Der „Green Man“ von Malaysia

Matthias Gelber wirbt als „Grüner Botschafter“ für nachhaltiges Leben.

Matthias Gelber
Edmond Reyes

Matthias Gelber trägt für Fotos gern auffallend dunkelgrüne Hemden, auf denen hellgrüne Pflanzenornamente ranken. Ist der Anlass formeller, dann ist wenigstens die Krawatte grün. In vielen Ländern Asiens ist der 50-Jährige als „Green Man“ bekannt.  Er wirbt für nachhaltigen Konsum und umweltfreundliches Verhalten, fürs  Energiesparen auch gern mit seiner eigenen Stromrechnung, die nie mehr als zehn Dollar pro Monat beträgt. Und das in Malaysia, einem Land, dessen tropisches Klima den Stromverbrauch durch Klimaanlagen schnell hoch treibt.

Eine Folge von Tschernobyl

Aufgewachsen ist Gelber in Nordrhein-Westfalen in einem 500-Einwohner-Dorf umgeben von Wald und Wiesen. Dort hat er schon als Kind die Natur geliebt. Später studierte er in Großbritannien Umweltwissenschaften. Es war die Zeit, als in Deutschland viele jungen Menschen das Waldsterben, den sauren Regen und die Atomkatastrophe von Tschernobyl diskutierten. „Ich bin zwar nie bei den Grünen gewesen, aber sie haben mich beeinflusst“, sagt Gelber. Heute lebt er abwechselnd in Kuala Lumpur (Malaysia) und auf den Philippinen.

Ich habe schnell gemerkt, dass mein Ansatz in Asien gut ankommt.

Matthias Gelber
Zuspruch in Asien

Nach Asien kam er zuerst vor mehr als 20 Jahren mit dem „Christlichen Verein Junger Männer“ (CVJM) als deutscher Vertreter bei einem Umweltmeeting in Südkorea. Im Anschluss wurde er auch nach Indonesien eingeladen. „Ich habe schnell gemerkt, dass mein Ansatz in Asien gut ankommt“, erzählt Gelber. 2004 zog er schließlich nach Malaysia. Dort startete er die Energiespar-Kampagne „Negawatts“, entwickelte ein sogenanntes „Tiny Home“, eine Art statischen Wohnwagen mit rund elf Quadratmetern Wohnfläche, der mit Hilfe seiner Bauweise, einer Bio-Toilette und einer Solarstromanlage eine Art Vorzeigeprojekt für autarkes und energiesparendes Wohnen ist. Das Energiesparhaus passt  auf jeden Parkplatz oder in jeden Garten und Hinterhof. „Ich wollte damit demonstrieren, dass es möglich ist, energiesparend zu leben mit den Ressourcen, die in Malaysia verfügbar sind und mit den Produkten, die dort lokal hergestellt werden.“ Künftig soll das Minihaus auch modular angeboten werden, so dass mehrere davon aneinandergefügt auch für Familien oder Öko-Tourismus-Projekte genutzt werden können.

Aufklären statt belehren

Die Produktion des Tiny-Homes haben andere übernommen, denn Gelber sieht seine Mission eher darin, weiterhin aufzuklären: Er ist in Asien ein gefragter Redner auf Kongressen, an Universitäten und Schulen. Als Besserwisser aus dem Ausland will er aber nicht auftreten. „Ich erzähle einfach ein paar Stories, mache Beobachtungen, viele Witze und stelle Fragen“, sagt Gelber. Er versteht sich als „fremder Beobachter“, nicht als Lehrmeister.

Ein Unternehmen in Deutschland

In Deutschland hat der Botschafter grünen Lebens in Malaysia vor vielen Jahren mit ehemaligen Kommilitonen das Unternehmen Maleki gegründet, das Zement durch Baustoffe ersetzen will, die 60 bis 90 Prozent an CO2 einsparen. Von der EU habe er vor wenigen Wochen einen Brief erhalten, dass dieses Verfahren zu den deutschen grünen Top-Technologien gehöre. Vor kurzem hat Gelber auch sein erstes Buch veröffentlicht. Es trägt den Titel: „The greenman’s guide to green living and working“. Für die Produktion der bislang 5000 Exemplare hat er sich das Ziel gesetzt auch als „grünster Buchhersteller“ in die Umweltgeschichte einzugehen: Das Papier ist recycelt, die Tinte aus Pilzen gewonnen. „Wir haben zudem doppelt so viele Emissionen gekauft wie die Bücher verbraucht haben“, sagt er.

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