Deutschlands erste Militärstrategie – das steht drin
Bis 2039 soll die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee Europas werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.
Im April 2026 hat Deutschland zum ersten Mal eine Militärstrategie vorgelegt. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.
Warum gibt Deutschland sich erstmals eine Militärstrategie?
Die Strategie ist eine Antwort auf die heutige sicherheitspolitische Lage. Krisen und Konflikte nehmen zu und haben häufig globale Auswirkungen. Deutschland sieht vor allem Russland als Bedrohung. Die Abwehr hybrider Angriffe sei zur Daueraufgabe geworden, so Verteidigungsminister Boris Pistorius in seinem Vorwort zur Militärstrategie. Deutschland werde künftig „gezielt mehr konventionell-strategische Verantwortung für Europa übernehmen“.
Was umfasst das Konzept?
Zur „Gesamtkonzeption militärische Verteidigung“ gehören zwei Teile. Erstens die Militärstrategie: Sie beschreibt die Bedrohungslage und wie die Bundeswehr darauf reagieren will. Zweitens das „Fähigkeitsprofil“ oder auch der „Plan für die Streitkräfte“. Er legt dar, wie die Bundeswehr bis 2039 zur konventionell stärksten Armee Europas werden soll. Die Einzelheiten der Strategie sind geheim. Bekannt sind die Ziele beim Personalaufbau: Die Zahl der aktiven Soldatinnen und Soldaten soll bis 2035 von 186.000 auf 260.000 steigen, die Zahl der Reservistinnen und Reservisten bis 2033 von rund 70.000 auf 200.000.
Wie verhält sich die deutsche Militärstrategie zu Strategien von EU und NATO?
In dem Konzept heißt es: „Deutschland denkt und plant Verteidigung im Bündnis.“ Eine glaubhafte Bündnisverteidigung erfordere jedoch eine neue strategische Rolle der Bundeswehr. Als größte Volkswirtschaft Europas und größter Alliierter ohne eigene Nuklearkräfte trage Deutschland besondere Verantwortung, so das Verteidigungsministerium.
Wie wird der Ausbau der Bundeswehr finanziert?
Für die zusätzlichen Verteidigungsausgaben wurde die sogenannte Schuldenbremse gelockert. Sie legt gesetzlich fest, dass Deutschland Kredite nur in Höhe von 0,35 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) aufnehmen darf. Im März 2025 stimmte der Bundestag für eine Änderung des Grundgesetzes. Damit ist die Schuldenbremse für Verteidigungs- und Sicherheitsausgaben aufgehoben, und zwar für alle Ausgaben, die über ein Prozent des BIP hinausgehen.