Zum Hauptinhalt springen

„Künstliche Intelligenz ist wie Elektrizität“

Ähnlich wie Strom macht KI vieles möglich, sagt Forscher Björn Ommer und prognostiziert: Bald wird man die Technologie dahinter gar nicht mehr wahrnehmen.  

Klaus LüberInterview: Klaus Lüber, 20.05.2026
KI-Apps auf Handy-Bildschirm
KI hat das Potenzial, persönliches Wissen zu erzeugen. © itStock.com/Kenneth Cheung

Herr Professor Ommer, KI-Chatbots galten lange als „stochastische Papageien“ – sie erraten einfach das nächste Wort. Stimmt dieses Bild noch? 

Das greift zu kurz. Das wäre so, als würde man sagen: Klavierspielen ist nur, die richtigen Töne zur richtigen Zeit zu treffen. Was ich bei Bild- und Sprachmodellen beobachte, ist ein gewisser Grad an Emergenz. Je mehr Kontext ein System zu einem Thema hat, desto differenzierter fallen die Antworten aus. Es kann Dinge zueinander in Beziehung setzen – das ist mehr als Nachplappern.  

Wo sehen Sie die größten Potenziale von KI? 

Künstliche Intelligenz ist eine Ermöglichungstechnologie – wie Elektrizität. Niemand produziert Strom, weil Strom schön wäre, sondern weil er Millionen andere Technologien ermöglicht. Was KI gerade leistet: Sie hilft, in einer Flut von Informationen persönliches Wissen zu erzeugen. Ich kann ein Sprachmodell fragen, was eine Meldung für meine konkreten Pläne bedeutet. Das verbindet rohe Informationsschnipsel zu handlungsfähigem Wissen – „actionable knowledge“. KI gibt im Ansatz jedem Einzelnen Möglichkeiten, die früher Firmenchefs oder Staatslenker vorbehalten waren: ein tägliches Briefing, das alles Wichtige einordnet und sagt: Was bedeutet das für mich? Wie komme ich damit voran? 

Dieses YouTube-Video kann in einem neuen Tab abgespielt werden

YouTube öffnen

Inhalte Dritter

Wir verwenden YouTube, um Inhalte einzubetten, die möglicherweise Daten über deine Aktivitäten erfassen. Bitte überprüfe die Details und akzeptiere den Dienst, um diesen Inhalt anzuzeigen.

Einverständniserklärung öffnen

Piwik is not available or is blocked. Please check your adblocker settings.

Manche behaupten, Deutschland könne mit dem immer weiter steigenden Bedarf an Rechenleistung für KI nicht mithalten. Sehen Sie das auch so? 

Große Sprachmodelle profitieren davon, dass man immer mehr Daten in sie hineinschüttet. In diesem Rennen um mehr Strom und bessere Chips sind wir vielleicht nicht so gut aufgestellt. Aber da müssen wir meiner Meinung nach auch nicht mitmachen. Unsere Stärke liegt in breiter KI, die unterschiedlichste Fähigkeiten verbindet, und in der industriellen Anwendung von KI. Innovation entsteht auch dadurch, Daten auf das Wesentliche zu reduzieren. Wenn KI-Systeme mit der echten Welt interagieren – etwa in der industriellen Fertigung –, reicht es nicht, Millionen Bilder aus sozialen Netzwerken hineinzukippen. Da braucht es ganz spezifische Daten und Domänenwissen – also Fachwissen über den jeweiligen Einsatzbereich. Und beides haben wir durch unsere lange Industrietradition und direkten Kundenkontakte. 

Deutschlands Stärke liegt in der industriellen Anwendung von KI.
Björn Ommer

Wie wird sich KI weiterentwickeln? 

Wir werden mit KI bald so arbeiten wie mit Betriebssystemen: So wie wir heute nicht auf den Prozessor im Smartphone schauen, sondern auf die Apps – so werden wir die KI darunter gar nicht mehr wahrnehmen. Besonders wichtig werden Videomodelle: Sie geben KI Zugang zu unserer visuellen Wirklichkeit und bilden die Basis für physische KI – für Robotik, Medizin, Werkstoffforschung. Deutschland hat gute Chancen, KI in der Breite nutzbar zu machen. So wie beim Auto: Das fuhr schon vor über 100 Jahren. Aber Sicherheit, Effizienz und Zugänglichkeit – daran hatten wir einen maßgeblichen Anteil. 

Prof. Dr. Björn Ommer,  ein Mann Mitte 40, kurze dunkle Haare,  im Anzug
Björn Ommer
© Deutscher Zukunftspreis/Ansgar Pudenz

Björn Ommer ist Professor für Informatik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er die Computer Vision & Learning Group leitet. Seine Forschungsgruppe entwickelte den KI-Bildgenerator Stable Diffusion – eines der weltweit meistgenutzten Open-Source-Modelle für generative KI.