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Wenn der Wald kippt, schlägt die KI Alarm

Mit der ELIAS Alliance vernetzt sich Europas KI-Forschung für Nachhaltigkeit und Ethik. Drei der acht Knotenpunkte liegen in Deutschland.

Luca Rehse-KnaufLuca Rehse-Knauf, 20.05.2026
Dichte Waldlandschaft mit verschiedenen Laubbäumen in unterschiedlichen Grüntönen und einem einzelnen weißblühenden Baum in der Bildmitte, im Hintergrund bewaldete Hügel.
KI-Systeme können erkennen, ob die Gesundheit eines Waldes gefährdet ist. © picture alliance / CTK | Vaclav Pancer

Ein Wald stirbt nicht plötzlich. Der Prozess dauert viele Jahre – und zeigt sich in Temperaturdaten, Feuchtigkeitswerten, Satellitenbildern. Zu erkennen, wann ein Ökosystem tatsächlich kippt, ist anspruchsvoll. KI-Systeme können hier helfen. Wie genau, daran arbeitet ein Forscherteam am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena (MPI-BGC).

Das MPI-BGC ist assoziiertes Mitglied der Initiative „European Lighthouse of AI for Sustainability“ (ELIAS), einem EU-geförderten Forschungsnetzwerk mit Partnern in 17 Ländern und Knotenpunkten in acht europäischen Städten – darunter Tübingen, München und Potsdam. 

Wichtigstes Ziel ist es, Technologie und gesellschaftliche Verantwortung zu verbinden. „Künstliche Intelligenz kann eine Schlüsselrolle dabei spielen, drängende Herausforderungen wie Klimawandel und Energiekrise zu bewältigen“, sagt Matthias Bethge, Gründungsdirektor des Tübingen AI Center und Leiter der ELIAS Alliance. „Damit das gelingt, braucht die öffentliche Forschung und Lehre in Europa einen stärkeren Auftrag, alltagstaugliche KI-Systeme zu entwickeln, die einer breiten Bevölkerung zugutekommen.“

Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft

Der Fokus des EU-finanzierten Projekts liegt zunächst auf der Grundlagenforschung mit drei zentralen Fragen: Wie lassen sich Rechenkosten senken? Wie können gesellschaftliche Auswirkungen politischer Entscheidungen modelliert werden? Und wie wirkt sich KI auf den individuellen Alltag aus? Gleichzeitig dient ein Teil der Förderung dem Aufbau der ELIAS Alliance als Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Ein Beispiel: das AI Launchpad, ein Förderprogramm für KI-Startups, das Forschende und Gründende aus ganz Europa zusammenbringt.

„Wir wollen keine KI, die Forscher ersetzt“

Jeder Knoten setzt eigene Schwerpunkte. Im „Tübingen AI Center” forschen 30 Gruppen mit mehr als 300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Ein aktuelles Projekt untersucht, wie KI den wissenschaftlichen Prozess unterstützen kann. „Wir wollen keine KI, die Forscher ersetzt, sondern eine, die ihre Fähigkeiten erweitert“, sagt KI-Forscher Andreas Geiger. In München nutzt das europaweite ELLIS-Netzwerk – auf dem die ELIAS Alliance aufbaut – KI für die Auswertung von Röntgenaufnahmen, um Krankheiten frühzeitig zu erkennen. Am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam fördert die Alliance Startups und ihre Projekte, etwa ein System, mit dem Unternehmen ihren CO₂-Ausstoß messen können.