Berlin, doppelt gut!

Durch die Teilung Berlins bis zum Mauerfall 1989 gab es vieles doppelt - heute ein echter Mehrwert für Berlin-Besucher!

Durch die Teilung Berlins bis zum Mauerfall 1989 gab es vieles doppelt
dpa

2019 finden sich in Berlin noch immer viele Spuren der deutschen Teilung, die das Leben im Ost- und Westteil der Stadt bis zum Mauerfall 1989 bestimmte. Doch nicht nur die wenigen originalen Mauerreste erinnern an die Zeit des Kalten Krieges. Wahrzeichen, Sportstätten und Bühnen sind durch die Konkurrenz zwischen Ost und West geprägt. Und vieles gibt es dadurch gleich zweimal. Etwa die Flughäfen: Berlin-Tegel im ehemaligen Westberlin und Berlin-Schönefeld, der ehemalige Ost-Flughafen der Stadt.

Auf beiden Flughäfen landen jährlich rund 35 Millionen (2018) Reisende in der Stadt. Der weite Blick von oben auf die deutsche Hauptstadt ist jedoch nicht nur aus dem Flieger möglich. Ihn bietet auch ein Berliner Wahrzeichen: der Fernsehturm am Alexanderplatz. Er wurde 1969 eröffnet. Von der DDR als Zeichen der Überlegenheit des Sozialismus über den kapitalistischen Westen erbaut, ist er ist mit 368 Metern das höchste Gebäude Deutschlands - und eine der beliebtesten Touristenattraktionen der Stadt.

Sein Pendant im Westen Berlins ist der mit 147 Metern deutlich kleinere Berliner Funkturm, den weit weniger Reisende auf dem Zettel haben. Er entstand schon 1926, ab 1929 wurden hier erste Fernseh-Testsendungen ausgestrahlt. Auch wenn sich beide Türme stark in ihrem Aussehen unterscheiden, haben sie eines gemeinsam: Wer heute von ihren Aussichtsplattformen herabblickt, schaut auf die wiedervereinigte Stadt. Das Besondere: Deren Zentren haben ihr jeweils ganz eigenes Gesicht.

City Ost - City West

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 war Berlin in vier Sektoren aufgeteilt worden. Westberlin befand sich unter Kontrolle der Amerikaner, Briten und Franzosen. Ostberlin gehörte zum sowjetischen Sektor. Heute bei Touristen beliebte Stadtteile sind Mitte, Prenzlauer Berg und Friedrichshain. Sie sind alte Ostbezirke; Charlottenburg, Tiergarten und Kreuzberg hingegen lagen im Westen.

Die Hauptboulevards der heutigen Stadtzentren, der sogenannten City Ost und City West, könnten unterschiedlicher nicht sein. Berlins älteste Prachtmeile Unter den Linden säumen historische Bauten wie der Berliner Dom und die Staatsoper, die mittige Baumallee führt vom Osten bis zum Brandenburger Tor. Seit der deutschen Wiedervereinigung hat sich hier viel gewandelt: Wo einst Regierungsgebäude der DDR und die Botschaft der UdSSR die Atmosphäre prägten, locken heute Restaurants und Geschäfte die Touristen an.

Der Kurfürstendamm in Charlottenburg-Wilmersdorf, auch Ku'damm genannt, ist der Boulevard des Westens. Er war im Kalten Krieg das Schaufenster des Wirtschaftswachstums, in der Nacht des Mauerfalls strömten viele DDR-Bürger zuerst hierhin. Nach der Wiedervereinigung geriet er ein wenig in Vergessenheit, doch heute ist er wieder eine exklusive Einkaufsstraße. Modelabels von Zara bis Chanel, schicke Cafés und das KaDeWe-Kaufhaus an der Tauentzienstraße machen ihn zu einem touristischen Hotspot.

Opernhäuser und Showbühnen

Berlin hat zwei große Opernhäuser mit langer Tradition: die Staatsoper Berlin und die Deutsche Oper. Die Staatsoper Unter den Linden wurde 1742 unter Preußenkönig Friedrich II. als höfische Oper eröffnet, die Deutsche Oper folgte als bürgerliches Pendant im Jahr 1912.

