Zum Hauptinhalt springen

Yad Vashem: Neues Bildungszentrum in München geplant

Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem will in München in drei Jahren ein Bildungszentrum errichten, das erste außerhalb Israels. Was sind die Hintergründe?

Anja LeuschnerAnja Leuschner, 09.06.2026
Gedenken an ermordete Juden: die Halle der Namen in Yad Vashem
Gedenken an ermordete Juden: die Halle der Namen in Yad Vashem © picture alliance / ZUMAPRESS.com | Nir Alon

Worum geht es?

Yad Vashem ist die größte Erinnerungs- und Bildungsstätte zum Holocaust und erinnert auf dem Berg des Gedenkens in Jerusalem an die sechs Millionen Juden, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Ende Mai wurde bekannt gegeben, dass Yad Vashem voraussichtlich in drei Jahren ein Holocaust-Bildungszentrum in München eröffnen wird, das erste außerhalb Israels. Entstehen soll es am Karolinenplatz im Zentrum von München, eine Außenstelle soll es in Leipzig geben. Im Rahmen der Entscheidung sagte Dani Dayan, Vorsitzender von Yad Vashem: „Da wir uns immer weiter von der Ära der Zeitzeugenberichte entfernen, ist eine historisch fundierte Holocaust-Bildung wichtiger denn je.“

Dani Dayan mit Bundeskanzler Friedrich Merz in Yad Vashem, Dezember 2025
Dani Dayan mit Bundeskanzler Friedrich Merz in Yad Vashem, Dezember 2025 © picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Was verspricht sich Deutschland von der neuen Bildungsstätte?

Die Bildungsstätte soll einen wertvollen Beitrag zur Erinnerungsarbeit und zum Kampf gegen den Antisemitismus liefern. Bildungsministerin Karin Prien sagte: „Ziel ist, die Erinnerungsarbeit und den Kampf gegen Antisemitismus in Deutschland und Europa weiter zu stärken. Das Wissen über das, was war, ist wichtig, um das Übel in der Zukunft zu verhindern. Dabei wissen gerade junge Menschen in Deutschland zu wenig über die Shoah und die systematische Ermordung von Millionen Juden im Nationalsozialismus.“ Außerdem soll das Bildungszentrum einen neuen Baustein in der Partnerschaft zwischen Yad Vashem und Deutschland bilden.

Gibt es auch Kritik?

Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, kritisierte in einem Gastbeitrag im Nachrichtemagazin „Der Spiegel“ eine mangelnde Unabhängigkeit der Forschungs- und Gedenkstätte Yad Vashem, die direkt der israelischen Regierung unterstellt ist, und befürchtet eine mögliche Einflussnahme auf die pädagogische Arbeit des Bildungszentrums.

Blick auf den Münchner Karolinenplatz, links im Bild das NS-Dokumentationszentrum
Blick auf den Münchner Karolinenplatz, links im Bild das NS-Dokumentationszentrum © picture alliance/dpa | Felix Hörhager

Warum wurde München als Standort ausgewählt?

Bereits seit 2023 wurde die Einrichtung einer Bildungsstätte in Deutschland diskutiert. Die Wahl Münchens als Standort liegt auch in der Geschichte der Stadt begründet. Dazu sagte Dani Dayan: „Die Wahl Münchens, der Geburtsstätte der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, die Red.), hat eine tiefe symbolische Bedeutung und spiegelt wider, wie wichtig es ist, sich dieser Geschichte dort zu stellen, wo sie ihren Anfang nahm.“ Auch die Infrastruktur, der Sicherheitsstandard und das bestehende Bildungssystem wurden bei der Entscheidung berücksichtigt.