Neue Jobs für Ägyptens 
junge Generation

Die Arbeitslosigkeit unter jungen Ägyptern ist hoch. Das Projekt „Teilhabe durch Beschäftigung“ bringt Jobsuchende und Firmen zusammen – und verbessert die Arbeitsbedingungen.

Als die Menschen 2011 im „Arabischen Frühling“ in Ägypten auf die Straße gingen, schrieben sie immer wieder drei Forderungen auf ihre Banner: Brot, Freiheit, soziale Gerechtigkeit. Brot steht in der arabischen Welt für Arbeit – und damit für ein Thema, das vor allem junge Menschen umtreibt.

In Ägypten haben 13 Prozent der Bevölkerung keine Arbeit, davon sind 90 Prozent jünger als 30 Jahre. Viele haben einen Job in der sogenannten Schattenwirtschaft – sie parken in einem ungeregelten Job beispielsweise Autos ein oder arbeiten als Tuk-Tuk-Fahrer. Vielen Unternehmen fällt es schwer, offene Stellen zu besetzen – auch weil die von ihnen angebotenen Arbeitsbedingungen oft mangelhaft sind und damit für viele Arbeitssuchende nicht in Frage kommen. „Einfache Arbeiter erhalten häufig keine Arbeitsverträge, keine Sozialleistungen und nur einen sehr niedrigen Lohn“, sagt Khaled Karara von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Ein weiteres Problem: Unternehmen mit offenen Stellen und Jobsuchende finden nur schwer zusammen. Ein staatliches Arbeitsamt für nicht-akademische Berufe gibt es nicht. „Einen Job finden viele Arbeitssuchende nur, wenn sie zufällig davon hören oder von Firma zu Firma laufen“, sagt Karara.

Khaled Karara ist in Kairo verantwortlich für das Projekt „Teilhabe durch Beschäftigung“, das die GIZ für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) umsetzt. Das Projekt unterstützt Ägypten dabei, Arbeitsuchende und Unternehmen zusammenzubringen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dabei kooperiert die GIZ mit dem Nationalen Beschäftigungspakt (National Employment Pact, NEP) in Ägypten. Den Pakt haben deutsche und ägyptische Unternehmen sowie die Deutsch-Arabische Industrie- und Handelskammer gestartet, um neue Arbeitsplätze zu schaffen.

In dem Projekt setzen die Partner zum einen bei der Jobvermittlung an. Es sind drei Beschäftigungszentren entstanden, die der NEP betreibt. Zudem haben zwei Partnerorganisationen das Modell aufgegriffen. In den Beschäftigungszentren erfahren junge Frauen und Männer, was ihre Rechte und Pflichten als Beschäftigte sind, worauf sie in Bewerbungsgesprächen achten sollten und was die Unternehmen von ihnen erwarten. Die GIZ hat Bewerbungstrainings und Lehrpläne für zertifizierte Arbeitsvermittler entwickelt.

Arbeitgeber und Suchende profitieren

An einer der Schulungen hat die Ägypterin Waffia Mahmoud teilgenommen. Mahmoud war ein Jahr lang arbeitslos. Ihre Eltern mussten für sie und ihre fünf Geschwister sorgen. Die Arbeitsvermittler haben ihr geholfen, den passenden Job zu finden und sie im Bewerbungsprozess unterstützt. Nun hat die 25-jährige Ägypterin eine feste Stelle in einem Lebensmittelbetrieb in Kairo. „Endlich habe ich Arbeit gefunden und belaste meine Familie nicht mehr finanziell“, sagt sie.

Seit Januar 2015 haben bereits etwa 2000 Jugendliche an einer Berufsvorbereitung teilgenommen. Mehr als 1600 haben einen Job gefunden. Auch die Arbeitgeber profitieren. Da die Jobvermittler eine Vorauswahl treffen, kommen nun direkt passende Kandidaten zu ihnen. „Das spart ihnen viel Zeit“, erzählt Projektleiter Karara. Hilfe erhalten jedoch nur diejenigen Unternehmen, die gute Arbeitsbedingungen bieten: Sie müssen den Beschäftigten Arbeitsverträge ausstellen, die Kosten für die Sozialversicherung übernehmen und einen Lohn von mindestens 1000 Ägyptischen Pfund (130 US-Dollar) im Monat zahlen.

Gute Arbeitsbedingungen lohnen sich

Nicht nur auf diese Weise sollen Unternehmen dazu ermuntert werden, die Arbeitsbedingungen für junge Beschäftigte zu verbessern. Das Projekt „Teilhabe durch Beschäftigung“ unterstützt zudem den Dachverband für wirtschaftliche Entwicklung (FEDA) dabei, kleine und mittlere Unternehmen zu beraten. „Derzeit sehen zahlreiche Arbeitgeber noch nicht die Nachteile, wenn junge Arbeiter schon nach wenigen Monaten wegen der schlechten Bedingungen die Firma verlassen“, berichtet Khaled Karara.

In Zusammenarbeit mit FEDA entsteht deshalb gerade ein Leitfaden für das Personalmanagement. Darin erfahren Arbeitgeber unter anderem, worauf sie bei der Einarbeitung, Auswahl und Bezahlung ihrer Beschäftigten achten sollten. „Wir wollen damit zeigen: Gute Arbeitsbedingungen lohnen sich finanziell“, erzählt Projektleiter Karara. In Zukunft soll sich durch die Zusammenarbeit mit den lokalen Unternehmen für mindestens 9000 Beschäftigte die Arbeitsqualität verbessern.

Das Projekt in Ägypten ist eines von vielen der Sonderinitiative „Stabilisierung und Entwicklung in Nordafrika und Nahost“ des BMZ. Ziel ist es, zur Stabilisierung der Länder beizutragen und demokratische Strukturen zu unterstützen. „Dabei konzentrieren sich die Projekte der Sonderinitiative auf das, was die Menschen vor Ort am dringendsten benötigen: Perspektiven für die Zukunft“, sagt eine Sprecherin des Ministeriums. Bisher hat die Sonderinitiative Projekte im Umfang von 300 Millionen Euro in neun Ländern umgesetzt. So nehmen zum Beispiel im Jemen rund 1500 Schulabbrecher sowie arbeitslose Jugendliche an Qualifizierungen teil. In Tunesien unterstützt die GIZ im wirtschaftlich schwachen Landesinneren Männer und Frauen bei der Gründung von Unternehmen.

Brot, Freiheit und soziale Gerechtigkeit waren die zentralen Forderungen 2011 und sind auch heute noch die größten Herausforderungen in Ägypten. Durch die Vorhaben der Sonderinitiative blicken Menschen wieder positiver in Zukunft, so wie Waffia Mahmoud. „Die Arbeit macht mir Spaß“, sagt sie. „Durch den Job habe ich nun auch zum ersten Mal ein richtiges Bankkonto – das hilft mir beim Sparen für die Zukunft.“ So hat sie nun die Möglichkeit, daran mitzuwirken, dass auch die beiden anderen Herausforderungen Wirklichkeit werden. ▪