Kunst, die Perspektiven verändert
Internationale Stars, aufstrebende Talente und eine ungewöhnliche Schau zum deutsch-deutschen Kunsthandel: Das sind die Höhepunkte der diesjährigen Kölner Kunstmesse.
Vom 5. bis 8. November 2026 wird Köln zum Treffpunkt der internationalen Kunstszene. Auf der 59. ART COLOGNE präsentieren 165 Galerien und Kunsthändler Werke von der klassischen Moderne bis zur zeitgenössischen Kunst. Die Messe zählt zu den traditionsreichsten Kunstmessen der Welt. Sie gilt als weltweit älteste noch bestehende Kunstmesse ihrer Art und hat seit ihrer Gründung 1967 die Entwicklung des internationalen Kunsthandels maßgeblich mitgeprägt.
Von Liebermann bis zur Gegenwartskunst
Galerien aus Mailand, Budapest, Kopenhagen, Amsterdam und London zeigen, wie vielfältig die internationale Kunstszene ist. Das Spektrum reicht von klassischen Positionen der Moderne bis zu experimenteller Gegenwartskunst. Die Galerie 203 Fine Art aus New Mexico präsentiert amerikanische Kunst, darunter Werke von Lee Mullican, der sich von Volkskunst inspirieren ließ. Mit dem Südkoreaner Lee Ufan ist ein wichtiger Vertreter der minimalistischen Kunst vertreten, mit Hermann Nitsch ein Wegbereiter der radikalen Performancekunst. Künstlerinnen und Künstler wie Zhanna Kadyrova, Julius von Bismarck und Sophia Süßmilch setzen sich in ihren Arbeiten mit gesellschaftlichen und politischen Fragen auseinander.
Auch die künstlerischen Ausdrucksformen sind vielfältig: von Malerei und Fotografie über Skulpturen und Videokunst bis zu Performances. Zu den Highlights zählen Werke von Larry Bell, einem Vertreter der Light and Space-Bewegung, und der feministischen Bildhauerin Lynda Benglis (im Bild), die mit Wachs, Latex und Metall experimentiert. Die Berliner Galerie Bastian bringt zudem das Gemälde „Nutzgarten am Wannsee“ des deutschen Impressionisten Max Liebermann mit.
Die Kunststars von morgen
In der Nachwuchssektion „New Positions“ präsentieren Galerien 18 aufstrebende Künstlerinnen und Künstler. Dior Thiam arbeitet mit kolonialen Fotografien aus Äthiopien, Patrick Walsh schafft Skulpturen aus Abfall und Zigarettenresten, Katja Tönnissen beschäftigt sich mit dem weiblichen Körper. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Identität, Erinnerung und Migration.
Erstmals ist auch der Berufsverband der Kunstsachverständigen vertreten. Seine rund 50 Expertinnen und Experten beraten zu Kunstbewertungen, Gutachten und Erbschaften.
Mehr als ein Marktplatz für Kunst
Zum Rahmenprogramm der ART COLOGNE gehört eine Sonderschau über den Kunsthandel zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland. Ein Höhepunkt ist der Spiegelraum des 90-jährigen Künstlers Christian Megert, den die Galerie Diekering aus Zürich rekonstruiert. Die Installation war bereits 1968 auf der documenta zu sehen. Spiegel an Decke und Boden erzeugen ein Gefühl von Unendlichkeit.
Für den internationalen Kunsthandel ist die Messe eine wichtige Plattform: Hier präsentieren Galerien ihre Künstler, gewinnen neue Sammler und knüpfen Kontakte zu Museen und anderen Akteuren des Kunstmarkts. Doch die ART COLOGNE will mehr sein als ein Handelsplatz. Für Direktor Daniel Hug steht auch der persönliche Austausch im Mittelpunkt: „Kunstmessen und Museen sind die letzten Orte, an denen man auf Menschen trifft, die nicht nur auf das Handy gucken.“