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eine Frau in festlicher Kleidung
Nadine Nurasyid: sportliche Sympathieträgerin © picture alliance / Eibner-Pressefoto | Germann/ Eibner-Pressefoto
NFL-Trainerin

Football statt Ballett: Nadine Nurasyids erstaunlicher Weg in die NFL

Nadine Nurasyid ist die erste deutsche Trainerin einer NFL-Mannschaft. Auch deutsche Spieler machen Karriere im American Football.

26.10.2026Johannes_GöbelJohannes Göbel

American Football mag ein harter Sport sein, aber Nadine Nurasyid erfährt in den vergangenen Monaten vor allem eins: ganz viel Liebe. In den sozialen Netzwerken regnete es Herzen und Glückwünsche auf die 40-jährige Football-Pionierin, seit ihr Wechsel ins Trainerteam der Indianapolis Colts in der US-Eliteliga NFL bekannt wurde. „Ihr gönnt man es wirklich!“ schreibt der deutsche Instagram-Kanal der NFL; eine Userin formuliert: „Mach weiter, inspiriere weiter. Du bist ein Rockstar“. Wer ist diese Persönlichkeit, die so viele Menschen fasziniert?

Football erst spät entdeckt

Nadine Nurasyid hat ein ungewöhnlicher Weg zum Football geführt: Als Sportlerin versuchte sie sich zunächst in Ballett, Kampfsport und Fußball – erst mit 27 Jahren startete sie als Football-Spielerin in ihrer Geburtsstadt München. „Was viel auffälliger ist als mein Geschlecht, ist die Tatsache, wo ich herkomme und was mein Startpunkt in Sachen Football war. Das ist der größte Unterschied“, betonte die Frau mit dem bayerischen Zungenschlag und dem strahlenden Lächeln kürzlich in einem Interview.

Erfolgreich war sie in der uramerikanischen Sportart von Anfang an: In ihrer ersten Saison in der höchsten deutschen Liga mit den Munich Cowboys Ladies wurde sie zur besten Nachwuchsspielerin gewählt, später unter anderem als MVP Defense, wertvollste Verteidigerin, des Endspiels „Ladies Bowl“ ausgezeichnet. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde sie 2017 Vize-Europameisterin in der weniger rustikalen Variante Flag Football.

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Ihre Trainerkarriere begann Nurasyid allerdings bei den Männern. Bei den Munich Cowboys war sie 2022 die erste Cheftrainerin eines Erstligateams in Europa – und wurde in Deutschland direkt zum Coach des Jahres gewählt. Die NFL ist aber wortwörtlich eine ganz andere Liga und zieht weltweit die meisten Fans in die Stadien; in Indianapolis liegt der Durchschnitt bei rund 65.000 Zuschauern pro Spiel. In Deutschland wird Football zwar immer populärer, und auch in der Saison 2026/27 findet in München wieder ein NFL-Spiel statt. Der Hype in Deutschland konzentriert sich aber stark auf den Spitzensport aus den USA; der deutsche Ligabetrieb ist noch eher Randsportart.

Großer Druck, gute Atmosphäre

In den USA ist Football nach wie vor der populärste Sport – und der Druck auf die Spieler und Trainer entsprechend hoch. Völlig neu ist die US-Atmosphäre für Nadine Nurasyid nicht; 2025 hat sie bereits für ein paar Wochen bei den Tampa Bay Buccaneers in Florida hospitiert. Nun ist sie zumindest für eine Saison bei den Indianapolis Colts beschäftigt und als Assistenztrainerin für die Defensive Backs, die Passverteidiger, zuständig. „Ich spüre einen großen Druck“, sagt sie. Denn wenn sie einen Fehler mache, habe das direkte Auswirkungen auf die Trainingsintensität der Verteidigung und letztlich auf das gesamte Mannschaftsgefüge. In Indianapolis fühlt sie sich zugleich gut aufgehoben. Ihr Vertrag wurde durch das „Harriet P. Irsay Fellowship for Women in Football Program“ unterstützt, das nach der Großmutter der drei Colts-Besitzerinnen Carlie Irsay-Gordon, Casey Foyt und Kalen Jackson benannt ist. Frauen in der NFL – das wird mehr und mehr selbstverständlich und ist für Nadine Nurasyid in Indianapolis ohnehin kein Thema: „Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, auf mein Geschlecht reduziert zu werden.“

Deutsche in der NFL: viele Talente, ein Superstar

Neun deutsche Spieler gehören aktuell NFL-Teams an, der Großteil von ihnen allerdings nur dem Practice Squad, aus dem sie vom Trainings- ins Spieltagsteam berufen werden können. Schon etablierter sind Brandon Coleman, der seit 2024 in der Offensive Line der Washington Commanders spielt, und Marlin Klein, der als Tight End seit Mitte 2026 für die Houston Texans punkten will. Der größte Star unter den deutschen Footballern ist definitiv Amon-Ra St. Brown: Der 27-Jährige zählt zu den populärsten Spielern seiner Mannschaft Detroit Lions und wurde 2022 und 2025 sogar zum Pro Bowl eingeladen, dem Spiel der besten NFL-Stars.