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Deep Tech braucht Deep Thinking

Die KI-Ausbildung in Deutschland gehört zu den besten weltweit. Drei vom DAAD geförderte Graduiertenschulen bringen exzellente Forschung in die Anwendung. 

Klaus LüberKlaus Lüber, 20.05.2026
Eine Gruppe von Teilnehmenden mit blauen Namensbändern beobachtet in einem Robotiklabor der TU Darmstadt eine Demonstration, bei der ein blau-weißer kollaborativer Roboterarm einen Holzklotz greift, während ein junger Mann mit Brille und Laptop die Steuerung übernimmt.
Im Robotics Lab der Zuse School ELIZA an der TU Darmstadt © DAAD/Siegfried Michael Wagner

Mohamed Afham will Maschinen das Sehen beibringen. Der Forscher aus Sri Lanka arbeitet an „Computer Vision“: Er trainiert Algorithmen, die visuelle Eindrücke in logische Handlungsabfolgen übersetzen – so wie ein Mensch beim Kochen intuitiv weiß, welcher Schritt als nächstes kommt. Seine Forschung könnte künftig Anwendungen ermöglichen, die Chirurgen im OP unterstützen, Tumoren erkennen oder Verschleiß in Maschinen aufspüren.

Nach seinem Bachelorabschluss zog es Afham, wie viele KI-Talente, zunächst in die USA, wo er bei Meta arbeitete. Nach eineinhalb Jahren suchte er nach einem Masterprogramm. Statt im Silicon Valley zu bleiben, wechselte er nach Deutschland – an die Technische Universität Darmstadt. Dort fördert der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) die KI-Graduiertenschule ELIZA, ein spezielles Förderprogramm der deutschen Bundesregierung für die Ausbildung von KI-Spitzenkräften.

Zuse Schools des DAAD: KI-Graduiertenschulen an deutschen Spitzenuniversitäten

An zahlreichen Standorten in Deutschland – unter anderem München, Dresden und Darmstadt – bieten die Konrad Zuse Schools of Excellence in Artificial Intelligence Master- und Promotionsprogramme an. Wie Afham geben viele hochtalentierte Studierende den Graduiertenschulen den Vorrang vor anderen Optionen an internationalen Spitzenuniversitäten. Das liegt nicht nur an der Qualität der Forschung, sondern auch am engen Praxisbezug der Schools. 

Nil Ayday kam aus der Türkei als Masterstudentin an die Zuse School relAI, die an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Technischen Universität München angesiedelt ist und einen Schwerpunkt auf vertrauenswürdige KI legt. Heute promoviert Ayday dort und engagiert sich als Studierendenvertreterin. Den größten Vorteil sieht sie im Netzwerk der Zuse Schools. Die Entscheidung, für ihre Promotion in Deutschland zu bleiben, fiel ihr leicht: „Wir sind eine große Gemeinschaft von Lehrstühlen und Universitäten und unterschiedlichen Disziplinen. Das sind ideale Bedingungen für mich.“ 

Tim Langer promoviert an der Zuse School SECAI, die sich damit beschäftigt, wie Computerhardware und intelligente Softwaresysteme besser zusammenarbeiten. Am SECAI-Standort Technische Universität Dresden arbeitet er an einem Chip, der den Stromverbrauch von KI-Anwendungen drastisch reduzieren soll. Neben seiner Promotion arbeitet er im Startup eines seiner Professoren, das den Chip kommerziell nutzbar macht. 

Forschung mit gesellschaftlicher Verantwortung 

Die Zuse Schools möchten KI-Forschung mit gesellschaftlicher Verantwortung verbinden. „KI ist kein neutrales Werkzeug“, so Professor Matthias Oechsner, Vizepräsident für Forschung der TU Darmstadt, beim Jahrestreffen der Graduiertenschulen im Herbst 2025. „Deep Tech braucht Deep Thinking – Forschung und Ethik müssten konsequent zusammengedacht werden.“ 

Zuse Schools of Excellence in AI

Zu Mohamed, Nil und Tim ist auch eine Multimediastory erschienen. Ihr könnt sie hier anschauen. 

Informationen zum Programm und zu den einzelnen Zuse Schools findet ihr auf der Website des DAAD. Der DAAD bietet viele weitere Fördermöglichkeiten im KI-Bereich: www.daad.de/ki