Alexander Zverev: Der Mensch hinter dem Tennisstar
Als erster Deutscher seit Boris Becker ist Alexander Zverev die Nummer eins der Tenniswelt. Doch sein Weg an die Spitze war durch Rückschläge und familiäre Konflikte geprägt. Was treibt ihn an?
Er galt vielen längst als der Unvollendete. Ein großes Tennistalent, das den letzten Schritt an die Spitze niemals schaffen würde. Doch Alexander Zverev hat seine Zweifler widerlegt: Er ist die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste. Als erstem Deutschen seit Boris Becker vor 35 Jahren ist ihm damit der Sprung an die Spitze des Herrentennis gelungen. Mit seinen ersten beiden Grand-Slam-Titeln bei den French Open und den US Open machte Zverev 2026 zum erfolgreichsten Jahr seiner Karriere.
Tennis ist bei Zverevs Familiensache
Alexander Zverev stammt aus einer Tennisfamilie. Seine Eltern waren in der damaligen Sowjetunion Profis, auch sein älterer Bruder Mischa schlug eine Tenniskarriere ein. 1991 zog die Familie nach Hamburg, wo Alexander am 20. April 1997 geboren wurde. Bis heute ist die Familie eng in seine Karriere eingebunden: Sein Vater Alexander Zverev senior trainiert ihn, Bruder Mischa ist sein Manager. Eine besondere Rolle spielt seine Mutter Irina. „Die wichtigste Person in meinem Leben – und für meine Tenniskarriere – war schon immer meine Mutter Irina“, schrieb Zverev in einem Beitrag, den die Spielerorganisation ATP veröffentlichte. Sie war seine erste Trainerin. „Ich hatte schon einen Tennisschläger in der Hand, kurz nachdem ich das Laufen gelernt habe“, erzählte Zverev dem Kindermagazin „Dein Spiegel“.
Ich hatte nie Zweifel daran, dass ich alles erreichen kann, und das verdanke ich meiner starken Mutter
Als Alexander Zverev vier Jahre alt war, wurde bei ihm Diabetes vom Typ 1 diagnostiziert. Die Ärzte hätten seinen Eltern damals wenig Hoffnung auf eine Karriere im Spitzensport gemacht. Doch seine Mutter Irina ließ sich davon nicht entmutigen. „Egal, welches Hindernis sich mir in den Weg stellte, sie hätte niemals zugelassen, dass mich irgendetwas aufhält“, schrieb Zverev später über sie. „Deshalb hatte ich nie Zweifel daran, dass ich alles erreichen kann.“
Seine Diabetes-Erkrankung machte Zverev erst 2022 öffentlich. Gleichzeitig gründete er eine Stiftung, die Kinder mit Diabetes unterstützt. Doch das öffentliche Bild des Tennisstars ist auch von Wutausbrüchen geprägt. Beim Turnier in Acapulco 2022 schlug er nach einer Niederlage mehrfach mit seinem Schläger gegen den Schiedsrichterstuhl, auf dem der Unparteiische noch saß. Zverev wurde vom Turnier ausgeschlossen. „Das war wohl der größte Fehler meiner Tennis-Karriere“, sagte er später.
Auch abseits des Tennisplatzes geriet Zverev in die Schlagzeilen. Zwei ehemalige Partnerinnen erhoben Vorwürfe körperlicher Gewalt gegen ihn, die er zurückwies. Ein Verfahren wegen des Vorwurfs der Körperverletzung an der Mutter seiner Tochter wurde 2024 gegen eine Geldauflage von 200.000 Euro eingestellt. Das Gericht traf keine Entscheidung über die Schuldfrage. Eine Untersuchung der Spielerorganisation ATP zu den Vorwürfen der anderen Ex-Partnerin war bereits 2023 mangels ausreichender Beweise eingestellt worden.
Der lange Weg an die Weltspitze
Schon lange gehörte Alexander Zverev zu den besten Tennisspielern der Welt. Seit seinem Profidebüt 2013 gewann er zahlreiche Turniere, darunter zweimal das ATP-Finale mit den besten Spielern der Saison. 2021 holte er bei den Olympischen Spielen in Tokio die Goldmedaille. Doch ausgerechnet bei den vier Grand-Slam-Turnieren, den wichtigsten Wettbewerben im Tennis, blieb ihm der große Triumph lange verwehrt.
Hinzu kamen schwere Rückschläge. 2022 verletzte sich Zverev im Halbfinale der French Open gegen Rafael Nadal am Sprunggelenk und fiel monatelang aus. 2025 scheiterte er in Wimbledon bereits in der ersten Runde und sprach anschließend öffentlich über seine psychischen Probleme. Er suchte sich professionelle Unterstützung.
Auch auf dem Platz veränderte Zverev sein Spiel. Roger Federer hatte ihn 2024 dafür kritisiert, in entscheidenden Momenten zu defensiv zu agieren. Inzwischen sucht der Deutsche häufiger die Offensive. Federer lobte ihn zuletzt für sein „mutiges Tennis“.
Nun ist Zverev nicht mehr der Jäger, sondern der Gejagte. Seine Rivalen Carlos Alcaraz und Jannik Sinner hatten das Herrentennis in den vergangenen Jahren dominiert. Dass Zverev an ihnen vorbeiziehen konnte, lag auch an ihren Verletzungspausen. Doch seine ersten beiden Grand-Slam-Titel hat er selbst gewonnen. Nach Jahren voller Rückschläge steht er erstmals ganz oben. Die nächste Herausforderung wird sein, sich dort zu behaupten.