Sieben kulinarische Regionen zum Entdecken
Von Matjes an der Nordsee bis Kässpatzen im Allgäu: Deutsche Küche schmeckt in jeder Region anders – und zu jeder Jahreszeit gibt es Spezialitäten.
Pfalz: Wein, Zwiebelkuchen und Mandelblüte
Die Pfalz im Südwesten Deutschlands zählt zu den bekanntesten deutschen Weinlandschaften. Entlang der Deutschen Weinstraße wechseln sich Weinberge, Burgen und Dörfer ab. In Straußwirtschaften und Weinstuben schenken Winzerinnen und Winzer ihre eigenen Weine aus – oft zusammen mit einfachen regionalen Gerichten.
Zu den deftigen Klassikern gehören Pfälzer Saumagen, Leberknödel und Bratwurst mit Sauerkraut. Wer es leichter oder vegetarisch mag, findet im Spätsommer und Herbst Zwiebelkuchen, Esskastanien – in der Pfalz „Keschde“ genannt – und Gerichte mit Feigen oder Mandeln. In der Region hat sich eine besondere Mandelkultur entwickelt, begünstigt durch das milde Klima.
Nordseeküste: Fischbrötchen, Matjes und weiter Himmel
An der deutschen Nordseeküste gehören Hafen und Fischküche zusammen. In Orten wie Büsum in Schleswig-Holstein, Bremerhaven oder Greetsiel in Ostfriesland kann man Krabbenkutter beobachten, über Deiche spazieren und anschließend ein Fischbrötchen essen – einfach auf die Hand, am besten mit Blick aufs Wasser. Belegt wird es zum Beispiel mit Matjes, Bismarckhering oder Nordseekrabben.
Eine Spezialität für Mutige ist Labskaus: ein traditionsreiches Seefahrergericht aus Kartoffeln, gepökeltem Rindfleisch und roter Bete, meist serviert mit Spiegelei, Gewürzgurke und Hering. In Ostfriesland lohnt sich außerdem eine Teepause. Ostfriesischer Tee wird traditionell mit weißem Kandiszucker, dem „Kluntje“, und einem kleinen Schuss Sahne getrunken.
Altes Land: Apfelblüte vor den Toren Hamburgs
Südlich der Elbe und unweit von Hamburg liegt das Alte Land, eine von Obstplantagen, Deichen und Fachwerkhäusern geprägte Kulturlandschaft. Besonders bekannt ist die Region für ihre Äpfel. Wer im Frühling kommt, radelt durch ein Meer aus weißen und rosafarbenen Blüten. Im Spätsommer und Herbst hängen die Bäume voller Früchte, Hofläden bieten frischen Apfelsaft, Marmeladen und Kuchen an.
Probieren sollte man einen gedeckten Apfelkuchen oder ein Stück Apfeltorte – zum Beispiel in einem Hofcafé. Auch Birnen, Kirschen und Beeren werden in der Region angebaut. Die Kombination aus Radtour, Fährfahrt auf der Elbe und Pause im Obsthof macht das Alte Land zu einem lohnenden kulinarischen Tagesausflug von Hamburg aus.
Spreewald: Gurken, Leinöl und Wasserwege
Südöstlich von Berlin beginnt eine Landschaft, die sich am besten vom Wasser aus entdecken lässt. Hunderte Fließe – kleine natürliche und künstliche Wasserarme – durchziehen den Spreewald. Traditionelle Kähne gleiten an Holzhäusern, Gärten und Feldern vorbei. Wer aktiv unterwegs sein möchte, kann paddeln oder dem Gurkenradweg folgen.
Kulinarisches Wahrzeichen sind die Spreewaldgurken. Je nach Rezept schmecken sie sauer, würzig oder leicht süß. Ebenso typisch sind Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl. Das goldgelbe Öl hat einen milden, nussigen Geschmack und ist ein fester Bestandteil der regionalen Küche. Hinzu kommen Meerrettich, Honig und der Peitzer Karpfen. Hofläden und Wochenmärkte bieten viele dieser Produkte direkt aus der Region an.
Thüringen: Bratwurst, Klöße und Waldluft
Im grünen Herzen Deutschlands verbinden sich Wanderwege, kleine Städte und eine bodenständige Küche. Rund um den Thüringer Wald kann man morgens durch dichte Wälder wandern und mittags an einem Grillstand eine Thüringer Rostbratwurst probieren. Sie wird meist im aufgeschnittenen Brötchen serviert – häufig mit Senf.
Ein zweiter Klassiker sind Thüringer Klöße. Die großen Kartoffelklöße begleiten traditionell Schmorgerichte und Braten, schmecken aber auch mit Pilzsauce. Damit eignet sich die Region nicht nur für Wurstfans. In Erfurt, Weimar oder kleineren Orten findet man Gasthäuser, die traditionelle Gerichte modern oder vegetarisch interpretieren.
Allgäu: Bergkäse und Kässpatzen mit Alpenblick
Im Allgäu prägen grüne Wiesen, Milchwirtschaft und Alpen das Bild – und damit auch die Küche. Die wichtigste Zutat vieler Gerichte ist Käse. Allgäuer Bergkäse reift über Monate und entwickelt dabei seinen kräftigen Geschmack. In Sennereien kann man verschiedene Reifestufen probieren und beobachten, wie aus Milch Käse entsteht.
Auf fast jeder traditionellen Speisekarte stehen Kässpatzen: weiche Eiernudeln mit würzigem Käse und gerösteten Zwiebeln. Nach einer ausgiebigen Wanderung schmecken sie besonders gut.
Das Erzgebirge: süßer Advent in Sachsen
Wenn die Tage kurz werden, beginnt in Sachsen eine besonders genussvolle Reisezeit. Dresden ist für seinen Christstollen bekannt, ein schweres, lange haltbares Hefegebäck mit Butter, Rosinen und Puderzucker. In der Adventszeit wird er auf Weihnachtsmärkten, in Bäckereien und Cafés angeboten. Nicht weit entfernt liegt das Erzgebirge mit seinen Bergstädten, Holzkunsttraditionen und stimmungsvollen Weihnachtsmärkten.
Neben Stollen gehören Pulsnitzer Pfefferkuchen und süße Quarkkeulchen zu den Spezialitäten Sachsens. Wer etwas Herzhaftes sucht, kann Kartoffelsuppe oder sächsischen Sauerbraten probieren.