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So verändert Künstliche Intelligenz die Medizin

KI findet Tumore in Röntgenbildern, simuliert die Wirkung von Medikamenten an digitalen Organen und führt psychologische Erstgespräche. 

Klaus LüberKlaus Lüber , 06.05.2026
Hand mit Wearable und Gesundheits-App
Gesundheits-Apps werden immer beliebter. © iStock | AndreyPopov

Wie hilft KI heute schon bei der Diagnostik? 

Am stärksten ist KI dort, wo es um Mustererkennung in Bildern geht: Röntgen, CT, MRT, Pathologie, Hautscreening, Augenheilkunde. Algorithmen erkennen verdächtige Strukturen oft genauso zuverlässig wie erfahrene Fachärztinnen und Fachärzte. In Deutschland baut ein Konsortium unter Federführung der Berliner Charité eine bundesweite Plattform auf, über die Kliniken zugelassene KI-Anwendungen nutzen können. „Wir haben die Chance, Abläufe in Krankenhäusern, Prävention, frühe Krankheitsbegleitung, zunehmend ortsunabhängige Versorgung und echte personalisierte Medizin völlig neu zu gestalten“, sagt Ariel Dora Stern, Professorin für Digital Health, Economics and Policy am Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam. 

Professorin Ariel Dora Stern
Professorin Ariel Dora Stern © HPI, Kay Herschelmann

Ohne Daten keine KI. Aber wer darf sie nutzen? 

Deutschland hat 2024 ein Gesetz auf den Weg gebracht, das Daten aus Krebsregistern, Krankenkassen-Abrechnungen oder Genomanalysen einfacher zugänglich macht. Auf europäischer Ebene ergänzt es der European Health Data Space, der seit März 2025 in Kraft ist. Für die Forschung heißt das: schneller Zugriff auf größere, repräsentativere Datensätze und weniger Unsicherheit in der Datennutzung.  

Was leisten Chatbots und Gesundheits-Apps? 

Symptome zuordnen, an Medikamente erinnern, psychologische Erstgespräche führen – das können spezielle medizinische Chatbots und Apps schon gut. In Deutschland sind solche Apps sogar auf Rezept verfügbar; die Krankenkasse zahlt. KI kann Übungen, Inhalte oder Warnungen dann an das individuelle Verhalten anpassen. Besonders bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Tinnitus oder Depressionen entlasten solche Anwendungen Ärztinnen und Ärzte und geben Patientinnen und Patienten mehr Kontrolle über ihren Alltag.   

Kann KI die Wirkung von Medikamenten simulieren? 

Das könnte in Zukunft tatsächlich möglich sein. Forschende der Fraunhofer-Gesellschaft arbeiten an digitalen Patienten-Zwillingen, an denen sich die Wirkungen von Medikamenten virtuell durchspielen lassen, bevor sie an realen Personen zum Einsatz kommen. Schon heute ist es möglich, solche Simulationen an einzelnen Organen wie dem Herzen durchzuführen.