„Chinafrika. under construction“

Das Kunst- und Rechercheprojekt beleuchtet die wachsenden Beziehungen zwischen China und Afrika.

Chinafrika
Daniel Kötter/Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig

Deutschland. „Globalisierung wird oft verstanden als eine Handelsbeziehung, eine politische Macht sowie eine kulturelle Beziehung vorrangig zwischen dem Westen und dem globalen Süden“, heißt es in dem Ausstellungprogramm. Diese Verhältnisse würden sich jedoch verändern, seitdem China auf dem afrikanischen Kontinent Rohstoffe gewinnt und zugleich investiert. Das Kunst- und Recherche-Projekt „Chinafrika. under construction“, initiiert von dem Kurator  Jochen Becker aus Leipzig, untersucht  die wachsenden Beziehungen zwischen China und Afrika.

Was verbindet China und Afrika?

Spätestens mit dem Anbruch des 21. Jahrhunderts verfolgt die chinesische Regierung die Strategie, rund um den Globus Ressourcen zu gewinnen, um mit der heimischen Industrie günstige Produkte für den Weltmarkt herstellen zu können. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Produktion von Mobiltelefonen. Im Kupfergürtel von Sambia und Kongo baut China Rohstoffe für die Fabriken im Pearl River Delta ab. Afrikanische Händler wiederum haben darin ein Geschäft entdeckt. Sie sammeln kleines Kapital, fliegen nach Guangzhou, kaufen im Rahmen ihrer 32 Kilo Freigepäck Mobiltelefone , bringen diese auf die Märkte ihrer Herkunftsländer und machen so viel Profit, dass sie bei einer der nächsten Reisen schon Kisten und Container beladen. So hat sich aus dem Warenaustausch eine enge Beziehung zischen China und Afrika entwickelt. Fast zwei Millionen Chinesen leben bereits in Afrika, zwischen 100.000 und 500.000 Afrikaner halten sich in China auf.

Was zeigt die Ausstellung?

Seit 2013 recherchieren der Kurator Jochen Becker und der Filmemacher und Regisseur Daniel Kötter zu den kulturellen Effekten der ökonomischen und politischen Verbindungen zwischen China und dem afrikanischen Kontinent. Wie manifestiert sich ein globaler Prozess an den Orten, an denen Kulturen miteinander in Berührung kommen? Wie verändern sich Lebensperspektiven durch neue, internationale Beziehungen und Orientierungen? Wie werden Gegenstände und Bilder der „fremden“ Kultur Teil des Alltags? Das Ergebnis ist eine faszinierende Ausstellung in der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst, die neben Arbeiten internationaler Künstler, Filmemacher und Fotografen auch Positionen der „Chinafrika Working Groups“ zeigt. Diese haben sich im Rahmen des Projekts in den drei afrikanischen Städten Lagos, Johannesburg und Lubumbashi  sowie in der  chinesischen Stadt Guangzhou gegründet, um vor Ort Recherchen und künstlerische Arbeiten umzusetzen und eine lokale Debatte in Gang zu bringen (bis 8. Oktober 2017).

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