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Porträtfoto von Marthe Vellguth
Marthe Vellguth ist Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend. © Bund der Deutschen Landjugend
Helden der Demokratie

„Auf dem Land ist das starke Wir-Gefühl gelebte Demokratie“

Warum sich Marthe Vellguth als Bundesvorsitzende der Deutschen Landjugend für den ländlichen Raum einsetzt und bei Extremismus klare Kante zeigt. 

26.10.2026Wolf ZinnInterview: Wolf Zinn

Marthe Vellguth (25) kommt aus dem kleinen Ort Elsdorf im Bundesland Niedersachsen, studiert Medizin in Hamburg und ist seit April 2026 ehrenamtliche Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL). Warum sie nach dem Studium zurück in ihre Heimat will und was Dorfleben mit Demokratie zu tun hat, erzählt sie im Interview.

Marthe, du kommst aus einem Dorf, studierst aber in einer Großstadt. Mal ehrlich: Ist es dort nicht viel aufregender? 

Klar, auch Hamburg hat schöne Ecken! Aber ich vermisse das Gemeinschaftsgefühl von zu Hause. Auf dem Dorf kennt man sich, hilft sich und hält zusammen. In der Großstadt geht es dagegen ziemlich anonym zu. Und wenn ich Stress habe, gibt es für mich nichts Besseres als einen Spaziergang durch die Natur. Deshalb fahre ich auch mehrmals im Monat in meine Heimat. Nach dem Studium will ich unbedingt zurück und als Landärztin arbeiten.

Junge Menschen stehen mit Füßen im Meer
Manche Ausflüge der Landjugend führen ans Meer. © Bund der Deutschen Landjugend

Seit 2018 bist du beim BDL aktiv, inzwischen sogar als Bundesvorsitzende. Was macht ihr eigentlich – außer Schützen- und Erntefeste feiern? 

Die gehören natürlich dazu! (lacht) Wir pflegen unterschiedlichste Traditionen, zum Beispiel Volkstänze, Musik, Bräuche und Trachten, organisieren Feste und gemeinsame Aktionen, etwa Müllsammeln. Aber wir mischen uns auch politisch ein. Denn wir wollen unsere Heimat aktiv mitgestalten. 

Man kennt sich, redet miteinander und muss auch andere Ansichten aushalten.
Marthe Vellguth, Vorsitzende des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL)

Was hat das Landleben mit Demokratie zu tun? 

Eine ganze Menge! Da kommt die 95-jährige Oma mit dem 17-jährigen Heavy-Metal-Fan ins Gespräch, die Jungbäuerin diskutiert mit dem Hochschulprofessor. Unterschiedliche Generationen, Berufe und Meinungen treffen aufeinander. Man kennt sich, redet miteinander und muss auch andere Ansichten aushalten. Dieses starke Wir-Gefühl ist gelebte Demokratie. 

Marthe Vellguth spricht während eines Seminars
Bildungsarbeit zu den unterschiedlichsten Themen zählt zu den Aufgaben des Bundes der Deutschen Landjugend. © Bund der Deutschen Landjugend

Aber auch auf dem Land gibt es Stammtischparolen. Wie geht ihr damit um?

Wir stehen für eine offene Gesellschaft und gegen Extremismus jeder Art. In unserer Bildungsarbeit geht es unter anderem darum, Vorurteile zu hinterfragen und eine klare demokratische Haltung zu zeigen – etwa gegen rechtsextreme Sprüche.

Was müsste sich ändern, damit noch mehr junge Leute auf dem Land bleiben wollen?

Wichtig sind zum Beispiel bessere Bus- und Bahnverbindungen. Wer kein Auto hat, darf nicht abgehängt sein! Wir brauchen außerdem mehr Freizeitangebote, Einkaufsmöglichkeiten und gute berufliche Perspektiven. Auch für junge Landwirte und Winzer setzen wir uns ein. Wir wollen dazu beitragen, dass junge Menschen ihre Zukunft auf dem Land sehen und nach der Ausbildung gerne zurückkommen – so wie ich!

Was ist der BDL?

Der Bund der Deutschen Landjugend (BDL) ist mit rund 100.000 Mitgliedern der größte Jugendverband im ländlichen Raum Deutschlands. Er wurde 1949 gegründet und vereint 18 Landesverbände. Der BDL organisiert Freizeitaktionen, traditionsreiche Feste, Bildungsangebote und politische Projekte. Er fördert das Ehrenamt und will ländliche Regionen als Lebens- und Arbeitsort attraktiver machen.