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Deutsche Schokolade mit Kakao aus Afrika: Fairer Genuss?

Die Deutschen lieben Schokolade – und stellen sie auch her. Beim Kakaoanbau in Afrika achten Unternehmen und Verbraucher zunehmend auf faire Bedingungen. 

Axel Novak und Wolf Zinn , 02.03.2026
Kakaoplantage in Sierra Leone
Kakaoplantage in Sierra Leone © Fairtrade

Eier, Häschen, Küken aus Schokolade – die Osterzeit ist in Deutschland Hochsaison für Naschkatzen. Im Jahr 2024 stellten deutsche Unternehmen mehr als eine Million Tonnen kakaohaltige Schokoladenerzeugnisse im Wert von 6,75 Milliarden Euro her, wovon sie über 90 Prozent exportierten. Der süße Genuss drückt allerdings zunehmend aufs Portemonnaie. Denn die Preise für Kakao, dem wichtigsten Rohstoff der Schokolade, sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen – unter anderem wegen der in Westafrika geringer ausgefallenen Kakaoernte und der weltweit gestiegenen Nachfrage. 

Deutsche kaufen zunehmend faire Produkte  

Hinzu kommt ein anderer Trend: Immer mehr Verbraucher wollen wissen, wo und wie Produkte hergestellt werden. Unterschiedliche Siegel auf den Verpackungen versprechen, dass sie „fair gehandelt“ sind, also dass die Produzenten unter menschenwürdigen Bedingungen (etwa ohne Kinderarbeit) mit angemessener Bezahlung arbeiten und ökologische Standards einhalten – so auch beim Kakaoanbau in Afrika. Es existiert jedoch keine einheitliche gesetzliche Definition von „fair“. Kritiker warnen, dass ein derartiges Siegel nicht die Einhaltung der Vorgaben garantiere. Doch viele Verbraucher vertrauen offenbar darauf: Laut dem Verband Forum Fairer Handel stieg der Umsatz fair gehandelter Produkte 2024 um elf Prozent auf rund 2,6 Milliarden Euro und erreichte damit in Deutschland einen neuen Höchststand. 

Kakaobäuerin in Ghana
Kakaobäuerin in Ghana © fairafric

Fairtrade“ gilt als das weltweit bekannteste Siegel. Laut der Organisation ist der Absatz von Fairtrade-Kakao trotz der hohen Kakaopreise in Deutschland 2025 um fast zwölf Prozent gestiegen. „Verbraucherinnen und Verbraucher greifen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten weiterhin zu Schokolade mit echtem Kakao – und setzen dabei zunehmend auf Produkte mit dem Fairtrade-Siegel“, sagt Fairtrade Deutschland-Vorständin Claudia Brück.  

Fair gehandelte Schokolade im Supermarkt  

Längst haben diese Produkte die Supermarktregale erobert, teils sogar als günstigere Eigenmarken der Discounter. „Mit Fairtrade-Artikeln zeigen wir, dass wir als Unternehmen unsere Verantwortung für ein nachhaltiges Wirtschaften annehmen“, sagt Stefan Krämer von der deutschen Einzelhandelsgruppe Rewe, die europaweit aktiv ist. Der in ganz Europa und den USA präsente deutsche Lebensmittel-Einzelhandelskonzern Lidl kündigte im Februar 2026 an, die Kakao-Lieferanten für seine Schokoladen-Eigenmarken mit einem „Living Income-Programm“ deutlich höher zu entlohnen: „Wir tragen zu existenzsichernden Einkommen von Kakaobauern bei und lassen nachhaltigen Schokoladengenuss für jeden erschwinglich werden”, sagt Christoph Graf, Geschäftsleiter Einkauf bei Lidl. Nichtregierungsorganisationen wie Inkota begrüßen den Schritt und fordern, dass sich andere Einzelhandelsketten anschließen.  

Andreas Ronken, CEO von Ritter Sport
Andreas Ronken, CEO von Ritter Sport © picture alliance/dpa

Ritter Sport: sozialen Impact schaffen  

„Nur wenn wir wissen, woher unser Kakao stammt und von wem er angebaut wird, können wir wirksame Maßnahmen ergreifen, um die sozialen, ökonomischen und ökologischen Bedingungen langfristig zu verbessern“, sagt Andreas Ronken, CEO des international erfolgreichen Schokoladenherstellers Ritter Sport. Das Familienunternehmen aus Baden-Württemberg achtet nach eigenen Angaben schon seit mehr als 35 Jahren auf faire Konditionen. Ritter Sport kaufe einen Großteil seines Kakaos direkt bei den Produzenten in Ghana und Côte d’Ivoire. „Wir sprechen mit den Menschen vor Ort, um wirtschaftlichen und sozialen Impact zu schaffen“, sagt Unternehmenssprecherin Petra Fix. Partnerschaften würden die Lebensbedingungen von rund 19.000 afrikanischen Bäuerinnen und Bauern verbessern.  

Hendrik Reimers, Gründer und CEO von Fairafric
Hendrik Reimers, Gründer und CEO von Fairafric © fairafric

Fairafric stellt Schokolade in Afrika her  

Einen anderen Ansatz verfolgt Fairafric. Das Unternehmen aus München und Amanase in Ghana stellt Schokolade für den weltweiten Markt direkt in Afrika her. „Es ist doch ungerecht: Von dem Geld für eine Tafel Schokolade kommen schätzungsweise sieben Prozent in dem Land an, das den Kakao produziert“, sagt Hendrik Reimers, Gründer und CEO von Fairafric. „Da bietet es sich an, vor Ort zu produzieren, mit mehr lokaler Wertschöpfung.“ Fairafric nennt als Ziel, Schokoladen- und Lebensmittelcluster mit Zulieferern, Dienstleistern und qualifizierten Arbeitsplätzen zu entwickeln. Dafür hat das Unternehmen eine eigene Schokoladenfabrik in der Nähe von Ghanas Hauptstadt Accra aufgebaut und neue Märkte erschlossen: „Schokolade ist auch in Afrika kein Premiumgut mehr“, sagt Reimers, „Ghana ist mittlerweile unser zweitgrößter Markt, da sind wir natürlich näher dran.“ Auf der Website von Fairafric stellen zahlreiche ghanaische Mitarbeitende sich und ihre Tätigkeiten in Blogbeiträgen und Videos vor. 

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Engagement der Bundesregierung 

Auch die deutsche Bundesregierung engagiert sich gemeinsam mit Unternehmen im Forum Nachhaltiger Kakao für faire Bedingungen im Kakaoanbau. So unterstützt die Organisation etwa in dem Projekt Pro-Planteurs mehr als 30.000 Kakaobauernfamilien bei der Verbesserung ihres Einkommens und der Professionalisierung ihrer Arbeit. In einem Video von 2022 erzählt unter anderen die Kakaobäuerin Nicole Tambo-Outtara aus Côte d'Ivoire von ihren positiven Erfahrungen mit Pro-Planteurs. 

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