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Mehrere Männer stehen um eine ausgestellte Drohne.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Bundeskanzler Friedrich Merz begutachten während der deutsch-ukrainischen Regierungskonsultationen im April 2026 eine Drohne. © picture alliance / SvenSimon-ThePresidentialOfficeU | Presidential Office of Ukraine
Rüstungskooperation

Wie Deutschland und die Ukraine gemeinsam Drohnen entwickeln

Innovative Partnerschaft: Deutschland steht der Ukraine in der Verteidigung gegen Russland auch bei der Drohnenentwicklung zur Seite.  

03.11.2026Johannes_GöbelJohannes Göbel

Not macht erfinderisch. Das alte Sprichwort gilt auch angesichts des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine. Seit dem Beginn der Vollinvasion der russischen Truppen am 24. Februar 2022 leistet die Ukraine Widerstand – mit Mut, internationaler Unterstützung und nicht zuletzt Erfindungsreichtum. Insbesondere Drohnen hat das Land erfolgreich weiterentwickelt; auch in der Partnerschaft mit Deutschland haben die unbemannten Flugobjekte besondere Bedeutung. Beide Staaten profitieren. Das zeigt zum Beispiel die Kooperation mit dem deutschen Unternehmen Quantum Systems, das unter anderem Abfangdrohnen herstellt. 

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Starke Nachfrage 

Quantum Systems ist 2022 direkt nach Invasionsbeginn in der Ukraine aktiv geworden. Mittlerweile befindet sich dort der größte Standort außerhalb Deutschlands mit rund 1.000 Mitarbeitenden. Und auch nach Deutschland hat sich die Zusammenarbeit ausgeweitet: Seit Ende 2025 bauen Quantum Systems und das ukrainische Unternehmen Frontline Robotics die erste vollautomatisierte, industrielle Drohnenproduktion in Deutschland auf. Schon im Februar 2026, bei einem Besuch von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im bayerischen Gauting, konnte die erste für unterschiedliche Funktionen (wie Aufklärung oder Kampfeinsatz) umrüstbare Mehrzweckdrohne des deutsch-ukrainischen Joint Ventures Quantum Frontline Industries an die Ukraine übergeben werden – ein symbolstarker Auftakt zur Lieferung zehntausender weiterer Drohnen an die ukrainischen Streitkräfte. Im Oktober 2026 erhielt das Unternehmen einen Folgeauftrag für die Lieferung von Mehrzweckdrohnen und Aufklärungsdrohnen im Jahr 2027. Um die steigende Nachfrage zu bedienen, soll die Produktionskapazität auf das Fünffache erhöht werden. 

Zwei Männer halten eine Drohne.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beim Besuch von Quantum Frontline Industries © picture alliance/dpa | Sven Hoppe

Pistorius: Alle profitieren 

Pistorius hob hervor: „Das Ganze hat Vorteile für alle Seiten: Wir unterstützen damit die Ukraine in ihrem Kampf. Wir profitieren aber auch selbst, wir lernen von den unfassbar großen Datenmengen und den vielen Erfahrungen, die auf dem Gefechtsfeld in der Ukraine gesammelt werden.“  

Der deutsche Hersteller Helsing hat bereits rund 10.000 Kampfdrohnen in die Ukraine geliefert. Deutschland hat zudem die Finanzierung von 15.000 Abfangdrohnen übernommen. Diese werden in der Ukraine produziert, von Quantum Systems und einem weiteren ukrainischen Partner, dem Unternehmen WIY Drones. Die beiden Unternehmen arbeiten im gemeinsamen Unternehmen Quantum WIY Industries an der Weiterentwicklung solcher Abwehrsysteme, teils mit KI-gestützter Bilderkennung. 

Neue Rüstungsaufträge  

Die deutsch-ukrainische Rüstungskooperation hat im Herbst 2026 noch einmal deutlich an Fahrt gewonnen. Bei einem Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in Kyjiw wurden 14 Kooperationen im Gesamtwert von 6,6 Milliarden Euro vereinbart. Ein Schwerpunkt liegt auf der Abwehr russischer Drohnenangriffe. Doch die Zusammenarbeit reicht über Drohnen hinaus: Der deutsche Rüstungshersteller Diehl Defence wird zusätzliche IRIS-T-Luftverteidigungssysteme liefern. Das bayerische Unternehmen Arx Robotics entwickelt und liefert zudem unbemannte Bodenfahrzeuge für die Ukraine. Auch hier fließen Erfahrungen der ukrainischen Streitkräfte in die Weiterentwicklung der Technologie ein. 

Ukrainischer Flugkörper, deutsche Software 

Die Bundesregierung setzt sich ausdrücklich für einen weiteren Ausbau der Drohnen-Kooperation ein. In einer Erklärung zur strategischen Partnerschaft hielten Deutschland und die Ukraine im April 2026 unter anderem auch die Lieferung von Mittel- und Langstreckenkampfdrohnen an die ukrainischen Streitkräfte als Ziel fest. Ein Joint Venture zwischen dem deutschen Unternehmen Auterion und dem ukrainischen Partner Airlogix hat bereits eine entsprechende Serienproduktion gestartet. Vitalii Kolesnichenko, CEO von Airlogix, betont: „Wir sind der deutschen Regierung für ihr Vertrauen dankbar und unseren Partnern bei Auterion für die Schnelligkeit und Ernsthaftigkeit, mit der sie diese Arbeit angehen.“ Der Flugkörper von Airlogix läuft mit der Software von Auterion und kann in Deutschland geschützt im industriellen Maßstab gefertigt werden. 

Und das Netzwerk der Partner, die gemeinsam an Innovationen arbeiten, wächst weiter: So ist die deutsch-ukrainische Drohnenfirma United Unmanned Systems eine Partnerschaft mit dem estnisch-ukrainischen KI-Spezialisten DOD Solution eingegangen. Das Ziel: Drohnen, die Ziele automatisch erfassen und mithilfe künstlicher Intelligenz verfolgen können. Die Zusammenarbeit konzentriert sich unter anderem auf automatische Zielerkennung, visuelle Navigation und die Unterstützung eigenständiger Flugmanöver.