Die Berliner Mauer teilte ab 1961 auch die Künstlerszene der Stadt. Seit 1742 war die Staatsoper das höfische Zentrum für Musik und Tanz in der deutschen Hauptstadt. Nach dem Bau der Mauer war westlichen Künstlern der Auftritt hier verboten. Während Ostberlin damit die Hälfte seiner Künstler fehlte, besaß Westberlin nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst kein eigenes Opernhaus. Erst im Jahr des Mauerbaus wurde der Neubau der Deutschen Oper in Charlottenburg eröffnet - an gleicher Stelle, an der die 1943 zerstörte Deutsche Oper gestanden hatte.

Neben dieser Operndoppelspitze gründeten sich weitere Musiktheater. Durch die während der Teilung entstandenen Ensembles in Ost und West gibt es in der Stadt heute ein vielfältiges, doppelt großes Bühnenprogramm zu sehen. Das wiedervereinte Berlin tanzt, spielt und musiziert seit dem Mauerfall auf nunmehr drei großen Opernbühnen: der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper und der Komischen Oper.

Und auch zwei bekannte Entertainment-Bühnen schmücken die Theaterszene Berlins. In Charlottenburg glänzt das Theater des Westens, in Mitte der Friedrichstadt-Palast. Das Theater des Westens hatte 1961 seinen Auftakt mit "My Fair Lady" und wird seither für Operetten und Musicals genutzt.

Der Friedrichstadt-Palast ist inzwischen eine Ikone europäischer Revuetheater. Seine Geschichte reicht bis 1891 zurück, als er noch als Zirkus und Markthalle genutzt wurde. Im Kalten Krieg traten dort Jazz- und Popmusiker der DDR auf. Anfang der 80er Jahre trumpfte die kleine Showbühne dann gegen das Westberliner Entertainment auf: mit einer neuen, spektakulären Bühnentechnik, für die das Revuetheater bis heute weltberühmt ist.

Freizeitspaß mal Zwei

Der Artenreichtum der beiden Berliner Zoos ist einzigartig. 1955 eröffnete der Tierpark Berlin im Ostberliner Stadtteil Friedrichsfelde. Mit 160 Hektar Fläche ist er der größte Landschaftstierpark in Europa. Wer seine 790 Arten sehen will, muss also gut zu Fuß sein.

Der Tierpark konkurrierte mit dem älteren Westberliner Zoo, dem Zoologischen Garten. 1844 eröffnet ist er der älteste noch bestehende Zoo Deutschlands. Auf einer Fläche von 33 Hektar präsentiert er 1300 Arten und ist mit drei Millionen Besuchern jährlich eine der meist besuchten Sehenswürdigkeiten Berlins.

"Pack die Badehose ein und dann nichts wie raus nach Wannsee", trällerte Schlagersängerin Conny Froboess 1951. Mit dem Strandbad Wannsee besaß Westberlin nicht nur eines der größten europäischen Freibäder überhaupt. Es war auch eine der wenigen schnell erreichbaren Freizeitinseln im von der Mauer eingeschlossenen Westberlin. Das Strandbad Müggelsee in Ostberlin wurde hingegen zu einer wichtigen sportlichen Wettkampfstätte für die DDR. Mehrfach fanden hier die Weltjugendfestspiele statt. Heute steht in beiden Bädern das Freizeitvergnügen an erster Stelle.

Die Sport-Events steigen heute in Berlins großen Sportstätten. Das Olympiastadion ist die größte und bekannteste Anlage mit knapp 75.000 Plätzen. 1936 für die Olympischen Spiele erbaut, lag es nach der Teilung in Westberlin. Es ist auch die Heimspielstätte des Fußballvereins Hertha BSC geworden. Die Fans fiebern hier bei den Spielen mit den Blauen mit. Blaue Herthaner, rote Unioner - die Fußballfans für den West- und den Ostverein kleiden sich in unterschiedlichen Farben. Die roten Fans des FC Union feuern ihre Mannschaft im größten reinen Fußballstadion Berlins an: Die Alte Försterei im Ostteil der Stadt dient schon seit 1920 als Heimspielstätte für den FC Union und seine Vorgängervereine. Die meisten der 22.000 Plätze sind auf Wunsch der Fans Stehplätze. Und so können Touristen in Berlin zwei sehr unterschiedliche Fußballstadien besuchen.

Auch wenn viele von Berlins doppelten Sehenswürdigkeiten älter als die Teilung sind: Sie alle hat der Kalte Krieg geprägt. Durch sie können Touristen in der deutschen Hauptstadt die Geschichte der Teilung auf anderem Weg erfahren. Und doppelt so viel sehen und erleben.