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Beratungsgespräch
Der deutsche Sozialstaat unterstützt Menschen bei Arbeitslosigkeit, beruflicher Neuorientierung und Weiterbildung. © GettyImages/Unsplash
Arbeit in Deutschland

Neustart in den Job

Beratung und Weiterbildung: Wie arbeitslose Menschen in Deutschland schnell eine neue Beschäftigung finden.

15.09.2026Clara KrugClara Krug

Zwölf Jahre lang führte Anja Garbsch ein Stoffgeschäft in Neubrandenburg, im Nordosten Deutschlands. Als der Mietvertrag auslief, hätte sie zwar den Laden an einem anderen Ort weiterführen können. Doch die Umsätze waren seit der Coronapandemie gesunken. Die 44-Jährige wollte etwas Neues beginnen: eine Ausbildung zur Ergotherapeutin. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragte sie sich. Für Ergotherapie hatte Garbsch sich schon lange interessiert. Doch wie sollte sie gleichzeitig die kostenpflichtige Ausbildung finanzieren, lernen und ihren Lebensunterhalt sichern?

Hilfe kam von ihrem späteren Ausbildungsbetrieb – der Arbeiterwohlfahrt Neubrandenburg – und der Bundesagentur für Arbeit (BA), die Garbschs Geschichte auf ihrer Website erzählt. Gemeinsam suchten die BA und ihr künftiger Arbeitgeber nach einer Lösung: Die BA übernahm im Rahmen des sogenannten Qualifizierungschancengesetzes die Ausbildungskosten und bezuschusste das Arbeitsentgelt. Garbsch drückte wieder die Schulbank – für sie die richtige Entscheidung.

Das Beispiel zeigt, wie das deutsche Sozialsystem Menschen unterstützt, deren berufliche Situation sich verändert: mit finanzieller Hilfe, persönlicher Beratung und Weiterbildung. 

Was passiert, wenn jemand in Deutschland seinen Arbeitsplatz verliert?

Unter bestimmten Voraussetzungen erhält die Person Arbeitslosengeld. Diese Leistung wird aus der Arbeitslosenversicherung finanziert, in die Beschäftigte und Arbeitgeber jeweils 1,3 Prozent des Bruttoeinkommens einzahlen. Sie ersetzt einen Teil des Einkommens (in der Regel 60 Prozent des vorigen Nettoentgelts) für eine begrenzte Zeit. Voraussetzung ist unter anderem, dass man zuvor mindestens zwölf Monate versichert war, sich arbeitslos meldet und eine neue Stelle sucht.

Wer hilft bei der Suche nach einer Stelle?  

Die Agentur für Arbeit berät, vermittelt Arbeitsplätze und unterstützt bei Bewerbungen. Sie kann auch eine Weiterbildung oder Umschulung finanzieren. Mit einem sogenannten Bildungsgutschein werden unter bestimmten Voraussetzungen die Kursgebühren sowie Fahrt- und Kinderbetreuungskosten übernommen. Bei einer abschlussorientierten Weiterbildung zahlt die Bundesagentur für Arbeit zusätzlich 150 Euro im Monat. 

Was geschieht, wenn das Arbeitslosengeld nicht zum Leben reicht oder kein Anspruch besteht?  

Dann kann man über das Jobcenter Grundsicherungsgeld beantragen. Diese Leistung finanziert der Staat aus Steuermitteln. Sie sichert das Existenzminimum und kann auch Kosten für Unterkunft und Heizung umfassen. Wer sie erhält, muss mit dem Jobcenter zusammenarbeiten, Termine wahrnehmen und sich um Arbeit oder eine passende Qualifizierung bemühen.