Zum Hauptinhalt springen

„Eine überwältigende Hilfeleistung“

48 ehrenamtliche Retterinnen und Retter des Technischen Hilfswerks (THW) suchen in Venezuela nach Verschütteten. THW-Präsidentin Sabine Lackner über den Einsatz.

Ralf Isermann Interview: Ralf Isermann, 29.06.2026
Ein Mann mit Schutzhelm steht vor einem eingestürzten Gebäude
THW-Einsatzkräfte vor einem zerstörten Gebäude © Mareike Harms/THW

Das Technische Hilfswerk (THW) hat kurz nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela einen Rettungseinsatz mit seiner Schnell-Einsatz-Einheit Bergung Ausland (SEEBA) gestartet. Ein 48-köpfiges Team sucht nach Verschütteten. THW-Präsidentin Sabine Lackner im Interview zum aktuellen Einsatz.

Eine Frau steht auf einem Flugplatz, hinter ihr eine Maschine der Luftwaffe
THW-Präsidentin Sabine Lackner verabschiedete das Team vor dem Abflug. © picture alliance/dpa | Kai Moorschlatt

Wie ist die aktuelle Lage im Einsatz?
Wir haben als THW zusammen mit spanischen Kameradinnen und Kameraden die Koordinierung von zehn internationalen Teams übernommen. Es sind insgesamt 49 Teams da, das ist eine überwältigende Hilfeleistung. Immer wieder gibt es Hoffnung, noch verschüttete Menschen zu finden. Wir waren mit niederländischen Einsatzkräften gerade an einem Ort, wo Klopfzeichen gehört wurden. Leider haben sich die Lebenszeichen dort nicht bestätigt. Die internationalen Teams haben bislang das Leben von neun Menschen gerettet. Bei acht Menschen laufen noch Rettungsaktionen. Vier Menschen konnten die internationalen Einsatzkräfte nur noch tot bergen. Aber auch in diesen traurigen Fällen ist es für die Angehörigen wichtig, Gewissheit zu haben. Bei einem Erdbebeneinsatz sind die ersten 72 bis 80 Stunden entscheidend, aber es gibt auch nach diesem Zeitfenster noch Lebendrettungen.

Was für ein Team ist im Einsatz?
Das nach Venezuela entsandte Team kam gerade erst aus einer viertägigen Übung. Die waren kaum zu Hause, da sind sie schon wieder gestartet. Ich bin sehr, sehr stolz auf das Team. Wir haben eine von der Erfahrung gut gemischte Gruppe. Für einen Helfer ist es schon der 20. internationale Einsatz, ein anderer ist zum ersten Mal dabei. Von den vier Rettungshunden ist einer schon zehn Jahre alt, ein anderer erst zwei Jahre, aber auch top ausgebildet.

Sind Sie zufrieden mit dem Rettungseinsatz?
Wir sind bei vielen internationalen Katastrophen vor Ort. Etwa bei dem schweren Erdbeben Anfang 2023 in der Türkei und Syrien. Hier in Venezuela ist es vergangene Woche unglaublich schnell gegangen mit dem Start der internationalen Hilfe. Die venezolanische Regierung hat sehr schnell Hilfe angefordert. Auf deutscher Seite sind dann sehr schnell Dinge wie die Finanzierung oder die Unterstützung durch die Bundeswehr geklärt und organisiert worden. Das war vorbildlich. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat uns direkt Flugkapazitäten angeboten und uns mit drei Flugzeugen vom Typ A400M unterstützt. Auch die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die unsere ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer von ihren beruflichen Tätigkeiten freistellen müssen, haben großartig reagiert. 

Wie lange dauert der Einsatz und gibt es eine Nachfolgemission?
Im Moment planen wir so, dass unsere Einheit etwa bis Ende der Woche vor Ort bleibt. Wir haben Angebote gemacht, auch danach in Venezuela zu helfen. Wir sind dazu mit dem Auswärtigen Amt in einem permanenten Dialog. Die Finanzierung solcher Einsätze läuft über das Auswärtige Amt, wir sind sehr dankbar für die Unterstützung. Trinkwasser könnte ein Thema für einen Folgeeinsatz werden, etwa die Wasseraufbereitung, wofür wir Expertinnen und Experten haben. Wir können auch Hilfsgüter für die Menschen vor Ort zur Verfügung stellen. Die Gespräche zu solchen möglichen Folgeeinsätzen laufen aber noch.