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„Sicherheit entsteht durch geringere Verwundbarkeit“

Täglich treffen Cyberangriffe Kliniken, Unternehmen und Kommunen – mit wachsender Wucht. Linus Neumann vom Chaos Computer Club sagt, was wirklich hilft. 

Klaus LüberInterview: Klaus Lüber , 24.06.2026
Porträtfoto einer Person mit kurzem dunklem Haar, leichtem Schnurrbart und Kinnbart, mehreren Ohrpiercings und schwarzem Sakko.
Linus Neumann, IT-Experte und Sprecher des Chaos Computer Clubs © Luca Melette/Fazit

Herr Neumann, wie schätzen Sie die aktuelle Bedrohungslage bei Cyberangriffen auf Deutschland ein? 

Ransomware und Erpressung treffen täglich Unternehmen, Kliniken und Kommunen. Das eigentliche Problem ist nicht ein übermächtiger Gegner, sondern unsere eigene Verwundbarkeit und fehlende Resilienz. Solange das so bleibt, wächst das Geschäft. Die gute Nachricht: Solides Handwerk löst einen Großteil der Probleme. 

Was meinen Sie damit? 

Sicherheit ist kein Zustand, sondern ein Prozess: Eine IT-Infrastruktur wird nie „fertig“, sondern muss kontinuierlich gewartet und verbessert werden. Früher oder später fällt sie aus, und darauf muss man vorbereitet sein – genau das bedeutet Resilienz. Und: Die Angreifer haben in der Regel gar keine besonderen Fähigkeiten. Sie nutzen einfach weit verbreitete und deshalb auch allgemein bekannte Fehler aus. Wir müssen endlich die Lehren daraus umsetzen. 

Was hat sich in den letzten zwei bis drei Jahren am stärksten verändert: Tools, Ziele oder die Organisation der Angreifer? 

Die Methode bleibt dieselbe, sie wird nur zunehmend perfektioniert. Die Angreifer verschlüsseln Systeme, um den Betrieb zu unterbrechen. Backups werden gelöscht, damit keine Wiederherstellung möglich ist, Daten werden heruntergeladen und es wird mit Veröffentlichung gedroht. So erpressen die Angreifer Lösegeld. Weil diese Masche fast überall funktioniert, arbeiten Kriminelle zunehmend arbeitsteilig und kommerziell.  

Was ändert sich durch Künstliche Intelligenz? 

KI hilft Angreifern und Verteidigern gleichermaßen. Technische Schwachstellen lassen sich nun viel besser aufspüren und schließen, aber leider auch ausnutzen. Die Verteidigung kann – und muss – nun also die technische Sicherheit auch durch Updates erreichen. Auf Angriffsseite senkt KI die Einstiegshürde. Auch Social Engineering, also Angriffe auf menschliche Schwächen, wird leichter, besser und dadurch noch wahrscheinlicher erfolgreich. 

Deutschland will künftig eine „aktive Cyberabwehr“ erlauben. Was halten Sie davon?

Sicherheit entsteht durch geringere Verwundbarkeit, nicht durch die Androhung eines Gegenschlags gegen Kriminelle, die viel weniger zu verlieren haben. Wir sollten in Verteidigung und Resilienz investieren, nicht in den Angriff. 

Zur Person: Linus Neumann

Linus Neumann ist Sprecher des Chaos Computer Clubs, der größten europäischen Hackervereinigung. Er ist ein sogenannter White Hat Hacker, ein IT-Sicherheitsexperte, der Sicherheitslücken aufspürt, um sie zu schließen, bevor Kriminelle sie ausnutzen.