Ein Ort der Hoffnung in Gaza
Zwischen Trümmern und zerstörter Infrastruktur behandelt eine neue Klinik in Gaza-Stadt täglich rund 100 Menschen. Wie Ärztinnen und Pfleger versuchen, medizinische Versorgung und Zuversicht zurückzubringen.
Der Gazastreifen liegt in Trümmern. Die meisten Menschen leben in provisorischen Unterkünften und die humanitäre Lage ist prekär. Trinkwasser ist knapp, zerstörte Gebäude und Müll erschweren die hygienischen Bedingungen, Hautkrankheiten breiten sich aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einem erhöhten Risiko für tödliche Infektionskrankheiten – wie Rattenfieber und Pest. Mehr als 60 Prozent der medizinischen Einrichtungen wurden nach Angaben des Auswärtigen Amts im Krieg vollständig zerstört, viele weitere schwer beschädigt. Über 70.000 Menschen sind bisher in dem Küstengebiet gestorben.
Menschen in Gaza eine Zukunft geben
Die Eröffnung der neuen Klinik des Malteser-Ordens in Gaza-Stadt im Juni sei deshalb ein „Leuchtfeuer“, sagt Ali Ibrahim Al-Musaddar, medizinischer Leiter der Klinik. Für Patientinnen und Patienten wie Mitarbeitende gehe es hier auch um Würde, Mitgefühl und einen Ausblick in die Zukunft, erklärt der Klinikleiter. Gerade im Osten der Stadt fanden die oft mehrfach Vertriebenen bisher kaum Zugang zu medizinischer Versorgung. "Weil ich einen Kaiserschnitt hatte, wären lange Wege in ein anderes Krankenhaus für mich besonders schwierig gewesen. Deswegen bin ich sehr dankbar um diese neue Klinik. Die Ärztinnen und Ärzte sind hervorragend – alles ist sauber, und alle begegnen uns mit Respekt", erzählt Raeda, eine Palästinenserin, die in der Altstadt von Gaza-Stadt lebt. Gut hundert Patientinnen und Patienten behandle man nun jeden Tag. Die St. Joseph Klinik bietet gynäkologische Behandlungen und verfügt über Fachpersonal für Innere Medizin, chronische Erkrankungen und Kinderheilkunde. Zukünftig sollen außerdem psychologische Betreuung und Ernährungsberatung angeboten werden.
Seit Beginn des Gaza-Kriegs, dessen Auslöser der Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 war, bei dem Terroristen rund 1.200 Menschen töteten, versorgte die Hilfsorganisation Malteser International rund 25 000 Menschen mit mehr als 200 Tonnen lebensrettenden Hilfsgütern. Mit der Klinik bei der Pfarrei St. Joseph zeige man den Menschen, unabhängig von Religion und Herkunft, dass sie nicht vergessen werden, erklärt Josef Blotz, der die karitativen Werke des Malteserordens koordiniert.
Die neue Klinik des Malteser-Ordens in Gaza-Stadt wird von mehreren internationalen und kirchlichen Partnern unterstützt: dem deutschen Auswärtigen Amt, dem tschechischen Außenministerium, Aktion Deutschland Hilft, UNICEF, dem Lateinischen Patriarchat von Jerusalem sowie den Erzdiözesen München und Freising und Paderborn.
Die Gesundheitsversorgung in Gaza wieder aufbauen
Hadil Abed ist studierte Krankenschwester und gehört zu den rund 30 neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik im Stadtteil Deir al-Balah. Gemeinsam mit ihrem Team versorgt sie Menschen, die während der israelischen Angriffe schwere Verletzungen erlitten haben. Der feste Arbeitsplatz sei eine Erleichterung, sagt Abed. „Drei Jahre lang bin ich von einem Krankenhaus zum nächsten marschiert, oft stundenlang und in der Hitze.“ Dabei habe sie selbst gehungert, nicht genug getrunken, um liebe Menschen getrauert und um ihr Zuhause. „Wir waren oft furchtbar erschöpft, aber unsere Arbeit gibt uns auch Stärke. Wir sorgen dafür, dass die Menschlichkeit nicht verloren geht in Gaza.“