Leopoldina: Wer steckt hinter der Nationalen Akademie der Wissenschaften?

Unter welchen Voraussetzungen kann das öffentliche Leben in Deutschland schrittweise wieder normalisiert werden? Grundlage für die Entscheidung sind die wissenschaftlichen Empfehlungen der Leopoldina.

Leopoldina: Wer steckt hinter der Nationalen Akademie der Wissenschaften?
dpa

Was ist die Leopoldina?

Die Leopoldina ist eine der weltweit ältesten naturwissenschaftlichen Gesellschaften und seit 2008 ist sie die Nationale Akademie der Wissenschaften Deutschlands.

Ein Vorläufer der heutigen "Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina" wurde bereits 1652 gegründet. Ihren heutigen Namen erhielt sie von Kaiser Leopold I., der sie 1687 zur Reichsakademie erhob.

Seit 2008 steht die Leopoldina unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Ihren Sitz hat die Akademie in der ostdeutschen Stadt Halle an der Saale. Finanziert wird sie zu 80 Prozent vom Bund und zu 20 Prozent vom Land Sachsen-Anhalt.

Ausgewählt wurden die derzeit mehr als 1500 Mitglieder der Akademie auf Grundlage ihrer hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen. Zu den bekanntesten Akademie-Mitgliedern der Vergangenheit zählen Forscher wie Albert Einstein, Charles Darwin, Max Planck, Maie Curie und Niels Bohr.

Wen berät die Leopoldina?

In ihrem Leitbild heißt es, dass die Akademie "vor allem zwei Ziele verfolgt: die deutsche Wissenschaftsgemeinschaft international zu repräsentieren und Politik und Öffentlichkeit wissenschaftlich fundiert zu beraten".

Die Akademie soll die politischen Entscheidungsträger dabei unabhängig von wirtschaftlichen oder politischen Interessen in gesellschaftlich relevanten Fragen beraten.

Allerdings handelt es sich dabei ausdrücklich nur um Vorschläge - die tatsächlichen Entscheidungen werden von der Politik getroffen und verantwortet. Sie dienen jetzt auch der Bundeskanzlerin mit ihrer Regierung sowie den Ministerpräsidenten der 16 deutschen Bundesländer als Entscheidungsgrundlage.

In jüngster Vergangenheit haben Ratschläge der Leopoldina so etwa auch maßgeblich die deutsche Klimapolitik mit beeinflusst.

In ihrem Leitbild betont die Leopoldina zudem den internationalen Charakter ihrer Arbeit. Rund 25 Prozent ihrer Mitglieder kommen aus dem Ausland. Die Akademie arbeitet eng mit den entsprechenden Gremien in verschiedenen Ländern zusammen, wie z.B. der Royal Society in Großbritannien und der National Society of Sciences in den USA.

So sollen die Forschungsergebnisse der Leopoldina nicht nur in Deutschland, sondern weltweit in die Wissenschaftspolitik einfließen.

Welche Rolle spielt die Leopoldina in der Coronavirus-Pandemie?

Mitte April (15.04.) entscheidet die Politik, unter welchen Voraussetzungen die Corona-Maßnahmen gelockert und das öffentliche Leben ab dem 19 April schrittweise wieder normalisiert werden kann.

Kanzlerin Merkel hatte bereits im Vorfeld klargestellt, auf welchen wissenschaftlichen Rat sie sich dabei vor allem beziehen will: "Für mich wird eine sehr wichtige Studie die der Nationalen Akademie der Wissenschaften, der Leopoldina so", so Merkel vor Ostern.

Mit dem neuartigen Coronavirus SARS CoV-2 hatte sich die Leopoldina schon frühzeitig beschäftigt, auch als in Deutschland noch keine Infektionen gemeldet worden waren.

Auf ihren Rat hin hatte die Politik ab März das öffentliche Leben in Deutschland massiv eingeschränkt, um die Ausbreitung von COVID-19 in Deutschland zu verlangsamen. Sie empfahl auch, die Testkapazitäten massiv auszuweiten. Aktuell können in Deutschland pro Woche ungefähr eine halbe Million Menschen auf das neue Coronavirus getestet werden.

Nicht übernommen wurde dagegen die bereits Mitte März von der Leopoldina empfohlene "allgemeine Anwendung von Mund- und Nasenschutz". Anders als in anderen Ländern ist das Tragen von Masken im öffentlichen Raum in Deutschland weder einheitlich geregelt noch verpflichtend.

Wie sollten die Restriktionen laut Leopoldina gelockert werden?

Die Nationalakademie Leopoldina empfiehlt eine schrittweise Rückkehr zum regulären Schulbetrieb. Auch der Einzelhandel und die Gastronomie könnten wieder öffnen, Behörden und Betriebe wieder ihren Publikumsverkehr aufnehmen. Bei ausreichender Distanz könnten auch Kultur- und Sportaktivitäten wieder stattfinden. Sogar Reisen seien bei angemessenen Schutzmaßnahmen wieder möglich.

Als Rahmen für die schrittweise Rückkehr in die gesellschaftliche Normalität benennt die Stellungnahme der Leopoldina einige Prinzipien.

Voraussetzung für die schrittweise Rückkehr zu Normalität sei laut Leopoldina, dass sich die Anzahl der Neuinfektionen auf einem niedrigen Niveau stabilisiert, dass die Kliniken ausreichende Reservekapazitäten haben. Außerdem sollten sich die Bürgerinnen und Bürger an die bekannte Hygiene- und Distanzmaßnahmen halten und im öffentlichen Raum verpflichtend Masken tragen.

"Wir müssen die Gesundheit und das Leben der Menschen in Deutschland schützen", sagte Claudia Wiesemann von der Akademie gegenüber der DW. "Aber wir müssen sehen, dass unser menschenwürdiges Dasein in sozialer, kultureller und auch wirtschaftlicher Hinsicht auf dem Spiel steht", so Claudia Wiesemann.