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Das deutsche Rentensystem soll reformiert werden. © Natalia Blauth/Unsplash

Rente in Deutschland: Ein System im Umbau

Die gesetzliche Rente ist die wichtigste Säule der Altersvorsorge. Doch der demografische Wandel stellt ihre Finanzierung vor Herausforderungen. 

15.09.2026Wolf ZinnWolf Zinn

Es ist erfreulich: Die Menschen in Deutschland leben immer länger. Weniger erfreulich ist, dass immer weniger junge Menschen ins Erwerbsleben eintreten. Diese Kombination setzt das deutsche Rentensystem zunehmend unter Druck. 2035 wird voraussichtlich jede vierte Person 67 Jahre oder älter sein, während die Zahl an jungen Leuten vermutlich weiter sinkt. Somit müssen weniger Beschäftigte die Renten von mehr älteren Menschen finanzieren. 

Wie funktioniert das deutsche Rentensystem?

Kern des Systems ist die gesetzliche Rentenversicherung. Sie funktioniert nach dem Umlageprinzip: Die heutigen Beschäftigten und Arbeitgeber finanzieren jeweils zur Hälfte die laufenden Renten. 2026 beträgt der Beitragssatz 18,6 Prozent des Bruttolohns. Die Beiträge allein reichen jedoch nicht aus. Deshalb fließen zusätzlich Steuermittel in die Rentenversicherung – 2026 voraussichtlich rund 127 Milliarden Euro. 

Arbeitnehmer sind grundsätzlich pflichtversichert. Beamte haben meist ein eigenes Versorgungssystem, auch nicht alle Selbstständigen zahlen ein. Ergänzt wird die gesetzliche Rente durch betriebliche und private Vorsorge. 

Wie hoch fällt die Rente aus? 

Die Rentenhöhe hängt vor allem von Einkommen und Versicherungsdauer ab. Wer ein Jahr den Durchschnittslohn verdient, erhält einen sogenannten Entgeltpunkt. Aus der Summe der Punkte wird schließlich die Rente berechnet.  

Für Menschen ab Jahrgang 1964 liegt die reguläre Altersgrenze bei 67 Jahren. Das Rentenniveau liegt derzeit bei 48 Prozent und ist bis 2031 gesetzlich gesichert. Wer 45 Jahre den Durchschnittslohn verdient und entsprechend Beiträge gezahlt hat, erhält vereinfacht gesagt eine Rente von etwa 48 Prozent des aktuellen Durchschnittslohns (er liegt derzeit bei 4.329 Euro brutto im Monat). Individuelle Renten können aber erheblich davon abweichen. 

Reformen sollen die Rente stabilisieren 

Ohne Reformen würden langfristig Beiträge und Steuerzuschüsse steigen oder das Rentenniveau sinken. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte daher bei der Vorstellung der Vorschläge einer von der Bundesregierung eingesetzten Rentenkommission: „Nichtstun ist keine Option.“ 

33 Empfehlungen legte die Kommission im Juni 2026 vor: Eine zusätzliche gesetzliche Kapitalrente soll das Umlagesystem ergänzen. Dafür sollen Beschäftigte und Arbeitgeber schrittweise weitere zwei Prozent des Bruttolohns einzahlen; das Geld würde am Kapitalmarkt angelegt. Zudem soll der Versichertenkreis erweitert werden, zunächst um neue Selbstständige und Abgeordnete. Außerdem soll das Rentenalter nach 2031 an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Nach heutigen Annahmen könnte es bis 2041 von 67 auf 67,5 Jahre steigen. Umstritten ist vor allem das geplante Ende der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren.