Die Masken kommen

Es ist mehr als drei Jahrzehnte her, seit die Antonov-225 - das größte Frachtflugzeug der Welt - das Buran-Space-Shuttle transportierte. Jetzt flog sie mehr als zehn Millionen Schutzmasken von China nach Deutschland.

Die Masken kommen
dpa

Die Szene am Flughafen Leipzig-Halle hätte auch in einem Science-Fiction-Film Platz gefunden: Als sich die Türen der Antonov-225 öffnen, zeigt die Nase des Flugzeugs nach oben und enthüllt den riesigen Unterbauch. Männer in Masken und weißen Schutzanzügen steigen über Stufen aus dem gewaltig großen Frachtflugzeug herab. Im Gepäck haben sie kostbare Fracht: Atemschutzmasken aus China.

25 Millionen Schutzmasken sollen auf insgesamt drei separaten Frachtflügen nach Deutschland gebracht werden. Die erste Ladung umfasst bereits mehr als zehn Millionen Stück. Sechs Bundeswehrsoldaten brauchten sechs Stunden, um das Flugzeug zu entladen. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, die auf dem Flughafen dabei war, dankte dem Militär für die logistische Unterstützung.

Jeder braucht nun eine Maske

Die Fracht sei Teil der Bemühungen, die Corona-Pandemie für die Menschen in Deutschland "erträglicher" zu machen. Von Leipzig aus werden die Masken auf die 16 Bundesländer verteilt, in denen die regionalen Gesundheitsminister entscheiden, in welchen Bereichen sie am dringendsten gebraucht werden. Seit diesem Montag gilt in allen Bundesländern eine Maskenpflicht. Allerdings mit unterschiedlicher Ausprägung.

In Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland müssen Mund und Nase in öffentlichen Verkehrsmitteln, also in Bussen, U-, S- und Straßenbahnen seit dem 27. April bedeckt sein. In Sachsen bereits seit dem 20. April, in Sachsen-Anhalt seit dem 23. April und in Thüringen seit dem 24. April. Schleswig-Holstein wird am 29. April folgen. Auch Kinder ab 6 Jahren müssen in den meisten Bundesländern Masken tragen.

Nur in Berlin darf man unbedeckt einkaufen

In fast allen Bundesländern muss nach längeren Diskussionen nun auch beim Einkaufen ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. In mit rund 16 Millionen Einwohnern größten Bundesland Nordrhein-Westfalen lehnte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann eine Verpflichtung zum Maskentragen lange ab, weil der Handel selbst sogenannte Alltagsmasken nicht ausreichend anbieten könne. Dann schwenkte die Landesregierung überraschend schnell um und verfügte eine Pflicht nicht nur im Nahverkehr, sondern auch beim Einkaufen, in Tankstellen und auf Wochenmärkten. 

Lediglich in Berlin dürfen die rund 3,5 Millionen Bürger, wenn sie nicht freiwillig eine Maske tragen wollen, nach wie vor unbedeckt in die Supermärkte gehen. Der Stadtstaat ist das letzte verbliebene Bundesland ohne Verpflichtung. Aus Regierungskreisen ist aber zu hören, dass der Senat, wie die Landesregierung hier heißt, in seiner nächsten Sitzung eine Wende vollziehen und ebenfalls eine Maskenpflicht in Geschäften erlassen könnte.

Infektionsschutz ist Ländersache

Die regionalen Unterschiede sind darauf zurückzuführen, dass in Deutschland nicht die Bundesregierung, sondern die Regierungen der 16 Bundesländer für den Infektionsschutz zuständig sind. Deshalb müssen sie die entsprechenden Anordnungen erlassen, mit denen die Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus minimiert werden soll. Da es nach wie vor viel zu wenige Masken gibt und die medizinischen FFP2- und FFP3-Masken dem medizinischen Personal vorbehalten sein sollen, werden einfache Schutzmasken, aber auch Schals und Tücher als ausreichend erachtet.

Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery wirft der Bundesregierung Versagen vor. Sie habe es nicht geschafft, rechtszeitig ausreichend Masken zu besorgen. "Irgendein Lappen vorm Gesicht" sei sogar gefährlich, sagte Montgomery in einem Radio-Interview. Viren würden nicht abgehalten, könnten sich daran ansammeln und durch das unsachgemäße Abnehmen und Aufsetzen dann zu einer Infektion führen.

Die Kommunen dürfen auch strenger sein

Jena, eine Stadt in Thüringen, hat allerdings gute Erfahrungen auch mit sogenannten Alltagsmasken, die selbst genäht werden können, gemacht. Da auch Kommunen im Infektionsschutz ein Mitspracherecht haben, hat Jena bereits am 6. April als erste Stadt in Deutschland eine Maskenpflicht in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr eingeführt. Die Zahl der Infektionen hat sich seitdem deutlich verringert.

Daher wurde bereits beschlossen, dass in Jena Schüler, die vom 4. Mai an wieder zur Schule gehen sollen, eine Schutzmaske tragen sollen. Nur beim Aufenthalt im Freien, also in Pausen auf dem Schulhof, und während Klausuren und Prüfungen müssen keine Mund-Nasen-Bedeckungen getragen werden.

Unterschiede bei den Bußgeldern

Auch die Kontrolle der neuen Anordnungen wird in den Bundesländern unterschiedliche gehandhabt. Am teuersten will Bayern Verstöße ahnden. Bei fehlendem Mund-Nase-Schutz in Bussen, Bahnen und Geschäften werden 150 Euro fällig. Ladenbesitzer, die nicht sicherstellen, dass ihr Personal eine Mund-Nasen-Bedeckung trägt, sollen mit 5000 Euro zur Kasse gebeten werden. Andere Bundesländer hingegen stellen lediglich Strafzahlungen von zehn Euro in Aussicht, oder haben angekündigt, erst einmal keine Kontrollen durchzuführen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer setzt sich unterdessen auch für eine Schutzmasken-Pflicht für Reisende der Deutschen Bahn ein, die im Fernverkehr unterwegs sind. In ICE- und IC-Zügen sollte seiner Meinung nach eine Maskenpflicht gelten. Aus Scheuers Sicht wäre es ein "Systembruch", das im Fernverkehr anders zu machen als im Nahverkehr, wie er sagte. Wichtig sei außerdem, dass im Bahnverkehr etwa in Italien und Frankreich nicht andere Regeln gelten als in Deutschland.