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Porträt einer kurzhaarigen Person in schwarzem Oberteil vor hellem, unscharfem Hintergrund, die direkt in die Kamera blickt.
Eva von Redecker © Sophia Brandt

Was hilft gegen Rechtsextremismus?

Eva von Redecker untersucht die Ursachen des modernen Rechtsextremismus und entwickelt neue Ideen zu Freiheit, Demokratie und Zusammenhalt. 

09.07.2026Klaus LüberKlaus Lüber

Was tun gegen den globalen Rechtsruck? Für die Philosophin Eva von Redecker ist das eine sehr konkrete Frage. Sie lebt im ländlichen Brandenburg, wo fast 40 Prozent die in weiten Teilen rechtsextreme Partei Alternative für Deutschland (AfD) wählen. In diesem Klima Haltung zu zeigen, erfordert Mut. Redecker macht sich keine Illusionen: „Ich bewundere alle Leute, die in ostdeutschen Dörfern leben und nicht AfD wählen.“ 

Wer dem Trend etwas entgegensetzen will, müsse erst verstehen, wie der moderne Faschismus funktioniert, so Redecker. In ihrem aktuellen Buch „Dieser Drang nach Härte“ (2026) prägt sie den Begriff des „Phantombesitzes“: einen Verfügungsanspruch auf Güter oder Privilegien, die einem nicht zustehen und die trotzdem rabiat verteidigt werden. Rechtsextreme politisierten all diese Phänomene in derselben Rhetorik. „Sie erwecken den Eindruck, die Leute würden bestohlen. Denn Diebstahl lässt Gewalt als legitime Notwehr erscheinen. Der Faschismus der Gegenwart agiert im Modus der Selbstverteidigung“, sagt sie. 

Rechtsextreme erwecken den Eindruck, die Leute würden bestohlen.
Eva von Redecker

Anders als der klassische Faschismus beruhe seine heutige Ausprägung nicht mehr vor allem auf Massenbewegungen, erklärt von Redecker. Stattdessen bildeten sich lose Zusammenschlüsse von Einzelnen – etwa in sozialen Netzwerken. „Heute haben wir es mit Trollen zu tun, die einen Mob bilden, aber vereinzelt bleiben.“ Ein wichtiges Merkmal sei der Hang zur Zerstörung. In einer Welt, in der Klimakrise und Prekarität die Zukunft verbauen, äußere sich Souveränität oft nur noch als Anspruch auf Destruktion. „Man will wenigstens etwas kaputt machen dürfen, um die eigene Freiheit noch einmal zu spüren.“ 

Den Nährboden sieht sie im Kapitalismus, der Menschen in Konkurrenz zwingt und sie — wie die Natur — in Verwertbares und wertlosen „Ausschuss“ spaltet. Dagegen entwirft von Redecker die Vision einer „reparativen Demokratie“. Ihre Antwort auf den Faschismus: öffentlicher Luxus. Wenn alle sich versorgt fühlten, das Wohnen bezahlbar wäre, Bahnen pünktlich führen würden und Ärzte ausreichend Zeit hätten, verlöre die Verschanzung hinter Phantombesitz ihre Attraktivität. 

Freiheit, so die These ihres Buchs „Bleibefreiheit“ (2023), ist nicht nur räumlich – die Möglichkeit, sich zu bewegen. Sie ist auch zeitlich: die Möglichkeit, zu bleiben, Lebensgrundlagen zu erhalten, Verantwortung für einen Ort zu übernehmen. Antifaschismus bedeute, eine bessere Realität anzubieten – eine, die echte Sicherheit verspricht, nicht bloße Kompensation. 

Zur Person: Eva von Redecker

Eva von Redecker, geboren 1982 in Kiel, ist Philosophin und freie Autorin. Sie forschte an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie als Gastwissenschaftlerin in Cambridge und New York. Heute lebt sie im ländlichen Brandenburg. www.evredecker.net