überzeugt, sich in der Stadt anzusiedeln. Das junge Unternehmen arbeitet an einem umweltfreundlichen Pflanzenschutzmittel für Weinreben, um die bislang als unheilbar geltende Pilzkrankheit Esca zu bekämpfen „Mainz ist für uns als Biotechnologie- und Chemie-Startup ein idealer Standort“, sagt Co-Gründer Dr. Justin Grabow. „Man spürt deutlich, dass Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam daran arbeiten, den Standort weiter auszubauen.“ 

Auch Tron ist inzwischen tief in der Stadt verwurzelt. Das Mainzer Forschungsinstitut, das von den Biontech-Gründern Uğur Şahin und Özlem Türeci mitaufgebaut wurde, erforscht neue Diagnostiken und Therapien für die Behandlung von Krankheiten mit hohem medizinischem Bedarf und hat sich dabei unter anderem auf Krebserkrankungen spezialisiert. Projektmanagerin Dr. Nina Lolies sagt über den Standort: „In Mainz sind Wissenschaft, klinische Anwendung und wirtschaftliche Umsetzung eng miteinander verzahnt. Dieses Zusammenspiel schafft ein ideales Umfeld für unsere Mission.“

Dynamischste Stadt Deutschlands

Der Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase sieht die Stadt auf einem guten Weg. „Die positive Entwicklung der letzten Jahre hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Mainz viermal in Folge zu Deutschlands dynamischster Stadt gekürt wurde“, sagt er mit Blick auf ein Städteranking von IW Consult. „Unser Anspruch ist klar: Wir wollen Mainz dauerhaft als führenden europäischen Standort für Biotechnologie etablieren – mit besonderer Stärke in Onkologie, Immunologie, mRNA-Technologie und individualisierter Medizin.“

Es gibt zahlreiche weitere Orte in Deutschland, an denen aus guten Ideen erfolgreiche Unternehmen entstehen – einige Beispiele.

UnternehmerTUM Führendes Gründerzentrum Europas: So wertete die Financial Times 2026 erneut in einem Ranking. UnternehmerTUM gehört zur Technischen Universität München (TUM) und hat seit 2002 mehr als 1.000 Startups hervorgebracht. Das Team unterstützt Gründerinnen und Gründer beim Aufbau und der Finanzierung ihres Unternehmens sowie der Entwicklung von Produkten. Im hauseigenen Maker Space können sie Prototypen fertigen. Mehr erfahren

Start2 Group Die Nummer zwei im europäischen Gründerzentren-Ranking der Financial Times: Start2 entstand 2008, um Ausgründungen an der Ludwig-Maximilians-Universität München zu unterstützen, damals noch unter dem Namen German Entrepreneurship GmbH. Mit der Marke Start2 ist es inzwischen auch in den USA, Asien und Südamerika vertreten. Mehr erfahren

de:hub Initiative Die Initiative vernetzt Unternehmen mit Gründerinnen, Gründern und Forschenden. Zum Netzwerk gehören 25 de:hubs, etwa für Smart Manufacturing in Bremen, für optische Technologien in Jena oder für Gesundheit in Nürnberg/Erlangen. Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie bringt die Initiative Startups, Wirtschaft und Wissenschaft in Deutschland und darüber hinaus zusammen. Mehr erfahren

Agentur für Sprunginnovationen Die Agentur Sprind (Sprunginnovationen in Deutschland) fördert Produkte und Technologien, die die Welt ein bisschen besser machen. Dazu verbindet der Inkubator in Leipzig Forschende mit der Wirtschaft, er unterstützt bei der Finanzierung, der Teamzusammenstellung und mit den richtigen Kontakten. Die bundeseigene Agentur fördert ausschließlich Innovationen, die humanistischen Grundwerten folgen. Mehr erfahren