Europäische Hochschulen für mehr Zusammenhalt in Europa

EU-Initiative Europäische Hochschulen soll Exzellenz, Innovation und Inklusion in der Hochschulbildung fördern.

Europäische Hochschulen für mehr Zusammenhalt in Europa
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Mit der Initiative Europäische Hochschulen will die EU-Kommission europaweit die Exzellenz, Innovation und Inklusion in der Hochschulbildung fördern. 15 deutsche Universitäten sind Partner innerhalb der Hochschulnetzwerke, die im Rahmen der ersten Pilotausschreibung ausgewählt wurden. Mit dabei: die Freie Universität Berlin und die Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Der DAAD unterstützt die deutschen Hochschulen in der Pilotphase zudem mit einem nationalen Begleitprogramm.

Am Anfang steht die Vision: Ein Netzwerk aus Hochschulen verschiedener Länder Europas bildet eine Europäische Hochschule – ein Ort pädagogischer Neuerung und exzellenter Forschung, an dem Studierende in mehreren Ländern und Sprachen studieren. Diese Idee geht zurück auf die Grundsatzrede „Initiative für Europa“ des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron, die er im September 2017 an der Pariser Universität Sorbonne hielt. Sein Vorschlag: die Einrichtung von mindestens 20 Europäischen Universitäten bis zum Jahr 2024. Die EU-Kommission griff diesen Impuls auf und machte die Europäischen Universitäten zu einem Flaggschiff des Europäischen Bildungsraums, das „einer neuen Generation von Europäerinnen und Europäern ermöglicht, über Sprachen, Grenzen und Studienfächer hinweg zusammenzuarbeiten, um eine starke europäische Identität zu entwickeln“.

15 Universitäten sind in der ersten Runde dabei

Zwei Jahre später ist dieses Ziel schon wesentlich näher gerückt. Nach einer ersten Pilotausschreibung im Oktober 2018 wählte die EU-Kommission Ende Juni dieses Jahres 17 Allianzen mit 114 beteiligten Hochschulen aus, die drei Jahre lang mit einem Gesamtbudget von 85 Mio. Euro gefördert werden. Eingegangen waren 54 Bewerbungen aus 31 Erasmus+ Programmländern. Die geförderten Hochschulverbünde zeigen eine große Bandbreite: von Fachhochschulen über Technische Hochschulen und Kunsthochschulen bis hin zu forschungsintensiven Universitäten. Darunter sind 15 deutsche Universitäten, die an 14 Allianzen beteiligt sind. Die Nationale Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit im DAAD hatte viele deutsche Einrichtungen im Vorfeld beraten. In der Pilotphase sollen verschiedene Modelle einer Europäischen Hochschule erprobt werden. Im Oktober 2019 wird eine zweite Pilotausschreibung folgen, bevor die Kommission 2021 die endgültige Förderlinie im Rahmen des künftigen Erasmus-Programms gestaltet. Wie viele Europäische Hochschulen mit welchem Budget am Ende gefördert werden, ist noch unklar – fest steht, dass es wesentlich mehr werden als die von Macron avisierten 20 Allianzen.

Europäische Hochschulen

Der Begriff „Hochschule“ umfasst alle Arten von Hochschuleinrichtungen. Die Initiative Europäische Hochschulen verfolgt eine langfristige Vision. Bis 2025 erwartet die Europäische Kommission diese Schlüsselelemente:
 

  • eine gemeinsame, integrierte und langfristige Strategie für Bildung, möglichst mit Verbindungen zu Forschung, Innovation und zur Gesellschaft insgesamt,
  • einen europäischen, „interuniversitären“ Hochschulcampus,
  • europäische wissensbildende Teams von Studierenden sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich gemeinsam gesellschaftlichen und anderen Herausforderungen ihrer Wahl in einem multidisziplinären Ansatz stellen.
     

