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Junge Frau zeigt  anderen Frauen etwas auf  dem Handy.
Alokita Jha (l.) aus Indien zeigt Bäuerinnen Ergebnisse ihrer Arbeit. © privat

Ernährung neu denken

Überliefertes Pflanzenwissen aus Fidschi, Klimadaten aus Indien: Zwei junge Forschende engagieren sich für gerechtere Ernährungssysteme. 

25.08.2026Esther Sambale

Im Tieflandwald der Korobasabasaga‑Gebirgskette auf der Fidschi-Insel Viti Levu wachsen Uvi und Ota, Yamswurzel und essbarer Farn. Diese traditionellen Wildpflanzen gehören in Zeiten von Ernteausfällen oder Naturkatastrophen zu den wichtigsten Ernährungsreserven Fidschis. Für Asaeli Naika sind sie die Lösung für ein ernstes Problem: In der Indigenen Gemeinschaft der iTaukei geht das traditionelle Wissen über essbare Wildpflanzen stark zurück. Zeitgleich nehmen Krankheiten wie Diabetes zu. Eine Rückkehr zu frischen, lokal erzeugten Lebensmitteln könnte diese Entwicklung umkehren.  
 
Naika ist Dozent für Ernährungswissenschaften an der Fiji National University und selbst iTaukei. Er arbeitete in Projekten der Vereinten Nationen (UN) und als Ernährungsberater und Beauftragter für Ernährungssicherheit im Fiji National Food and Nutrition Centre, dem nationalen Ernährungszentrum Fidschis. Derzeit forscht er in fünf indigenen Gemeinschaften, um traditionelles Wissen über essbare Wildpflanzen zu dokumentieren und erstmals ein umfassendes Verzeichnis dazu zu erstellen.    

Unterstützung aus Deutschland 

Dabei fördert ihn das UN Food Systems Youth Leadership Programme (YLP), eine vom UN Food Systems Coordination Hub geleitete Initiative, die vom deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt wird. Naika ist Teil der ersten, 2024 gestarteten Kohorte: 60 Teilnehmende aus 44 Ländern, die noch bis Ende des Jahres 2026 gefördert werden. Das Programm vernetzt aufstrebende Führungskräfte aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Es vermittelt den Teilnehmenden Fähigkeiten, um den Wandel der Ernährungssysteme in ihren Ländern voranzutreiben. Zudem soll lokales Wissen in politische Entscheidungen und die Praxis einfließen. 
 

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Asaeli Naika aus Fidschi forscht zum Essverhalten von indigenen Gemeinschaften. © Arti Pillay

Das BMZ strebt eine zweite Förderphase an. „Wir sind überzeugt, dass eine stärkere Beteiligung junger Menschen am politischen Dialog zu spürbaren Veränderungen bei der Steuerung von Ernährungssystemen führen kann“, sagte Andreas Schaumayer, Referatsleiter Ernährungssicherheit und Fischerei im BMZ, bei einem Programmtreffen im Mai 2026 in Rom. Politisch knüpft das Programm an den Folgeprozess des UN-Ernährungsgipfels an, an dem auch Deutschland aktiv teilnimmt. Mit seinem Engagement will das BMZ langfristige Strukturen schaffen, die weit über kurzfristige Nahrungshilfen hinausgehen.  

Traditionelle Nahrungsmittel in Fidschis Schulküchen

Ernährungswissenschaftler Naika hat den Wandel in Fidschis Ernährungslandschaft selbst erlebt. „Während ich als Kind noch gekochte Taro-Blätter aß, bevorzugen junge Menschen heute Frühstückscracker oder Instantnudeln“, sagt der 37-Jährige. „Wenn ich frage, warum man keine gekochte Kochbanane frühstückt, höre ich oft: ‚Weil andere dann denken, ich sei arm‘.“ 
 
Naika ist überzeugt: Das Essverhalten zu verändern, ist schwer und braucht Zeit. Doch er will etwas verändern. Er spricht mit Ministerien und hat einen Förderantrag eingereicht, um weiter zu forschen. „Durch das YLP konnte ich am globalen Diskurs teilnehmen und weltweit Kontakte knüpfen.“ Naikas großer Wunsch ist, dass traditionelles ökologisches Wissen rechtlich anerkannt und traditionelle Nahrungsmittel fest in Lehrplänen und Schulküchen in ganz Fidschi verankert werden.  

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Alokita Jha engagiert sich schon seit Längerem im Rahmen der Vereinten Nationen. © privat

Digitale Tools zur Früherkennung von Naturgefahren 

Auch die indische Forscherin und Klimaaktivistin Alokita Jha, die demnächst ihren Executive Master of Public Administration an der Hertie School in Berlin abschließt, gehört zur ersten YLP-Kohorte. „Ich arbeite an der Schnittstelle von Daten, Klima, Landwirtschaft und Gesundheit, um das Leben marginalisierter Gemeinschaften im ländlichen Raum zu verbessern“, sagt die 32-Jährige.  

In ihrer Forschung untersucht sie, wie der Klimawandel Unterernährung verstärkt. Dafür kombiniert sie sozioökonomische, ernährungsrelevante und klimabezogene Daten. „Auf Basis umfangreicher Datensätze entwickele ich digitale Tools zur Früherkennung von Naturgefahren, die Regierungsbehörden für besonders betroffene Regionen nutzen“, so Jha. Extremwetterereignisse wie Hitzewellen oder Hagelstürme zerstören die Ernten von Kleinbauern. In manchen Regionen dominiert eine einseitige, kohlenhydratreiche Kost den Speiseplan – in anderen herrscht Hunger.

Innovationskraft der Jugend  

Das YLP hat Jha selbstbewusster werden lassen. „Dank neuer Führungskompetenzen spreche ich jetzt auf Augenhöhe mit Regierungsbeamten und kann mit ihnen verhandeln.“ Als Nächstes möchte sie ihre eigene Nichtregierungsorganisation gründen, das Samya Lab. „Ich will ein Bewusstsein für marginalisierte Gruppen schaffen und ihr Leben verbessern, indem ich Forschung, Politik, Interessenvertretung und digitale Tools in Projekten auf lokaler Ebene verbinde.“ Jhas Haltung: „Niemals die Hoffnung verlieren! Die Innovationskraft der Jugend ist das Gegenteil von Zerstörung in der Welt und mein stärkster Antrieb.“  
 

UN Food Systems Youth Leadership Programme

Das UN Food Systems Youth Leadership Programme (YLP) wurde 2021 vom UN Food Systems Coordination Hub initiiert und 2024 erstmalig durchgeführt. Das Programm wird vom deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert. Es richtet sich an Menschen zwischen 18 und 35 Jahren, die in ihrem Herkunftsland in Afrika, Asien, im Pazifikraum sowie in Lateinamerika und der Karibik an nachhaltigen Ernährungssystemen arbeiten.