Duale Ausbildung fürs ganze Land

Mit deutscher Unterstützung will Ecuador die duale Ausbildung bis 2016 flächendeckend einführen.

Deutsche Schule Quito - Ausbildung

Ecuador verfügt mit seinen vielen natürlichen Ressourcen über ein enormes Entwicklungspotenzial. Um den Ausbau von Infrastruktur und Wirtschaft voranzutreiben, fehlen jedoch gut ausgebildete Fachkräfte. Nationale und internationale Unternehmen haben Schwierigkeiten, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Deshalb hat sich die Regierung Rafael Correas im Jahr 2012 ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2016 will sie im ganzen Land das duale Ausbildungssystem einführen. Sie investiert dafür 300 Millionen US-Dollar, 120 000 junge Menschen sollen von dem Programm profitieren.

Wegbereiter war die Deutsche Schule Quito. Auf Initiative einiger Firmen gründete sie schon 1989 ein Ausbildungszentrum für kaufmännische Berufe. Die Schüler erwerben im Unterricht theoretische Kenntnisse und sammeln bei Praktika Erfahrung in Betrieben. Nach zwei Jahren legen sie eine Prüfung vor der deutsch-ecuadorianischen Handelskammer (AHK Ecuador) ab und erhalten einen kaufmännischen Berufsabschluss nach deutschem Standard sowie die allgemeine Fachhochschulreife und den ecuadorianischen Titel „Tecnólogo“.

Bei einem Besuch einer Deutschen Schule kam Präsident Correa 2009 erstmals in Kontakt mit dem dualen System. Kurz darauf meldete sich sein Industrieminister bei der Deutschen Botschaft. Im Mai 2012 unterzeichnete das Ministerio de Conocimiento y Talento Humano eine unter Mitwirkung der Botschaft entstandene Rahmenvereinbarung mit der AHK. „Die Einführung der dualen Ausbildung nach deutschem Vorbild in ganz Ecuador ist ein Meilenstein in den bilateralen Beziehungen“, sagt Botschafter Alexander Olbrich. „Ecuador bietet eine hervorragende Gelegenheit, beispielhaft einen Prozess zur Einführung der beruflichen Bildung auf nationaler Ebene zu fördern und zu begleiten.“

Die AHK unterstützt das Projekt, indem sie Ausbildungsgänge entwickelt und die Zusammenarbeit mit Betrieben organisiert. „Für uns ist berufliche Bildung ein Kernthema“, sagt Geschäftsführer Oliver Parche. „Wir nehmen unsere Aufträge der Außenwirtschaftsförderung und des Berufsbildungsexports sehr ernst.“ Die deutsche Bundesregierung stellt für das Engagement der AHK 1,2 Millionen Euro zur Verfügung. Inzwischen liegen Lehrpläne für acht Ausbildungsgänge vor. Mehr als 40 Curricula soll die AHK mit entwickeln. Wichtig ist jedoch auch die Qualifizierung der Ausbilder. „Damit steht und fällt das Programm“, sagt Franz Buchty. Der pensionierte Leiter des Ausbildungszentrums in Quito arbeitet nun im zuständigen Ministerium als Berater und hat die ersten Schulungen persönlich durchgeführt. Insgesamt sollen 2500 Berufsschullehrer und 20 000 Tutoren qualifiziert werden.

Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang eine vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderte Public-Private-Partnership-Initiative: Gemeinsam mit den Unternehmen Haver & Boecker, Heidelberger Druckmaschinen und Continental sollen bis Ende 2015 die Ausbildungen zum Mechaniker, Elektroniker und Medientechnologen eingeführt werden. Mit 45 Stellen wollen die Firmen über ihren Bedarf ausbilden und so ein Zeichen in der ecuadorianischen Unternehmenslandschaft setzen, die sich noch schwer tut mit ihrem Beitrag zur Ausbildung „made in Germany“. ▪

Constanze Bandowski