Von der Kokosfarm zum Wandel globaler Ernährung
Wie sich eine chinesische Alumna des UN Food Systems Youth Leadership Programms für ein gerechteres Agrar- und Ernährungssystem einsetzt.
Auf der Aromatic Coconut Farm in der thailändischen Provinz Ratchaburi stehen die Kokospalmen dicht an dicht, dazwischen laufen Hühner frei herum. Sie düngen „nebenbei“ den Boden – der erste Schritt in einem effizienten ökologischen Kreislauf. Zwischen Palmen und Kübeln mit Kokosresten, die darauf warten, zu wertvoller Pflanzenkohle zu werden, trifft Cataleya Xinyue Han, Klimaaktivistin und Alumna der ersten Kohorte des zweijährigen UN Food Systems Youth Leadership Programme (YLP), auf eine Unternehmerin, die Nachhaltigkeit zum Kern ihrer Geschäftsstrategie gemacht hat.
Die Gründerin der Farm, Nuanla-Or Dherdkiattikun, ist eine Pionierin auf ihrem Gebiet und wurde schon mehrfach ausgezeichnet: „Sie verbindet ökologischen Landbau mit Kreislaufwirtschaft – wobei Algen das Gießwasser biologisch mit Stickstoff anreichern – und teilt ihr Wissen mit lokalen Landwirten und Organisationen“, sagt Cataleya Han. Gemeinsam mit anderen Nachwuchsführungskräften aus dem Asien-Pazifik Raum hat sie die Kokosnussplantage im Rahmen eines viertägigen YLP-Regionalworkshops besucht – und war beeindruckt.
Ich möchte erreichen, dass Wirtschaft und Wissenschaft stärker zusammenarbeiten.
Das YLP stärkt junge Führungskräfte aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Es fördert ihre Beteiligung am politischen Dialog und unterstützt sie dabei, konkrete Lösungen für einen nachhaltigen und inklusiven Umbau der Lebensmitterzeugung und -versorgung in ihren Ländern voranzutreiben.
Das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt das Youth Leadership Programme von 2023 bis 2028 mit vier Millionen Euro.
„Erfolgreiche Entwicklung braucht Agrar- und Ernährungssysteme, die nachhaltig, resilient und zukunftsfähig sind“, heißt es dazu vom BMZ. Fast die Hälfte aller jungen Menschen weltweit arbeitet in der Landwirtschaft. Rund 85 Prozent leben in Ländern mit niedrigem Einkommen, in denen Wertschöpfungsketten der Land- und Ernährungswirtschaft zentral für Beschäftigung, Einkommen und Ernährungssicherheit sind. „Ihre Perspektiven und Erfahrungen sind daher unverzichtbar für den Umbau der Agrar- und Ernährungssysteme. Junge Menschen spielen eine Schlüsselrolle.“
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Einverständniserklärung öffnenVerantwortung für globale Ernährungssysteme
Junge Führungskräfte wie Cataleya Han übernehmen bereits heute Verantwortung. Die 33 Jahre alte Chinesin sagt: „Die Begegnung mit Nuanla-Or hat mich in meinen eigenen Zielen bestärkt. Auch ihr Werdegang kommt meinem sehr nah: Sie arbeitete als Buchhalterin und gab dann ihren Job auf, um die Lebensmitterzeugung und -versorgung in Ländern mit niedrigem Einkommen zu verändern.“
Auch Han, die Finanzen und Rechnungswesen in China und Australien studierte, will regionale und globale Ernährungssysteme gestalten. „Ernährungsdefizite in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sind kein Zufall, sondern Ausdruck von Fehlern, die tief im System verwurzelt sind. Das muss sich ändern – etwa durch die Umverteilung von Subventionen oder indem marginalisierte Gruppen in politische Entscheidungsprozesse einbezogen werden.“
Seit 2021 arbeitet Han in interdisziplinären Projekten, die sich mit internationaler Politik, Klimawandel, Umweltpolitik und Ernährungssystemen in den BRICS-Staaten befassen. Sie ist zudem als Beraterin für NGOs wie Universal Versatile Society, CliMates International und SDG7 Youth Constituency tätig, die von den Vereinten Nationen akkreditiert sind. Dadurch unterstützt sie Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, selbstbestimmt und nachhaltig zu wirtschaften.
Wirtschaft und Wissenschaft zusammenbringen
YLP-Alumna zu sein, hat ihre persönliche Laufbahn entscheidend geprägt. „Die Teilnahme am YLP eröffnete mir einen neuen Blick auf die Welt und stärkte meine Fähigkeiten, systemisch zu denken“, sagt Han. Eine zentrale Erkenntnis: „Ernährungssysteme existieren nie isoliert, sondern sind immer mit Themen wie Klima, Energie, Geschlechtergerechtigkeit und Finanzierung verflochten.“
All dies möchte Han in ihrer Promotion vertiefen. Im Mittelpunkt stehen Chinas Großinvestitionen in Südostasien und die langfristige Wirtschaftsstrategie „Australia–ASEAN 2040“. Zudem will sie untersuchen, wie Regierung, Wirtschaft und Wissenschaft sektorübergreifend zusammenarbeiten können, welche Rolle KI-gestützte Industrialisierung spielt und wie sich integrierte Lösungen für Wasser, Energie und Ernährung entwickeln lassen. „Ich möchte erreichen, dass Wirtschaft und Wissenschaft stärker zusammenarbeiten. Wenn es gelingt, dass sie in resiliente, emissionsarme Agrar- und Ernährungssysteme investieren, könnte das für lokale Gemeinschaften einen spürbaren Nutzen und nachhaltige Effekte bringen.“