Deutschland kann KI
Bei großen Sprachmodellen dominieren bisher die USA und China. Nun hat ein deutsches Forschungskonsortium in kurzer Zeit ein eigenes Modell entwickelt.
- Soofi S ist ein deutsches, offenes KI-Sprachmodell für deutschsprachige Anwendungen.
- Trainingsdaten, Methodik und Modellgewichte sind transparent und öffentlich zugänglich.
- Unternehmen können Soofi auf eigener Hardware betreiben und dadurch Daten sowie Kosten besser kontrollieren.
- Das Projekt soll Deutschlands und Europas digitale Souveränität stärken.
Ende März 2026 fahren in einem Münchener Rechenzentrum der Deutschen Telekom die Server hoch. Bis zu 1.024 Grafikprozessoren arbeiten gleichzeitig. Wochenlang. Sie verarbeiten 27 Billionen Text- und Codebausteine. Es ist das Training eines neuen KI-Modells – entwickelt und trainiert von einem deutschen Forschungskonsortium, optimiert für deutschsprachige Inhalte.
Als „Soofi S“ Mitte Juni angekündigt wird, ist das Interesse groß. Unternehmen und Organisationen stehen Schlange für einen Testzugang. Soofi S ist ein Sprachmodell wie ChatGPT, Claude oder DeepSeek, dabei aber offen und nicht kommerziell. Und es ist gut: Bei Tests schneidet es bei deutschsprachigen Aufgaben besser ab als vergleichbare Modelle. Deutschland und Europa wollen unabhängiger werden von den großen KI-Firmen. Modelle wie Soofi S könnten ein Weg sein.
Digitale Abhängigkeit
Bisher dominieren Modelle aus den USA und China. „Wir begeben uns dabei in eine wirtschaftlich und politisch gefährliche Abhängigkeit“, sagt Jörg Bienert, Geschäftsführer des Centers of Sovereign AI und Mitgründer des Bundesverbandes Künstliche Intelligenz, der das Soofi-Projekt leitet. Ein Weckruf sei die Entscheidung der US-Behörden Mitte Juni gewesen, das damals leistungsstärkste Modell des KI-Unternehmens Anthropic von einem Tag auf den anderen sperren zu lassen.
Plötzlich stand Claude Fable 5 allen Firmen außerhalb der USA nicht mehr zur Verfügung. „Für europäische Unternehmen, Behörden und kritische Infrastrukturen ist das ein ernstzunehmendes Risiko“, so Bienert. Hinzu kommt: Wer als deutsches Unternehmen Modelle von Anthropic oder dem ChatGPT-Entwickler OpenAI nutzt, speichert nicht nur teils sensible Daten in fremden Rechenzentren. Er ist auch der Preisgestaltung der Anbieter ausgeliefert.
Transparente Trainingsdaten
An der Entwicklung von Soofi sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sechs führenden deutschen Forschungseinrichtungen sowie zwei Startups beteiligt. Soofi ist ein sogenanntes Open-Weight-Modell. Die „Weights“ (Gewichte) sind die Millionen von Zahlenwerten, die das Modell beim Training gelernt hat – sie sind das eigentliche „Wissen“ der KI. Dies ist öffentlich zugänglich. Jedes Unternehmen kann sie herunterladen und auf eigenen Servern betreiben.
Solche Modelle gibt es auch von anderen Anbietern, etwa dem französischen Unternehmen Mistral oder dem chinesischen DeepSeek. Die Trainingsdaten allerdings sind nicht transparent. Wer DeepSeek nutzt, weiß zum Beispiel nicht, an welchen Stellen eventuell zensiert wurde. Das ist bei Soofi anders: Dort sind Trainingsdaten, Methodik und Zwischenschritte öffentlich einsehbar. „Wir veröffentlichen die Daten, die es brauchen würde, um das Modell nachzubauen“, sagt Jörg Bienert.
Die Einsatzgebiete sind vielfältig: Große Sprachmodelle bilden zum Beispiel den Unterbau für Chatbots und KI-Agenten, können technische und regulatorische Dokumente auswerten oder Softwarecode schreiben.
Datenkontrolle: Soofi kann auf eigener Hardware betrieben werden, die Daten bleiben im Haus.
Keine Preisabhängigkeit: Als Open-Weight-Modell kostet Soofi keine laufenden Lizenzgebühren.
Geringes politisches Risiko: Soofi kann nicht plötzlich gesperrt werden, wie das bei Anthropics Modell Fable 5 passiert ist.
Transparenz: Bei Soofi sind Trainingsdaten, Methodik und Zwischenschritte öffentlich dokumentiert.
Deutschsprachig: Für viele Anwendungen in deutschen Unternehmen – Vertragsanalyse, technische Dokumentation, Behördenkommunikation – ist Soofi vergleichbaren Modellen überlegen.
Alternativen aus Europa
Soofi steht nicht allein. Auch auf europäischer Ebene treibt man die Entwicklung von quelloffenen und transparenten KI-Modellen voran. Ein Konsortium akademischer und industrieller Partner hat in einem von der EU finanzierten Projekt die offene Modellfamilie Euro LLM entwickelt. Der Fokus liegt auf Mehrsprachigkeit. Ähnlich gelagert das Projekt Open Euro LLM, dessen Modelle in 35 europäischen Sprachen trainiert werden sollen. Die europäische Sprachvielfalt abbilden soll auch das Tilde Open LLM, ein im vergangenen Jahr mit EU-Unterstützung entwickeltes, offenes Modell des lettischen Startups Tilde.
20 Millionen Euro Förderung vom Wirtschaftsministerium
Aus Sicht von Bienert ist das Soofi-Projekt ein Beweis dafür, dass Deutschland sich im internationalen KI-Rennen nicht geschlagen geben muss. „Wir haben hier viel Talent und theoretisches Forschungswissen“, sagt Bienert. „Projekte wie Soofi brauchen wir, um dieses Wissen auch in die Praxis zu kriegen.“ Politischen Rückenwind gibt es: Gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen der europäischen Dachinitiative 8RA mit rund 20 Millionen Euro.
Aktuell bereitet das Konsortium laut Bienert eine allgemeine Veröffentlichung von Soofi S vor. Das finale Modell soll auch Reasoning-Fähigkeiten haben, also ein strukturiertes Vorgehen in Zwischenschritten beherrschen. In einer möglichen Fortführung des Projekts sollen dann vor allem größere, leistungsstärkere Basismodelle entwickelt werden.
Soofi steht für „Sovereign Open Source Foundational Models for European Intelligence“ und wird von einem Konsortium mehrerer deutscher KI-Forschungsinstitute und Startups entwickelt. Ziel ist es, ein KI-Grundlagenmodell zu entwickeln, um daraus hoch spezialisierte sogenannte „Reasoning“-Modelle abzuleiten. Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf Lösungen für hochkomplexe Aufgaben wie etwa KI-gesteuerte Robotik. Die Ergebnisse von SOOFI werden in mehreren Anwendungsfällen in der Industrie erprobt und stehen der Industrie kostenlos zur Verfügung.
https://www.soofi.info/soofi-s/