Nationales Begleitprogramm des DAAD

„Die Initiative zur Schaffung Europäischer Hochschulnetzwerke ist ein positives Signal für unsere Hochschulen, Forschenden und Studierenden. Für einen stärkeren europäischen Zusammenhalt, für mehr Zusammenarbeit, für Hochschulabsolventen, die Europa erleben, erfahren und atmen“, sagt Peter Greisler, Leiter der Unterabteilung „Hochschulen“ im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). „Nicht nur Deutschland, sondern die große Mehrzahl der Mitgliedstaaten sehen dies genauso. Sie unterstützen die Hochschulen komplementär zur europäischen Förderung, damit unsere Hochschulen dieses ambitionierte Vorhaben ermöglichen können. Gerade in Zeiten, in denen zu wenig über die Vorteile Europas gesprochen wird, ein wichtiges Signal, das wir gerne mit unserem nationalen Programm verstärken wollen.“ Das ergänzende Programm „Europäische Hochschulnetzwerke (EUN) – nationale Initiative“ setzt der DAAD mit Mitteln des BMBF um. Damit sollen die deutschen Hochschulen innerhalb ihrer Netzwerke gestärkt und bei ihrem Einstieg in der Pilotphase unterstützt werden. Die zusätzliche Förderung richtet sich sowohl an deutsche Hochschulen in EU-geförderten Konsortien als auch an solche Einrichtungen, die mit einem qualitativ hochwertigen Antrag in der ersten Runde noch nicht zum Zuge gekommen sind. Darüber hinaus wird der DAAD flankierende Maßnahmen zur Vernetzung der deutschen Partner innerhalb der Europäischen Hochschulen anbieten.

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz koordiniert FORTHEM

Einer der ausgewählten Hochschulverbünde ist die FORTHEM-Allianz unter Federführung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Das Akronym steht für „Fostering Outreach within European Regions, Transnational Higher Education and Mobility”.

Beteiligte Partner der FORTHEM-Allianz
 

  • Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Deutschland (Projektkoordination)
  • Jyväskylän yliopisto in Jyväskylä, Finnland
  • Latvijas Universitāte in Riga, Lettland
  • Università degli Studi di Palermo, Italien
  • Universitat de València, Spanien
  • Université de Bourgogne in Dijon, Frankreich,
  • Uniwersytet Opolski in Oppeln, Polen
     

Das Konsortium baut auf der engen Partnerschaft der JGU mit der Université de Bourgogne im französischen Dijon und der Uniwersytet Opolski im polnischen Oppeln auf. Mit der französischen Universität betreibt die JGU bereits 30 gemeinsame Bachelor- und Masterstudiengänge. Zusammen mit der Uniwersytet Opolski bieten diese drei Hochschulen den deutschlandweit einmaligen trinationalen Masterstudiengang „European Studies“ an. Darüber hinaus verbindet Mainz mit Dijon eine Städte- und Regionalpartnerschaft sowie mit der Woiwodschaft Oppeln eine Regionalpartnerschaft. Vier weitere Partner mit ähnlichem Profil und einer starken Verankerung in der jeweiligen Region kommen aus Finnland, Italien, Lettland und Spanien.

Für die Menschen

Die Ausschreibung traf bei den sieben Hochschulen genau den richtigen Nerv: „Europa ist im Umbruch, und wir als Bildungseinrichtungen sind mehr denn je gefordert, europäische Werte und Traditionen hochzuhalten und an künftige Generationen weiterzugeben“, erklärt Dr. Markus Häfner, Leiter des International Office an der JGU. Einen Schwerpunkt legt das Konzept der FORTHEM-Allianz auf die Förderung der Mobilität und den begleitenden Abbau bürokratischer Hindernisse innerhalb des Netzwerks. Interdisziplinäre FORTHEM Labs sollen zudem neue Wege in Lehre und Forschung beschreiten: Hier sollen sich Forschende, Lehrende und Studierende gemeinsam mit Zukunftsfragen beschäftigen. Eine „Outreach-Strategie“ birgt viele Ideen, wie Universitäten und Gesellschaft enger vernetzt werden können. Das Akronym FORTHEM signalisiert in seiner Lesart „for them” (für sie), dass die Allianz kein Selbstzweck ist, sondern einen Mehrwert für die Menschen Europas bietet – für die Mitglieder der beteiligten Universitäten ebenso wie für die Bürgerinnen und Bürger der jeweiligen Region. Auch wenn die Zeit für die Antragsstellung recht knapp bemessen war, „wollten wir unter den Ersten sein und keine Zeit verlieren“, sagt Markus Häfner. „Ich bin davon überzeugt, dass die Europäischen Hochschulen kein geschlossener Club sein dürfen, sondern ein multiplizierbares Konzept hervorbringen sollten, das den gesamten Europäischen Hochschulraum in Bewegung setzt.“ Und Prof. Dr. Stephan Jolie, Vizepräsident für Studium und Lehre an der JGU und gleichzeitig FORTHEM-Beauftragter des Präsidiums, ergänzt: „Das historisch Einmalige an Europa ist die Gemeinsamkeit der Werte von Offenheit und Anerkennung des Anderen, die in der Verschiedenheit der Sprachen, Kulturen und Regionen gelebt wird. Die Europäischen Universitäten haben zwei Aufgaben: Zum einen sollen sie selbst ein Spiegel dieser bereichernden Spannung von Gemeinsamkeit und Vielfalt sein, zum anderen sollen sie in Forschung und Lehre dieses Verständnis und diese Werte vertiefen und an die nächste Generation weitertragen. Unser Netzwerk selbst ist ein gelebtes Modell und Labor für den friedlichen und fruchtbaren Austausch von Menschen, Ideen und Kulturen.“

