Ausgezeichnete Idee: Wie Schulessen in Kenia zum Wirtschaftsfaktor wird
Mit Food4Education macht Wawira Njiru Schulessen zur wirtschaftlichen Infrastruktur. Dafür erhält sie den Deutschen Afrika-Preis 2026.
Am Anfang standen 25 Mahlzeiten. Wawira Njiru kochte sie für Schulkinder in Kenia. Daraus entwickelte die Ernährungsexpertin und Sozialunternehmerin ein landesweites System, das heute mehr als 660.000 Kinder an über 1.900 Schulen in Kenia erreicht. Ihr Sozialunternehmen Food4Education bereitet die Mahlzeiten unter anderem in einer solar- und dampfbetriebenen Großküche in Nairobi zu, darüber hinaus gibt es weitere Küchen. Doch Njiru misst den Erfolg nicht allein an der Zahl der ausgegebenen Teller. Ihr Modell eröffnet Kleinbäuerinnen und Kleinbauern verlässliche Absatzmärkte und verschafft Frauen und jungen Menschen den Einstieg in eine formelle Beschäftigung. Für diese Idee erhält sie den Deutschen Afrika-Preis 2026.
Lange Zeit wurde Schulernährung als Wohltätigkeit betrachtet. Wir haben bewiesen, dass sie wirtschaftliche Infrastruktur ist.
Schulessen als Wirtschaftsfaktor
Seit der Gründung hat Food4Education mehr als 200 Millionen Mahlzeiten ausgegeben. Nun will die Organisation den nächsten Schritt gehen: Bis 2027 soll sie täglich eine Million Kinder mit Schulessen versorgen. Für die 35 Jahre alte Wawira Njiru geht es dabei um mehr als um Wohltätigkeit. Sie denkt in Kreisläufen: Familien leisten Beiträge, der Staat finanziert mit, private Fördergelder schließen Lücken. Rund 80 Prozent der Lebensmittel stammen von lokalen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Sie erhalten einen verlässlichen Absatzmarkt, während die Kinder eine nahrhafte Mahlzeit bekommen.
„Lange Zeit wurde Schulernährung als Wohltätigkeit betrachtet. Wir haben bewiesen, dass sie wirtschaftliche Infrastruktur ist“, sagt Njiru. Ihr Modell verbindet Ernährungssicherheit mit wirtschaftlicher Teilhabe – ein Ansatz, den die Jury des Deutschen Afrika-Preises als afrikanische Antwort auf eine globale Herausforderung würdigt.
Digitale Planung gegen Verschwendung
Hinter der Idee steckt auch digitale Planung. Über eine Onlineplattform zahlen Familien ihren Beitrag für die Schulmahlzeiten kontaktlos mit einem Armband oder einer Karte. Die Plattform hilft zugleich, Beschaffung, Zubereitung und Verteilung genau zu steuern. So stellt Food4Education eine Mahlzeit für rund 30 Cent bereit und hält die Lebensmittelabfälle unter zwei Prozent.
Das Unternehmen beschäftigt inzwischen mehr als 6.000 Personen, vor allem Frauen und junge Menschen. Viele von ihnen arbeiten erstmals in einer richtigen Anstellung – als Küchenmanagerinnen und -manager, Fachkräfte für Lebensmittelsicherheit, Logistikerinnen und Logistiker, in Lieferketten oder in der Softwareentwicklung.
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Einverständniserklärung öffnen„Afrikanische Regierungen fragen uns nicht mehr, wie viele Kinder wir versorgen können“, sagt Njiru. „Sie fragen uns, wie viele Arbeitsplätze wir schaffen, wie viele Bäuerinnen und Bauern wir mit Märkten verbinden können und wie viel ihres eigenen Budgets in lokale Gemeinschaften zurückfließt.“
Mit diesem Blick geht Food4Education über Kenia hinaus. In Sambia unterstützt die Organisation die Regierung dabei, ein landesweites, staatlich getragenes Schulernährungssystem zu stärken. Sie gibt Erfahrungen, Technologien und Expertise weiter – und bewahrt dabei den Anspruch, Lösungen aus den jeweiligen lokalen Realitäten heraus zu entwickeln.
Claus Stäcker, Präsident der Jury des Deutschen Afrika-Preises und Director „Programs for Africa“ der Deutschen Welle, sieht darin Njirus besondere Leistung: „Mit Food4Education hat sie ein System geschaffen, das Kinder erreicht, Familien einbindet und lokale Wirtschaftskreisläufe stärkt.“
Am 4. November 2026 überreicht die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Reem Alabali Radovan, Wawira Njiru den Preis in Berlin. Dann wird eine Idee ausgezeichnet, die in einer Küche begann – und längst weit über den Tellerrand hinauswirkt.