Schwarz-Rot-Gold auf Nordamerika-Tour
Tausende deutsche Fußball-Fans sind zur WM nach Kanada, Mexiko und in die USA gereist, um ihre Mannschaft anzufeuern – oder sie sind sowieso schon dort.
Großer Jubel beim Abpfiff: Mit 2:1 gewann die deutsche Nationalmannschaft am 20. Juni 2026 im kanadischen Toronto gegen Côte d’Ivoire und geht somit als Gruppensieger in die nächste Runde der Fußball-WM 2026. Zwar gab es Momente, in denen den Zuschauerinnen und Zuschauern der Atem stockte – doch am Ende ging es für Deutschland gut aus. Einer der Gründe dafür dürfte die Begeisterung der Fans gewesen sein. „Das ganze Stadion war ja eigentlich Deutschland. Ich glaube, die Fans wissen gar nicht, wie viel uns das bedeutet und wie viel Kraft uns das gibt“, sagte Nationalspieler Nadiem Amiri nach dem Spiel in der Sportschau. Auch Trainer Julian Nagelsmann lobte die Fans für die Stimmung im Stadion: „Die Energie und die Power sind unfassbar wichtig.“
Schon beim 7:1 gegen Curaçao einige Tage zuvor in Houston sorgten die deutschen Fans für eine beeindruckende Kulisse. Der hohe Sieg ließ Tausende Deutsche jubeln, die teils in den USA leben, teils extra aus Deutschland angereist waren. So wie Claudia Hoffmann, die mit sechs anderen Fans vom Fanclub Hagen in die USA gekommen ist: „Die Stimmung war super, das war echt ein Erlebnis.“ Ihr Partner Marcus Winkler ergänzt: „Was ich bemerkenswert fand, war, wie viele amerikanische und mexikanische Menschen mit einem Deutschlandtrikot im Block standen und mitgesungen und mitgejubelt haben – das war faszinierend.“
Turnier der Extra-Klasse
Die Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko bricht alle Rekorde: 48 Mannschaften, 104 Spiele in 16 Stadien – noch nie gab es so viele Spielorte bei einer Weltmeisterschaft. Und viele Fans aus Deutschland wollen in den USA live dabei sein, um ihre Elf anzufeuern. Laut Deutschem Fußball-Bund (DFB) sorgten in Toronto 2.452 und in Houston 4.307 Fans aus Deutschland für lautstarke Unterstützung und brachten deutsche Kurvenkultur in die Stadien.
Diese Fanbegeisterung trifft in den USA inzwischen auf eine wachsende Fußballszene. Die Sportart stand lange im Schatten von American Football, Basketball und Baseball. Mit der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien änderte sich das. Heute geben in Umfragen mehr als ein Viertel der erwachsenen US-Amerikaner an, Fans von Profifußball zu sein.
Mit den Erfolgen des US-Teams könnte Soccer sogar noch populärer werden. Als es Australien mit 2:0 besiegte, standen die Vereinigten Staaten wie Deutschland als Gruppensieger fest. Theoretisch ist damit sogar ein K.-o.-Spiel der beiden Teams möglich.
Enge Fußball-Verbindungen zwischen den USA und Deutschland
Dabei sind die Verbindungen zwischen Fußball-Deutschland und den USA eng. Bekannte US-Nationalspieler wie Christian Pulisic, Weston McKennie oder Ricardo Pepi haben in Deutschland gespielt, Pulisic beim BVB Dortmund, McKennie beim FC Schalke 04, Pepi beim FC Augsburg. Die großen deutschen Vereine pflegen ein riesiges Netzwerk: Der FC Bayern München zählt rund 200 Fanclubs in Nordamerika, Borussia Dortmund etwa 40.
Zur diesjährigen WM mobilisieren weitere Clubs wie „Die Mannschaft Southwest Florida“ oder „Kitchener/Waterloo Deutsches FanHaus“ für ein besonderes WM-Gefühl.
An allen Ecken und Enden des Landes laden Fan-Zonen und FIFA-Fan-Festivals zum Zuschauen und Mitfeiern ein. „Watch Parties” sorgen mit großen Leinwänden, internationalem Flair, Street Food und Live-Unterhaltung für Stimmung abseits der Stadien. Bei vielen deutschen Fans weckt die Atmosphäre Erinnerungen an das Sommermärchen – die WM 2006 in Deutschland.
„German House of Soccer“ in New York
In New York lädt der DFB ins „German House of Soccer“ ein. Dort treffen sich Fans aus aller Welt zur Watch Party, zum Feiern, Mitfiebern und Anfeuern. Es gibt typisch deutsche Gerichte wie Spätzle und Würstchen, das Bier kostet mit zehn Dollar vergleichsweise wenig für New Yorker Verhältnisse. Dazu kommen Filmvorführungen, Talkrunden mit Prominenten wie Mario Götze, Jürgen Klinsmann, Thomas Müller und Benedikt Höwedes. Eine Ausstellung zeigt die deutsche Fußballkultur, inklusive des in den USA sehr populären Frauenfußballs und der Fankultur der Vereine.
Einige Fans bewiesen ihren Fußball-Enthusiasmus durch außergewöhnliche Anreisen: So sind etwa Steffen Kurz und Fabian Bergmann aus dem baden-württembergischen Künzelsau mit ihrem schwarz-rot-goldenen „WM-Golf“ in die USA gekommen. Auf dem alten Wagen haben sich bereits Dutzende ehemalige deutsche Fußballgrößen mit ihren Autogrammen verewigt – darunter Franz Beckenbauer, Sepp Maier und Uli Hoeneß.
Sportliche Ausdauer zeigte Jakob Alberti: Im August 2024 setzte sich der 26-Jährige in seinem Heimatort Karlsruhe aufs Rad. 21 Monate strampelte Alberti Richtung Osten, bis er nach mehr als 26.000 Kilometern durch 28 Länder auf vier Kontinenten pünktlich zum ersten Spiel seines Teams in Houston ankam. „Alles für den fünften Stern. Weltmeister werden wir!“, ruft er auf seinem Instagram-Account euphorisch nach dem Sieg über Curaçao.
Allerdings gilt nach wie vor die jahrzehntealte Fußballweisheit des früheren deutschen Bundestrainers Sepp Herberger: „Der nächste Gegner ist immer der Schwerste.“ Am 25. Juni 2026 tritt Deutschland gegen Ecuador in New York an. Spätestens in der K.-o.-Runde Anfang Juli wird sich zeigen, ob der Rückenwind von den Rängen ausreicht, um die deutsche Elf weiter durch das Turnier zu tragen.