Mitten in UNA Europa: Freie Universität Berlin

Die Begeisterung für die Idee von Macron und die Erkenntnis, dass Hochschulen mehr für den europäischen Gedanken tun müssen, teilten auch die Partner von UNA Europa von Beginn an. Teilnehmer aus Deutschland am EU-geförderten Konsortium ist die Freie Universität (FU) Berlin. „Die FU will mit dem neuen Netzwerk UNA Europa ihre strategische Präsenz in Europa erhöhen – komplementär zu ihren strategischen Partnerschaften außerhalb der EU. Vor allem aber will sie das Bewusstsein für unsere gemeinsame europäische Identität und Aufgabe stärken, und zwar sowohl bei Studierenden als auch bei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern“, fasst Vizepräsidentin Prof. Dr. Verena Blechinger-Talcott die Ziele ihrer Hochschule zusammen.

Beteiligte Partner der UNA Europa-Allianz
 

  • Alma Mater Studiorum – Università di Bologna, Italien
  • Freie Universität Berlin, Deutschland
  • Katholieke Universiteit Leuven, Belgien (Projektkoordination)
  • The University of Edinburgh, Schottland
  • Universidad Complutense de Madrid, Spanien
  • Université Paris i Pantheon-Sorbonne, Frankreich
  • Uniwersytet Jagiellonski in Krakau, Polen
     

Mit den sechs Partnern verband die FU bislang Erasmus-Mobilität und diverse Forschungskooperationen unterschiedlicher Ausprägung und Intensität; strategische Kontakte bestanden zuvor nicht. Das Konzept der Allianz stellt vier Kernthemen in den Mittelpunkt, für die gemeinsame Formate in Lehre und Forschung entwickelt werden sollen: European Studies, kulturelles Erbe, Nachhaltigkeit und Data Science.

Mit großem Enthusiasmus

Angesichts der kurzen Zeit für die Antragsstellung war es eine Herausforderung, sich auf vier gemeinsame Themen zu einigen, berichtet Dr. Herbert Grieshop, Leiter der Internationalen Abteilung und des Center for International Cooperation an der FU, und ergänzt: „Aber ich habe selten einen Prozess erlebt, bei dem der Enthusiasmus so groß war. Wenn alle bereit sind, kann man viele Hindernisse überwinden.“ Mit der Katholieke Universiteit Leuven einen Projektkoordinator an der Seite zu haben, der viel Erfahrung mit europäischen Anträgen mitbringt, sei ebenfalls ein großer Pluspunkt gewesen. Nach dem Erfolg bei der Pilotausschreibung geht es nun an die Umsetzung. Vizepräsidentin Blechinger-Talcott sieht darin einen dynamischen Prozess, in dessen Verlauf die Partner gemeinsam wachsen: „Es geht nicht darum, bis zum Jahr 2025 eine einheitliche europäische Universität zu schaffen. Wir möchten vielmehr eine Ermöglichungsplattform aufbauen, mit der die Vielfalt der europäischen Universitätslandschaft von allen erfahren werden kann.“ UNA Europa war nicht nur in Brüssel erfolgreich, sondern konnte im Kontext der Allianz bereits drei weitere EU-Projekte einwerben. „Wir haben gemerkt, dass dieses Netzwerk wirklich den Effekt hat, dass wir über den Antrag hinaus in allen möglichen Bereichen – von der Betreuung von Postdocs bis zur Weiterbildung im Bereich Interkulturelles Lernen – zusammenarbeiten können“, so Herbert Grieshop. „Wir sind schon mittendrin.“

Der Beitrag erschien zuerst auf der Webseite des DAAD.