Erasmus – die neue Programmgeneration

Erasmus ist die Erfolgsgeschichte der EU: 2017 hatte das Programm einen neuen Teilnehmerrekord – 800.000 junge Menschen wurden gefördert. Wie geht es nun weiter?

Erasmus – die neue Programmgeneration
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Seit mehr als 30 Jahren sind Erasmus+ und seine Vorgängerprogramme wichtige Instrumente für die Internationalisierung der deutschen Hochschulen. Im Januar 1986 hatte die EU-Kommission ihren Vorschlag für ein neues Aktionsprogramm zur Förderung der studentischen Mobilität vorgelegt. Das Programm sollte den Namen ERASMUS tragen – ein Akronym für EuRopean Community Action Scheme for the Mobility of University Students, das auch als Hinweis auf den Philosophen Erasmus von Rotterdam ver­standen werden kann. Mit der aktuellen Programmgeneration wurden 2014 alle bislang nebeneinander bestehenden Förderlinien für Schulen und Hochschulen sowie Erwachsenen- und Berufsbildung im Erasmus+ Programm für Bildung, Jugend und Sport zusammengeführt.

Bewährte Programme werden auch in der nächsten Phase weitergeführt

Dennoch werde sich in der neuen Periode nur wenig ändern, stellt Dr. Klaus Birk, Direktor der Nationalen Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit im DAAD und zuständig unter anderem für die Umsetzung des Erasmus+ Programms, fest. „Nach den gravierenden Umstrukturierungen durch die Zusammenlegung aller Bereiche zu Beginn der aktuellen Programmgeneration, die auch technisch große Herausforderungen mit sich brachten, führen wir in der nächsten Phase bewährte Programme weiter.“

Einhellig begrüßt wird die geplante Erhöhung des Budgets auf 30 Milliarden Euro. Mit Blick auf die im Sommer anstehenden Wahlen zum Europaparlament gebe es jedoch keine belastbaren Zahlen, so Birk. „Es ist nicht auszuschließen, dass rechtskonservative Kräfte an Zustimmung gewinnen, die den Themen Internationalisierung und Europa deutlich kritischer gegenüberstehen.“

Im Hochschulbereich finden sich zwei Aspekte ganz oben auf der Agenda: Die internationale Dimension von Erasmus und somit die Kooperation mit nichteuropäischen Ländern zu stärken, ist erklärter politischer Wille und wird von der Nationalen Agentur im DAAD geteilt. Ein Projekt mit Leuchtturm­charakter wiederum sind die vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron angeregten Europäischen Hochschulen, die ab 2021 als eigene Projektschiene Teil von Erasmus sein werden – eine erste Pilotausschreibung endete im Februar 2019 und fand europaweit hohes Interesse. Mit dieser neuen Förderlinie regt die EU-Kommission den Zusammenschluss europäischer Hochschulen in Allianzen an, die ein gemein­sames strategisches Konzept entwickeln.

„Studierende und Wissenschaftler sollen innerhalb dieser Konsortien frei entscheiden können, wo sie studieren und forschen wollen“, erklärt Nina Salden, Leiterin der DAAD-Außenstelle Brüssel. „Das ist ein Quantensprung in der Zusammenarbeit europäischer Hochschulen, die über jetzige Formen strategischer Hochschulpartnerschaften weit hinausgeht.“ Viel Diskussion gab es im Vorfeld um die geografische Ausgewogenheit der Europäischen Hochschulen: Die Europäische Kommission erwartet von den antragstellenden Konsortien, dass sie Partner aus möglichst unterschiedlichen Regionen Europas einbinden.

Der DAAD schlägt neue Mobilitäts­formen und bessere Betreuung vor

Stand die Ausgestaltung der Erasmus-Bildungs­programme in den Jahren nach der Wirtschaftskrise stark unter dem Vorzeichen der Berufsbefähigung, beobachtet Klaus Birk im Hinblick auf die neue Programmgeneration inhaltliche Verschiebungen. „Ein Fokus liegt auf der Inklusion junger Menschen, für die der Zugang zum Auslandsstudium schwieriger ist“, sagt er. Die Nationale Agentur im DAAD schlägt eine Kombination aus neuen Mobilitätsformen, besserer Betreuung, Digitalisierung und Marketing vor, um Zielgruppen wie Erstakademiker oder Migranten besser zu erreichen. Die Förderung kürzerer Mobilitätsaufenthalte, virtueller Austausch und Blended Learn­ing könnten mögliche Maßnahmen auf diesem Weg sein und sind im neuen Erasmus-Programm auch vorge­sehen.

Die aktuelle Krise um die Zukunft Europas spiegelt sich auch in der Diskussion um die Zukunft von Erasmus wider: Ideen und Vorschläge, die auf eine Förderung des europäischen Zusammenhalts zielen, erhalten ein deutlich stärkeres Gewicht. Hier komme auch den Alumni eine wichtige Rolle zu, betont Klaus Birk. „Sie sind hervorragende Botschafter für den europäischen Gedanken.“

Den Europa-Gedanken mit guten Initiativen nach vorn bringen  

Das Programm „Europa macht Schule – Europe meets School“ ist für ihn ein gutes Beispiel dafür, wie sich ehemalige Erasmus-Programm-Teilnehmer aktiv einsetzen und den Europa-Gedanken nach vorne bringen können. An 40 Standorten organisieren ehemalige Stipendiaten Veranstaltungen in Schulen, für die sie aktuelle Erasmus-Studierende gewinnen. Die internationalen Gaststudierenden stellen beispielsweise ihr Land vor oder kochen mit den Schülern zusammen typische Gerichte aus ihrer Heimat.

Bislang werden diese Aktivitäten vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert. Aus Sicht der Nationalen Agentur im DAAD würden Maßnahmen wie diese, die direkt an den Hochschulen or­ganisiert werden, auch gut in das neue Erasmus-Programm passen, müssten aber dezentral bleiben. „Für erfolgreiche Initiativen braucht man eine enge Betreuung der Aktiven vor Ort und feste Ansprechpartner“, so Klaus Birk. „Wenn jeder Antrag erst über Brüssel läuft, geht solchen Projekten schnell die Luft aus.“

Der Beitrag erschien zuerst im DAAD-Alumni-Magazin LETTER